Wirtschaft
Rollen bald wieder von Berlin nach Stuttgart: die orangefarbenen Züge des Bahnunternehmens Locomore.
Rollen bald wieder von Berlin nach Stuttgart: die orangefarbenen Züge des Bahnunternehmens Locomore.(Foto: imago/STPP)
Mittwoch, 16. August 2017

Flixbus und Leo sei Dank: Locomore nimmt wieder Fahrt auf

Von Christoph Rieke

Totgesagte leben länger: Ein Vierteljahr nach dem Insolvenzantrag sollen wieder Züge von Locomore durch die Republik rollen. Möglich macht das eine Kooperation zwischen einem tschechischen Bahn-Unternehmen und Flixbus. Es ist ein Pakt gegen die Deutsche Bahn.

Bei Flixbus ist gerade Party angesagt. "Wir freuen uns meeega über den Zuwachs auf der Schiene", steht auf der Internetseite des Fernbusunternehmens. Genauer genommen ist es die Seite von Locomore, die direkt zur Präsenz von Flixbus führt. Dort ist die unmissverständliche Botschaft: Das insolvente Fernzug-Start-up ist zurück, dank der tschechischen Bahn Leo Express - und eben Flixbus.

Wie beide Unternehmen mitteilen, sollen die orangefarbenen Züge von Locomore ab Donnerstag kommender Woche wieder zwischen Berlin und Stuttgart fahren. Demnach führt Leo die Fahrten durch, Flixbus übernimmt den Fahrkartenverkauf. "Wir trauen uns zu, den Zug voll zu machen", sagt Flixbus-Geschäftsführer André Schwämmlein im Gespräch mit n-tv.de. Mit dem Projekt wollten beide Kooperationspartner zeigen, "dass Reisen auch auf der Schiene nicht teuer sein muss". Die ersten Tickets sind für einen Aktionspreis von 9,90 Euro zu haben.

Locomore hatte im Dezember 2016 begonnen, als private Fernverkehrs-Konkurrenz zur Deutschen Bahn die Verbindung Berlin-Stuttgart anzubieten. Mitte Mai hatte das Unternehmen allerdings Insolvenz angemeldet. Zur Begründung hieß es, dass die Zahl der Fahrgäste und die Einnahmen nicht schnell genug gestiegen seien, um kostendeckend zu sein. Bis zur Einstellung des Betriebs am 12. Mai hatte Locomore rund 70.000 Fahrgäste befördert.

Zweite Chance für Berliner Start-up

Nun erhält das 2007 gegründete Start-up eine zweite Chance. "Wir waren beeindruckt, wie viele Passagiere Locomore trotz der kurzen Phase des Betriebs gefunden hat und haben gesehen, dass es eine hohe Nachfrage nach Alternativen zur Deutschen Bahn gibt", sagt Schwämmlein. "Dass es bis jetzt noch nicht funktioniert hat, liegt sicherlich auch daran, dass bisher die Vertriebspower und die Integration in ein flächendeckendes Angebot gefehlt hat."

Zunächst sollen die Züge einmal täglich von Donnerstag bis Montag fahren. Ab September soll eine Fahrt hinzukommen. An den erfahrungsgemäß schwachen Reisetagen Dienstag und Mittwoch werde der Fahrbetrieb ruhen. Auf der Strecke Stuttgart-Berlin hält der Locomore-Zug unter anderem in Hannover, Göttingen, Kassel, Frankfurt/Main und Heidelberg.

Attacke auf die Deutsche Bahn

Mit 92 Prozent Marktanteil ist Flixbus auf der Autobahn bereits unangefochtener Platzhirsch. In den vergangenen Jahren versuchte das Münchener Unternehmen, sich auch im Schienenverkehr zu etablieren. Hierzu kooperiert es seit 2013 mit einer österreichischen Privatbahn, seit 2015 mit Leo Express in Tschechien. In Deutschland arbeitet Flixbus mit dem Kölner Nahverkehr KVB zusammen.

Mit dem Locomore-Projekt attackiert das grüne Fernbus-Unternehmen nun die Deutsche Bahn auf deren Revier. Angesichts dessen ist es nur schwer vorstellbar, dass es Flixbus bei dieser Kooperation belässt. Flixbus-Gründer Schwämmlein hält weitere Angriffe auf den Marktführer für möglich: "Wenn wir das schaffen und das erfolgreich ist, will ich nicht ausschließen, dass man auf der Schiene noch mehr machen kann."

Quelle: n-tv.de

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