Wirtschaft

Maßnahme vor allem gegen ChinaEU verdoppelt Stahlzölle und verknappt Importe

14.04.2026, 01:01 Uhr
00:00 / 03:27
Themenfoto-ThyssenKrupp-Stahlkrise-Krise-in-der-Stahlindustrie-Duisburg-Ruhrgebiet-Nordrhein-Westfalen-Deutschland-ThyssenKrupp-Steel-ein-Stahlarbeiter-im-Schutzanzug-entnimmt-eine-1500-Grad-heisse-Roheisenprobe-beim-Abstich-am-Hochofen-8-bis-zu-19-Prozent-CO2-pro-produzierter-Tonne-Roheisen-sollen-in-Zukunft-durch-ein-besonderes-Wasserstoff-Verfahren-eingespart-werden-Thyssenkrupp-wird-nicht-wie-bisher-Kohlestaub-in-den-Hochofen-einblasen-sondern-Wasserstoff-Archivbild-vom-15-04
Die Stahlsparte von Thyssenkrupp steckt in der Krise. (Foto: picture alliance / Rupert Oberhäuser)

Billigstahl aus Asien zwingt die heimische Stahlindustrie in die Knie. Die EU will nun die zollfreie Einfuhr auf den europäischen Markt drastisch verringern. Importe über die Quote hinaus sollen mit 50-Prozent-Zöllen belegt werden.

Die EU greift ihrer Stahlindustrie im internationalen Wettbewerb unter die Arme: Vertreter aus dem Europaparlament und dem Rat der 27 Mitgliedsländer einigten sich am Abend auf eine Ausweitung der EU-Stahlzölle. Jährlich sollen nur noch 18,3 Millionen Tonnen der wichtigsten Stahlimporte zollfrei auf den EU-Markt gelangen - das sind etwa 47 Prozent weniger als in den vergangenen Jahren. Für Einfuhren oberhalb der Quote wird ein 50-prozentiger Zoll fällig.

Stahlimporte in die EU sind bis zu einer bestimmten Menge pro Jahr zollfrei, für große Lieferanten wie die Türkei und Indien gelten spezifische Quoten. Überschritt die Einfuhrmenge die jeweilige Obergrenze, wurde bislang ein Zoll von 25 Prozent fällig, der nun verdoppelt wird. Die EU wirft insbesondere China vor, seiner Stahlindustrie mit staatlichen Hilfen einen unfairen Vorteil zu verschaffen und dafür zu sorgen, dass weltweit zu viel Stahl auf dem Markt ist. Zahlen des Weltstahlverbands zufolge produzierte China im vergangenen Jahr rund 961 Millionen Tonnen und damit mehr als die Hälfte des Stahls weltweit. Zum Vergleich: Die deutsche Industrie kam auf rund 34 Millionen Tonnen Stahl.

Die europäischen Hersteller leiden unter hohen Energiepreisen, außerdem sind sie von den US-Zöllen betroffen. Zugleich ist die Umstellung der energieintensiven Stahlproduktion auf grüne Energie sehr teuer. Hersteller wie die Stahlsparte von Thyssenkrupp oder der Konzern ArcelorMittal stecken deshalb in der Krise. Viele Fabriken nutzen ihre Kapazitäten nicht aus.

Bisherige Quote nicht effektiv

Die Obergrenze für die zollfreie Einfuhr bezieht sich auf Stahl in verschiedenen Formen, der in der EU weiterverarbeitet wird, darunter Draht, Stäbe und Platten sowie Bahngleise. Ausgenommen sind Norwegen, Island und Liechtenstein, die zum Europäischen Wirtschaftsraum gehören.

Bislang lag die Einfuhrquote so hoch, dass sie kaum einen Effekt hatte: Die EU importierte weniger Stahl, als zollfrei möglich gewesen wäre. Der Mechanismus stammt noch aus der Zeit des Zollstreits während der ersten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump (2017-2021) und läuft nach den Regeln der Welthandelsorganisation zum 1. Juli 2026 aus.

Die neuen Quoten sollen hingegen dauerhaft gelten und regelmäßig in Brüssel überprüft werden. Sie sollen die alte Regelung ersetzen und in Kraft treten, wenn das Europaparlament und der Rat der Mitgliedstaaten die Einigung vom Montag formal abgesegnet haben.

Quelle: ntv.de, mau/AFP

EU-ParlamentStahlbrancheZölleChinaEUEnergiepreise