Wirtschaft

Mehr Stornierungen als Buchungen Lufthansa bittet um Staatshilfen

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Lufthansa parkt etliche Flugzeuge in Frankfurt.

(Foto: imago images/Marcel Lorenz)

In den nächsten tagen werden zwei von drei Maschinen der Lufthansa am Boden stehen. Mit diesen Worten bereitet Konzernchef Spohr die Belegschaft auf harte Einschnitte vor. Inzwischen ist das Unternehmen in mehreren Ländern bei den Regierungen vorstellig. Es geht um konkrete Hilfen.

Die Lufthansa lotet die Chance auf staatliche Unterstützung aus. "Wir sprechen mit den Regierungen der Heimatmärkte über mögliche Staatshilfen", sagte ein Konzernsprecher. Hintergrund sind die immensen Folgen des Coronavirus. Inzwischen will das Unternehmen für Einsparungen Flugbegleiter und Mitarbeiter der Bodendienste in Kurzarbeit schicken. "Der Antrag auf Kurzarbeit ist eingereicht", sagte eine Sprecherin. Es sei aber noch unklar, wie viele Beschäftigte davon betroffen seien.

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Neben der deutschen Regierung sei man mit den Regierungen von Österreich, Belgien und der Schweiz im Gespräch, in denen der Konzern mit seinen Tochtergesellschaften Austrian, Brussels und Swiss vertreten ist, sagte der Sprecher weiter.

Die Bundesregierung hat inzwischen betroffenen Unternehmen unbegrenzte Hilfen zugesagt und denkt zusätzlich noch über ein Konjunkturprogramm nach. "Wir tasten uns nicht ran. Wir legen gleich alle Waffen auf den Tisch", sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz in Berlin. Es geht dabei vor allem um Kreditgarantien durch die staatliche Förderbank KfW sowie steuerliche Hilfen.

Angesichts der zahlreichen Stornierungen und zunehmenden Einschränkungen im Luftverkehr bis hin zu Einreiseverboten hatte die Airline bis Ende März ihr Angebot halbiert und bis 24. April weitere 23.000 Flüge gestrichen.

"Zwei von drei Maschinen am Boden"

Laut "Handelsblatt" nimmt Lufthansa-Chef Carsten Spohr an einer Runde mit Bundeskanzlerin Angela Merkel teil, in der es um das neuartige Coronavirus und die Folgen etwa für die Wirtschaft gehe. Laut dem Bericht werden zudem im Vorstand derzeit Szenarien durchgespielt, den Flugbetrieb eine Zeit lang sogar weitgehend einzustellen. Entschieden sei aber noch nichts.

In einer Videobotschaft an die Belegschaft sprach Konzernchef Carsten Spohr von immer dramatischeren Entwicklungen. Täglich gebe es bei den Airlines mehr Stornierungen als Buchungen. Die Lage verschärfe sich noch durch Reisebeschränkungen wie zuletzt am wichtigen Markt USA. Statt 70 Flügen täglich könne die Lufthansa nur noch vier dorthin anbieten.

"Ab den nächsten Tagen werden mindestens zwei Drittel unserer fast 800 Flugzeuge am Boden stehen", sagte Spohr weiter. Da die Auswirkungen der Krise auf die Weltwirtschaft noch nicht absehbar seien, prüfe die Lufthansa weitere Krisenmaßnahmen. "Dazu gehören auch potenzielle temporäre Schließungen von Flugbetrieben oder einzelner Hubs", ergänzte er.

Der Konzern hat rund 780 Flugzeuge in der Flotte, die im vergangenen Jahr durchschnittlich 3226 Flüge pro Tag absolviert haben.

Unterdessen kündigte British Airways Stellenstreichungen an. Angesichts der veränderten Umstände "können wir unser derzeitiges Beschäftigungsniveau nicht länger erhalten und Jobs werden verloren gehen", erklärte Airline-Chef Alex Cruz. Die Kürzungen könnten kurz- oder langfristig sein, erklärte Cruz demnach. Genaue Zahlen nannte er nicht.

Air France kündigte Kurzarbeit an, um diese "nie dagewesenen Krise" durchzustehen, wie es in einem Schreiben an die Mitarbeiter heißt. Offiziell wollte das Unternehmen dies nicht kommentieren.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/dpa

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