Wirtschaft

"Gemeinsame Linie finden" Lagarde will Tonlage bei der EZB ändern

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"Wir sollten uns jetzt darauf konzentrieren, wie wir künftig wieder eine gemeinsame Linie finden können", sagte Lagarde.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach acht Jahren tritt Mario Draghi als EZB-Präsident ab. Christine Lagarde wird die erste Frau an der Spitze der Euro-Notenbank sein. Mit ihr dürfte ein anderer Führungsstil in das Amt einziehen: Die künftige Chefin möchte Meinungen früher zusammenbringen.

Die künftige Präsidentin der EZB, Christine Lagarde, will den internen Zwist über die jüngsten Schritte zur Lockerung der Geldpolitik überwinden. "Ich suche immer nach der gemeinsamen Basis, um die verschiedenen Meinungen zusammenzubringen", sagte die frühere Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) dem "Spiegel".

"Wir sollten uns jetzt darauf konzentrieren, wie wir künftig wieder eine gemeinsame Linie finden können." Lagarde wird ab November die erste Frau an der Spitze der Euro-Notenbank sein. Die Amtszeit von Mario Draghi läuft Ende Oktober nach acht Jahren ab.

Wegen der anhaltenden Konjunkturschwäche hatte die Europäische Zentralbank (EZB) vergangenen Monat ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Stützung der Wirtschaft auf den Weg gebracht. Der Einlagezins wurde um 0,10 Basispunkte auf minus 0,5 Prozent gesenkt, es wurden erneute Anleihenkäufe im monatlichen Volumen von 20 Milliarden Euro beschlossen und Erleichterungen für Banken auf den Weg gebracht. Mehrere Ratsmitglieder wie Bundesbank-Chef Jens Weidmann, der Notenbankchef der Niederlande, Klaas Knot, und auch Frankreichs Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau hatten in den Tagen danach ihre Kritik an Teilen des Pakets öffentlich gemacht.

Nach ihrem Amtsantritt will Lagarde die Strategie der Notenbank überprüfen. "Mein Ziel ist es, die Mitglieder des Zentralbankrats dabei frühzeitig einzubeziehen", sagte sie dem Magazin. "Wir werden Nutzen und Risiken der verschiedenen Optionen unvoreingenommen untersuchen." Mario Draghi habe seinen eigenen Stil, sie werde ihren Stil haben, sagte Lagarde. Dem "Spiegel"-Bericht zufolge will Lagarde Deutsch lernen. Sie habe einen Lehrer engagiert und werde bereits an ihrem ersten Arbeitstag mit dem Unterricht beginnen.

Wie schon Draghi forderte Lagarde die Regierungen der Euro-Zone auf, die EZB besser zu unterstützen. "Die Geldpolitik hat bereits viel geleistet in den vergangenen Jahren", sagte sie. "Deshalb muss sie nun durch Maßnahmen der Finanz- und Wirtschaftspolitik ergänzt werden." Lagarde will zudem die Themenfelder der Währungshüter um gesellschaftliche Fragen wie Klimapolitik und Frauenförderung erweitern. Verbessert werden soll auch die Kommunikation: "Ich betrachte es als eine meiner vordringlichen Aufgaben, den Euro sowie die Zentralbank und ihre Geldpolitik einer breiteren Öffentlichkeit nahezubringen."

Quelle: ntv.de, ibu/rts/DJ