Wirtschaft

Rückgänge in München und Berlin Mieten sinken erstmals seit 2005

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Gute Nachricht für Jonathan: In Berlin sind die Neuvertragsmieten zuletzt gesunken.

(Foto: imago images / snapshot)

Seit fast eineinhalb Jahrzehnten steigen die Mieten in Deutschland Jahr für Jahr, Quartal für Quartal - bis jetzt. Gerade in den Metropolen zeichnet sich eine spürbare Entspannung ab. Eine Verschnaufpause oder eine Trendwende?

Die Neuvertragsmieten in Deutschland sind im ersten Quartal 2019 gesunken. Das geht aus dem aktuellen Wohn-Index des Immobilienberaters F+B hervor. Demzufolge lagen die Mieten bei neu abgeschlossen Verträgen im Bundesdurchschnitt um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zurück. Einen solchen - wenn auch geringen - Rückgang hatte es auf dem deutschen Mietmarkt den F+B-Daten zufolge zuletzt im Jahr 2005 gegeben. Im Jahresvergleich zum ersten Quartal des Jahres 2018 legten die Neuvertragsmieten allerdings um 2,0 Prozent zu. Die Kaufpreise für Immobilien stiegen weiter ungebrochen: um 0,8 Prozent zum Vorquartal und 6,1 Prozent im Jahresvergleich bei Ein- und Zweifamilienhäusern.

Unklar ist, ob sich bei den Mieten nach dem eineinhalb jahrzehntelang ungebrochenen Anstieg eine Trendwende abzeichnet. Zunächst lasse sich feststellen, "dass das Wachstum der Neuvertragsmieten eine Pause einlegt", sagte F+B-Geschäftsführer Bern Leutner. "Ob sich dieser Trend auch in den nächsten Quartalen festigt, ist wahrscheinlich eine der spannendsten Fragen der Wohnungsbaupolitik überhaupt."

Zuletzt hatten schon Daten des Immobilienberatungsunternehmens Empirica Systeme eine Stagnation der Angebotsmieten beziehungsweise einen leichten Rückgang bei Neubaumieten auf dem politisch besonders im Fokus stehenden Berliner Wohnungsmarkt gezeigt. Der F+B Wohn-Index zeigt für das erste Quartal 2019 sogar einen überdurchschnittlich deutlichen Rückgang um 1,7 Prozent gegenüber den letzten drei Monaten in 2018. Eine zehn Jahre alte 75 Quadratmeter große Standardwohnung kostete damit in Berlin durchschnittlich 9,30 Euro pro Quadratmeter. Das sind im Jahresvergleich allerdings immer noch 5,7 Prozent mehr als im ersten Quartal 2018.

Blasengefahr steigt

Auch in München dem teuersten Mietmarkt in Deutschland zeichnet sich eine Entspannung ab. Die standardisierte Durchschnittsmiete sank im Quartalsvergleich um 1,3 Prozent auf 16,80 pro Quadratmeter, was im Jahresvergleich einer Steigerung von 5,3 Prozent entspricht. Über die Ursachen für diese ersten Rückgänge auch in besonders angespannten Märkten, geben die Daten keine Auskunft. Ob die Entwicklung "eine Reaktion auf die massiven Mieterproteste ist oder andere Ursachen hat und ob sie sich verstetigt", müssten Folgeanalysen zeigen, heißt es im F+B-Bericht. Manche Experten vermuten, dass in vielen Städten inzwischen eine Obergrenze erreicht sein könnte und weitere Steigerungen bei den Mieten aufgrund des begrenzten Einkommens der Wohnungssuchenden nicht mehr möglich sind.

Anders scheint das zunächst bei den Kaufpreisen zu sein. Diese koppeln sich immer weiter von der Entwicklung der Mieten ab. Darauf hatte zuletzt auch Empirica in seinem Blasen-Index hingewiesen. So beträgt der Kaufpreis in Berlin inzwischen das 37,5-Fache einer vergleichbaren Wohnung, in München fast das 40-Fache. 2004 hatten diese Werte noch bei 24,9 beziehungsweise 27,7 gelegen. In sieben besonders gefragten Städten sehen die Emprica-Experten inzwischen ein "Rückschlagpotenzial" bei den Kaufpreisen von 37 Prozent. Vergrößert werde die Blasengefahr durch eine vermehrte Ausweichbewegung von Wohnungssuchenden von den Großstädten in andere Regionen.

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Quelle: n-tv.de

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