Wirtschaft

Weiter Engpässe am Himmel Lotsenmangel wird bis 2025 andauern

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Die Deutsche Flugsicherung sieht sich eingeklemmt zwischen Anforderungen der Airlines und Vorgaben der EU.

(Foto: picture alliance / Ina Fassbende)

Im europäischen Luftverkehr fehlt es an allerhand Lotsen. Der Personalmangel in der Flugsicherung ist eine der größten Ursachen massiver Flugverspätungen. Um die Lücke zu schließen, muss die Zahl der Auszubildenden hochgefahren werden. Doch das wird dauern.

Der für Flugverspätungen mitverantwortliche Lotsenmangel bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) lässt sich nach Einschätzung von DFS-Chef Klaus-Dieter Scheurle erst bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts beheben.

"Bis 2025 haben wir die Sollstärke erreicht", sagte Scheurle in Langen. Das gelte aber nur, wenn der Luftverkehr in Deutschland so wie erwartet von 3,34 auf 3,8 Millionen Flüge jährlich bis 2025 zunimmt. Derzeit liege die Zahl der Lotsinnen und Lotsen mit rund 2200 etwa 200 unter dem Soll. Um die Lücke zu schließen, will die DFS die Zahl der Auszubildenden von 120 im vergangenen Jahr auf 132 in diesem Jahr und 146 im kommenden hochfahren.

Der Personalmangel in der Flugsicherung gilt als eine wichtige Ursache der 2018 massiv gestiegenen Verspätungen im Luftverkehr. Er lag zum einen an Planungsfehlern, denn Grundlage der Personalplanung ist die EU-Prognose für den Luftverkehr über einen Zeitraum von fünf Jahren, die deutlich hinter der Realität zurückblieb. Bemühungen der Bundesregierung in der EU, den Prognosezeitraum auf drei Jahre zu verkürzen, seien gescheitert, erklärte Scheurle.

Im Schnitt acht Minuten Startverzögerung pro Flug

Zum anderen habe die DFS selbst aber auch den Wunsch der Beschäftigten nach Teilzeit, Elternzeit oder Vorruhestand unterschätzt, räumte der DFS-Chef ein. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hatte die Luftfahrt kürzlich zu einem zweiten Krisentreffen zusammengerufen, um ein erneutes Flugchaos zu verhindern. Das Fazit dort war, dass während Ferienzeiten trotz aller Bemühungen von Flugsicherung, Airlines und Flughäfen auch in diesem Jahr Passagiere mit Verspätungen und Flugstreichungen rechnen müssen.

"Ich befürchte, dass die flugsicherungsbedingten Verspätungen zunehmen werden", sagte Scheurle. Welchen Anteil der Verspätungen die Flugsicherungen in Europa für 2018 auf ihre Kappe nehmen musste, darüber gibt es sehr unterschiedliche Zahlen. Die europäische Lobby der Fluggesellschaften "Airlines for Europe" erklärte, die Luftraumkontrolle habe mehr als 75 Prozent der Verspätungen verursacht.

Nach Angaben der europäischen Luftverkehrsbehörde Eurocontrol waren es nur 23 Prozent der durchschnittlichen acht Minuten Startverzögerung pro Flug. Aber selbst wenn bei der Flugsicherung alle internen Probleme gelöst werden, hat Europa Scheurle zufolge damit zu kämpfen, dass die Aufnahmefähigkeit des Luftraums erschöpft ist. Die Flugsicherung arbeitet dagegen, indem sie weniger innerdeutsche Flüge in den oberen Luftraum über 8000 Meter lässt und künftig keine Sonderwünsche der Piloten mehr nach Routenänderungen erfüllt.

Umsatzrückgang auf 1,18 Milliarden Euro

Doch darüber hinaus müsse es eine europaweite Neuordnung der Flugsicherung und eine technische Modernisierung geben, forderte Scheurle. Eine Reform scheiterte in der EU bisher am Widerstand der Mitgliedstaaten dagegen, die Kontrolle über den eigenen Luftraum dafür ein Stück weit abzugeben. Die Bundesregierung will das Projekt unter ihrer EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 vorantreiben.

Bei der DFS fiel im vergangenen Jahr bei einem leichten Umsatzrückgang auf 1,18 Milliarden Euro ein Nettoverlust von 30 Millionen Euro an nach 30 Millionen Euro Gewinn 2017. Die Erlöse seien trotz gut vier Prozent mehr kontrollierten Flügen wegen Gebührensenkungen zurückgegangen. Die Kosten, zu vier Fünfteln Personalkosten, stiegen hingegen vor allem wegen höherer Pensionsrücklagen für die gut 5400 Beschäftigten.

Quelle: n-tv.de, jki/dpa/rts