Wirtschaft

Zerstörte Ex-Mitarbeiter AWD? Maschmeyers Möchtegern-Rufmörder

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Auch wegen - nach eigener Aussage unwissentlicher - Investments in sogenannte Cum-Ex-Deals steht Maschmeyer in der Kritik. Daran und an vielen anderen Vorwürfen hatte Schabirosky allerdings keinen Anteil.

(Foto: picture alliance / Sebastian Gol)

Stefan Schabirosky behauptet, Carsten Maschmeyer und dessen Finanzvertrieb AWD mit einer Schmutzkampagne "fertiggemacht zu haben". Doch kann man dem Bericht eines Mannes glauben, der sich selbst in einer eidesstattlichen Versicherung als Lügner darstellt?

Wenn man Stefan Schabirosky glaubt, dann lief auf seinem Rachefeldzug gegen Carsten Maschmeyer alles ganz einfach: Nachdem er 2003 nach mehr als zehn Jahren im Vertriebsdienst von Maschmeyers Finanzvertriebsimperium AWD im Streit entlassen wird, wendet er sich an dessen ärgsten Konkurrenten, die Deutsche Vermögensberatung (DVAG). Direkt beim ersten Treffen habe DVAG-Chef Friedrich Bohl ihm nicht nur einen hochdotierten Beratervertrag, sondern auch eine Millionenprämie zugesichert, falls es dem Überläufer "gelingt, Maschmeyer und den AWD fertigzumachen".

So stellt jedenfalls der heute 46-jährige Schabirosky den Beginn seiner Kampagne gegen seinen Ex-Arbeitgeber dar. Das "Handelsblatt" druckt sein Buch "Mein Auftrag: Rufmord" auszugsweise vorab. Auch "Die Welt" und die "Bild am Sonntag" zitieren aus dem Text. Demnach war in den folgenden Jahren die stetige negative Berichterstattung über den AWD in den Medien vor allem auf von Schabirosky gefälschte und lancierte Informationen zurückzuführen. "Meine Kampagne lief wie geschmiert: Ich ersann wilde Verdächtigungen gegen den AWD. Von der DVAG finanzierte Juristen machten daraus wohlklingende Schriftsätze an Behörden, mit denen ich bei Journalisten hausieren ging", zitiert das "Handelsblatt" aus dem noch nicht erschienenen Buch.

Renommierte Medien wie der "Spiegel" und die ARD hätten seine Informationen weitgehend ungeprüft übernommen. Ein Journalist soll ihm sogar explizit dazu geraten haben, selbst anonym Anzeige gegen den AWD zu erstatten, um dann über die Ermittlungen berichten zu können. Dass Maschmeyer den AWD 2008 "entnervt" an den Schweizer Versicherungskonzern Swiss Life verkaufte, verbucht Schabirosky als krönenden Erfolg seiner Lügen-Kampagne.

Prozesse schon vor angeblicher Kampagne

Mit den neuen Enthüllungen bringt er die DVAG in Verruf. Als Grund, warum er nach seinem Rachefeldzug gegen den AWD nun seinen nächsten Arbeitgeber ins Visier nimmt, gibt Schabirosky Enttäuschung über den ihm angeblich entgangenen "Jackpot" an. Nachdem er es seiner eigenen Auffassung zufolge geschafft hatte, "den AWD kaputt zu kriegen", weigerte sich die DVAG, ihm die angeblich versprochene Millionenprämie auszuzahlen.

Daran, dass die Geschichte so ablief, wie von Schabirosky geschildert, gibt es allerdings erhebliche Zweifel. Die Darstellung, dass er die negativen Berichte und Verbraucherbeschwerden gegen den AWD maßgeblich initiierte, ist kaum haltbar. Bereits vor seinem Ausscheiden 2003 stand das Unternehmen massiv in der Kritik. Tausende Kleinanleger verloren tatsächlich viel Geld mit hochriskanten Investments. Zu dem Zeitpunkt, als Schabirosky mit einer Kampagne begonnen haben will, liefen bereits entsprechende Klagen.

Das ARD-Magazin "Panorama", dessen 2011 ausgestrahlte Maschmeyer-Doku "Der Drückerkönig und die Politik" Schabirosky als mehr oder weniger auf seinen Lügen basierendes Werk ausgibt, weißt dessen Darstellung vehement zurück. Der Bericht habe auf Informationen aus zahlreichen Quellen beruht. Schabirosky sei nur einer von mehreren Ex-AWDlern gewesen, die über die umstrittenen Vertriebspraktiken im Unternehmen berichtet hätten. Ähnlich nimmt die "Süddeutsche Zeitung" Stellung.

Zwei eidesstattliche Versicherungen

Die DVAG gibt zwar zu, mit dem dubiosen Überläufer einen Berater-Vertrag geschlossen zu haben. Allerdings habe Schabirosky lediglich Analysen zum europäischen Finanzdienstleistungsmarkt liefern sollen. "Nachdem keine verwertbaren Arbeitsergebnisse geliefert wurden und die Erkenntnis reifte, dass Schabirosky überwiegend und auf Kosten der DVAG einen persönlichen Rachefeldzug gegen den AWD führte, trennte sich die DVAG Ende 2008 von Schabirosky", heißt es in einer Erklärung des Unternehmens. Dabei habe Schabirosky in einer eidesstattlichen Versicherung erklärt, dass die DVAG weder davon gewusst noch Anweisungen dazu gegeben habe, falls er Gesetze verletzt habe.

Ausgerechnet eine eidesstattliche Versicherung bietet Schabirosky laut "Welt", um nun seiner gegenteiligen Darstellung von einer Rufmordkampagne im Auftrag der DVAG Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Welchen Reim sich Carsten Maschmeyer auf die Enthüllungen seines selbsterklärten Ex-Rufmörders macht, ist unbekannt. Der Unternehmer befindet sich derzeit im Urlaub, und war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Laut "Focus" hatten die beiden vor etwa einem Jahr wieder Kontakt. Angeblich habe Schabirosky sich entschuldigen wollen.

Quelle: ntv.de