Wirtschaft

Versicherer sagen Pleiten voraus Mehr Firmen müssen Insolvenz fürchten

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Der Anlagenbauer Eisenmann meldete im Sommer Insolvenz an.

Die Zahlungsmoral deutscher Firmen leidet unter der schwächelnden Konjunktur offenbar immer mehr. Laut Versicherungsbranche bleiben viele Unternehmer-Rechnungen offen. Die Zahl der Insolvenzen dürfte demnach 2020 erstmals seit der Finanzkrise wieder steigen.

Die Kreditversicherer rechnen wegen der schwächelnden Konjunktur im nächsten Jahr mit einem deutlichen Anstieg der Firmenpleiten in Deutschland. "Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen dürfte im kommenden Jahr erstmals seit der Finanzkrise wieder anwachsen", sagte Thomas Langen, Vorsitzender der Kommission Kreditversicherung Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Vor allem bei Automobilunternehmen und deren Zulieferern seien die Risiken groß. "Die Automobilwirtschaft hat sich vom Zugpferd der deutschen Wirtschaft zum Motor des Abschwungs entwickelt", sagte Langen. Das wirke sich auch negativ auf eng mit der Autoindustrie verflochtene Branchen aus, wie etwa Chemie, Metall oder Maschinen- und Anlagenbau. Der Strukturwandel erfordere hohe Investitionen, während der weltweite Absatz sinke.

Für die Kreditversicherer bedeutet diese Entwicklung, dass sie für so viele Zahlungsausfälle geradestehen müssen wie seit Jahren nicht mehr. Nach Hochrechnung des GDV müssen die Warenkredit- und Kautionsversicherer in diesem Jahr für Schäden von fast 900 Millionen Euro aufkommen. Das entspreche einer Steigerung von mehr als 60 Prozent.

Kreditversicherer immer häufiger eingeschaltet

"Der Welthandel stagniert, das Wachstum in Deutschland schwächelt und die Zahlungsmoral sinkt", sagte Langen. Infolge der wirtschaftlichen Probleme könnten demnach viele Firmen ihre Rechnungen nur noch verspätet, oder gar nicht mehr zahlen. Gleichzeitig deckten die Kreditversicherer in diesem Jahr so viele Ausfallrisiken ab wie nie zuvor: Die Deckungssumme stieg dem Verband zufolge um zwei Prozent auf 495 Milliarden Euro.

Der größte Teil davon entfällt mit 430 Milliarden Euro auf Warenkreditversicherungen. Diese schützen Lieferanten, falls ein Abnehmer seine Rechnung nicht bezahlen kann oder will. Hinzu kommen 65 Milliarden Euro aus Kautionsversicherungen. Sie übernehmen für ihre Kunden Garantien und Bürgschaften zur Sicherung vertraglicher oder gesetzlicher Pflichten. Die Warenkreditversicherer spielen damit vor allem im Einzelhandel und im internationalen Handel eine wichtige Rolle.

Quelle: ntv.de, cri/rts/dpa