Wirtschaft

Lidl prescht vor Mehrwertsteuersenkung löst Preiskampf aus

109779318.jpg

Alle großen Handelsketten wie Edeka, Rewe, Aldi oder Lidl haben bereits angekündigt, die Steuervorteile in vollem Umfang an ihre Kunden weiterzugeben.

(Foto: dpa)

Eigentlich soll die Mehrwertsteuer erst in zehn Tagen wegen der Corona-Krise herabgesetzt werden - aber ein Discounter setzt schon jetzt seine Preise auf das neue Niveau runter. Der Preiskrieg im Lebensmittelhandel ist eröffnet.

Ramona Atanda-Wulf rechnet für ntv nach. Zwei Kassenzettel, die gleichen Produkte, einmal vom Samstag, einmal vom Montag. Die Vierfach-Mutter sieht eine Differenz von 3,18 Euro. Denn sie bei Probe-Einkäufen zunächst 69,26 Euro bezahlt und später 66,08 Euro. Denn der Discounter Lidl hat alle Preise auf das Niveau der von der Bundesregierung im Corona-Konjunkturpaket beschlossenen neuen Mehrwertsteuersätze heruntergesetzt - zehn Tage bevor die Senkung in Kraft tritt.

Am 1. Juli soll die Mehrwertsteuer sinken. Bis Ende des Jahres fällt sie für Produkten wie Obst- und Gemüsesäfte, Trinkwasser und Babynahrung von 19 auf nur noch 16 Prozent. Auf Milchprodukte und etwa Gemüse und Blumen werden dann nur noch 5 statt bisher 7 Prozent fällig. Lidl will offenbar von der beschlossenen Mehrwertsenkung profitieren und nutzt das für eine Kampfansage. Doch warum prescht Lidl da voran und gewährt diesen Rabatt?

Für Bernhard Heidel, Handelsexperte Wiesbaden Business School ist klar: Die Discounter müssen ihre Kunden wieder in die Läden bringen. "Die Discounter haben in der Corona-Krise gegenüber den Supermärkten etwas gelitten, weil die Kunden auf einmal alles in einem Geschäft mit vollem Sortiment gekauft haben." Supermärkte hatten dabei einfach mehr Auswahl. Das müssten die Discounter jetzt wieder aufholen, so der Experte im Gespräch mit ntv.

Die anderen Supermärkte und Discounter wie etwa Rewe und Edeka oder Aldi haben zwar fast alle angekündigt, die Steuersenkung komplett an die Kunden weiterzugeben. Aber mit dem vorzeitigen Rabatt will Lidl schon jetzt vorab die Kunden zu sich locken. Ähnliches ist bei Globus und Saturn zu sehen, auch sie bieten Rabatte.

Erfreulicher Blick auf den Kassenzettel

Der Druck auf die Konkurrenz wird damit erhöht. Denn die Preise, die die Discounter verlangen, sind häufig eine Richtschnur, so Heidel. "Die Händler werden dementsprechend ihre Preise in einigen Bereichen wie bei Butter, Milch, Shampoo oder Mineralwasser senken müssen." Das wiederrum gehe entweder auf eigene Kosten. Oder die Märkte geben das an die Hersteller weiter.

Doch geht das Kalkül auf? Gewinner bei der Vorab-Preissenkung werden diejenigen Discounter sein, die es schaffen, viele Kunden an sich zu binden, wie Heidl sagt. Allerdings dürfte das schwierig werden. Schließlich handelt es sich lediglich um eine Mehrwertsteuersenkung um zwei oder drei Prozentpunkte. Aufs einzelne Produkt gerechnet sparen Kunden damit oft nur wenige Cent. "Das ist im Verhältnis zu den vielen Cent- oder Euroartikeln, die ein oder zwei Euro kosten, zu marginal, als dass es eine zentrale Rolle spielen wird", sagt Heidel. In anderen Bereichen im Handel, etwa bei Automobilen oder anderen langlebigen Verbrauchsgütern, sehe das aber anders aus.

Dennoch freut sich Ramona Atanda-Wulf beim Blick auf ihre Kassenzettel auf die kommende Mehrwertsteuersenkung. Mit den 3,18 Euro Ersparnis bei ihrem Einkauf könnte sie sich eine weitere Schale Erdbeeren leisten.

Quelle: ntv.de