Wirtschaft

Tarifparteien nähern sich an Metaller legen zahlreiche Autowerke lahm

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"Dieser Betrieb wird Bestreikt", heißt es auch vor einem BMW-Werk in München.

(Foto: dpa)

Im Tarifstreit der Metall- und Elektroindustrie beteiligen sich 500.000 Beschäftigte an den drei Tagesstreiks. Dabei legen sie etliche Werke von Autobauern lahm. Allerdings gibt es Anzeichen, dass ab Montag wieder verhandelt wird - mit Chancen auf eine Einigung.

Zum Abschluss ihrer Warnstreikwelle hat die IG Metall zahlreiche Werke der Autoindustrie lahmgelegt. Bei Daimler, BMW, Porsche und Opel standen die Bänder still, weil die Gewerkschaft im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie zum Höhepunkt ihrer neuartigen Tagesstreiks aufgerufen hatte.

Seit Mittwoch hätten sich bundesweit rund 500.000 Beschäftigte aus knapp 280 Betrieben beteiligt, verkündete der IG-Metall-Vorstand in Frankfurt. Einer der Schwerpunkte der ganztägigen Ausstände war erneut Baden-Württemberg, wo Zehntausende Beschäftigte in mehreren Mercedes-Werken, bei Audi in Neckarsulm und Porsche in Zuffenhausen die Arbeit niederlegten. Auch bei Audi in Ingolstadt und in den BMW-Werken in München, Dingolfing, Regensburg, Leipzig und Berlin standen die Bänder still. Tausende Autos wurden nicht gebaut. Experten zufolge gehen die Kosten der Ausstände in die Millionen.

Gewerkschaftschef Jörg Hofmann erklärte: "Jetzt ist es an den Arbeitgebern, dieses Signal zu verstehen und eine deutliche Schippe drauf zu legen. Wenn die Arbeitgeber diese Bereitschaft zeigen, können die Verhandlungen am Montag fortgesetzt werden." Der mögliche Pilotbezirk Baden-Württemberg hat vorsorglich die Stuttgarter Liederhalle als Verhandlungslokal reserviert.

Auch Hofmanns Kontrahent Rainer Dulger vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall ließ im "Handelsblatt" Gesprächsbereitschaft erkennen: "Wir wollen nicht, dass die Betriebe lange stillstehen und die Straßen voller roter Fahnen sind. Ich hoffe deshalb, dass wir so schnell wie möglich noch mal in gute Gespräche finden."

"Wollen zurück an den Verhandlungstisch

Eine offizielle Bestätigung, dass es am Montag tatsächlich zur dann sechsten Verhandlungsrunde kommt, gab es zunächst nicht. Die Gewerkschaft verlangt sechs Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 12 Monaten und Möglichkeiten zur Reduzierung der Arbeitszeit auf 28 Wochenstunden. Bestimmte Gruppen wie Schichtarbeiter, pflegende Angehörige oder Eltern junger Kinder sollten einen Teil-Ausgleich für entgangenen Lohn erhalten, was die Arbeitgeber bislang strikt abgelehnt haben. Die Arbeitgeber hatten das Volumen ihres Angebots, das prozentuale Erhöhungen mit Pauschalzahlungen verbindet, auf 6,8 Prozent für 27 Monate beziffert.

In Verhandlungskreisen hieß es, es gebe grundsätzliche Einigkeit über ein neues Arbeitszeitmodell. "Wir wollen zurück an den Verhandlungstisch, wir wollen den Konflikt lösen", sagte Dulger. Die Streiks bezeichnete er als unnötig und schädlich für die Branche. Die IG Metall wolle "damit dem Einigungswillen der Arbeitgeber auf die Sprünge helfen", sagte Bayerns IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler.

Am vergangenen Wochenende war die fünfte Verhandlungsrunde aber auch wegen des Entgelts ergebnislos abgebrochen worden. Nach eigenen Angaben hatten die Arbeitgeber bereits ein Volumen von 6,8 Prozent bei einer Laufzeit von 27 Monaten angeboten.

IG-Metall-Chef Hofmann hatte bemängelt, dass davon nur ein kleiner Teil dauerhaft in die Lohntabellen einfließen sollte und nicht einmal die Inflation ausgleiche. Kompromisse müssen auch noch beim Arbeitsvolumen gefunden werden, das nach Maßgabe der Arbeitgeber in der Hochkonjunktur trotz möglicher Arbeitszeitverkürzungen nicht schrumpfen soll.

Quelle: ntv.de, mli/dpa/rts