Wirtschaft

Neuanfang bei der Deutschen Bank Misstrauen der Bafin brachte Jain zu Fall

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Ein Wechsel an der Spitze war auch wichtig, um das Vertrauen der Investoren zurück zu gewinnen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nicht nur Prozesse und Skandale führten zum Rücktritt von Jain und Fitschen als Co-Chefs der Deutschen Bank. Besonders mit Jain ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht unzufrieden.

Unzufriedene Investoren und eine schwindende Gefolgschaft unter den Mitarbeitern waren nicht die alleinigen Gründe für den Rücktritt von Anshu Jain. Auch die Finanzaufsicht war unglücklich mit der Art, wie der Co-Vorstandschef der Deutschen Bank seinen Job machte, wie Insider sagen. Während Jain und sein Mitstreiter Jürgen Fitschen in den vergangenen Monaten mit Prozessen, Skandalen und dem Vorstandsumbau beschäftigt waren, hatte ihr Boss - Aufsichtsratschef Paul Achleitner - bereits einen Plan B in der Tasche.

Bekannt wurde dieser Plan, als Achleitner den Aufsichtsrat John Cryan als Nachfolger von Jain und Fitschen ankündigte. Jetzt soll Cryan, den der Aufsichtsratschef 2013 nach Deutschland holte, die Kosten senken und das beschädigte Verhältnis zu den Aufsehern auf beiden Seiten des Atlantiks reparieren.

Die jüngste Kritik der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) an Jain habe gezeigt, wie schwierig das Verhältnis inzwischen sei, sagte eine mit den Gesprächen vertraute Person. Die Aufseher hätten Jain jüngst in einem nicht-öffentlichen Bericht wegen seiner Rolle im Libor-Skandal kritisiert. Der Libor ist ein wichtiger Referenzzinssatz, an dem Finanzgeschäfte in Billionenhöhe hängen. Händler verschiedener Banken, darunter auch die Deutsche Bank, hatten versucht, den Libor zu manipulieren. Obwohl der Bericht den Vorständen weder direkt noch indirekt vorwirft, in den Zinsskandal verwickelt zu sein, war Jain als Chef der Investmentbank "in den Augen der Bafin ganz klar verantwortlich für die Fehltritte", sagte die Person.

Jain stritt das nicht ab. Die Manipulationen an den Handelstischen in London fanden zu einer Zeit statt, in der er Leiter dieses Geschäftsbereichs war. "Ich trage absolut die Verantwortung", sagte Jain im April. "Daran führt kein Weg vorbei." Sein Weg, damit umzugehen, sei sicherzustellen, dass so etwas "nie wieder passiert".

Der Wechsel an der Spitze sei nicht auf Druck der Aufseher erfolgt, sagte ein Sprecher der Bank. Von Seiten der Investoren, die sich mehr für die Gewinne der Bank interessieren als für Machtspiele in der Vorstandsetage, gab es viel Applaus für den Wechsel. Am Montag gewannen die Aktien der Deutschen Bank mehr als fünf Prozent.

Jain zeigt sich einsichtig

Achleitner hatte Cryan für den Fall eines Vorstandswechsels schon länger positioniert, sagten mit der Sache vertraute Personen. Die Stunde des Briten mit Deutschkenntnissen war gekommen, als Jains Glanz wegen der Fülle von Skandalen verblasste und sein Mitstreiter Fitschen wegen seiner Rolle im Kirch-Prozess in München auf der Anklagebank saß.

Noch tiefer sank der Stern der Co-Chefs nach der negativen Reaktion auf ihre Strategie. Am Aktienmarkt sanken die Anteilsscheine der Deutschen Bank noch tiefer. Die dicke Rechnung kam dann bei der Hauptversammlung, als vierzig Prozent der Aktionäre gegen eine Entlastung des Vorstands stimmten.

Noch vor dem Aktionärstreffen hatten einige der größten Investoren Achleitner gedrängt, die Führung der Bank auszutauschen, wie Insider sagen. In einer Email sagte Achleitner dem Wall Street Journal, die Maßnahmen zu "Struktur und Vorstandsumbau waren die logische Konsequenz der davor angekündigten Strategie... Die Erkenntnis der Notwendigkeit eines Führungswechsels ist auch nicht plötzlich entstanden, sondern (...) gereift."

In seinem Abschiedsbrief an Mitarbeiter zeigte sich Jain einsichtig. Die Deutsche Bank brauche eine Führung, die sich für die gesamten fünf Jahre der Strategieumsetzung in der Pflicht sieht, schreibt er. Es sei daher "im Interesse der Bank", jetzt zu gehen. Warum er sich nach einer zwanzigjährigen Mitarbeit bei der Deutschen Bank nicht in der Lage sieht, die nächsten fünf Jahre zu bleiben, erklärt er nicht. In der Pressemitteilung wird er mit den Worten zitiert, es sei "die richtige Entscheidung für die Bank und für mich, eine neue Führung zu etablieren".

Die Investoren teilen diese Ansicht. "Ein Wechsel an der Spitze wurde in den vergangenen Monaten immer wichtiger, um das Vertrauen der Investoren zurück zu gewinnen", sagte Hans-Christoph Hirt von dem britischen Pensionsfonds Hermes. Cryan rechnet er die "umfangreiche Erfahrung als Banker" an, zeigt aber jetzt schon eine hohe Erwartungshaltung. Der Pensionsfonds Hermes erwartet nicht nur "klare kurz-, mittel- und langfristige Ziele", sondern auch eine Erfüllung dieser Ziele.

Cyran soll Kosten senken

Ganz oben auf der Prioritätenliste von Cryan sind erst einmal Kostensenkungen, um wieder mit der Konkurrenz mithalten zu können. Insider rechnen damit, dass der 54-jährige zusätzlich zu den angekündigten 3,5 Milliarden Euro weitere Kostensenkungen plant. Sein Ruf eilt ihm dabei voraus. Bei der UBS hatte Cryan innerhalb von drei Jahren die Kosten von 28,6 Milliarden Schweizer Franken auf 22,4 Milliarden Franken gesenkt; vorwiegend indem er den Anleihenhandel reduzierte. In der Zeit von 2008 bis 2011 sank die Zahl der UBS-Mitarbeiter um 17 Prozent auf 64.820.

Die Kosten der Deutschen Bank betrugen Ende vergangenen Jahres 27,7 Milliarden Euro, 2013 waren es 28,4 Milliarden Euro. Als Jain und Fitschen 2012 das Ruder übernahmen, lagen sie bei 31,2 Milliarden Euro. "Cryan hat bei dem erfolgreichen und hoch komplexen Umbau der UBS eine entscheidende Rolle gespielt", sagte Analyst Omar Fall von Jefferies International. "Der Kapitalmarkt rechnet es ihm hoch an, wenig zu versprechen und mehr als gehofft zu liefern." Bislang sei es bei der Deutschen Bank zum Leidwesen der Investoren häufig anders herum gewesen.

Doch Cryan soll nicht nur die Kosten senken und die Gewinne steigern, sondern wieder Ruhe in die Bank bringen. Das Verhältnis zur deutschen und amerikanischen Aufsicht soll er verbessern. Gerade in den USA musste die Deutsche Bank wegen ihres Fehlverhaltens tief in die Tasche greifen. Im vergangenen Jahr hatten Milliardenstrafen und eine verheerende Kritik der Aufseher der Bank geschadet. Der Bank stehen immer noch zahlreichen Prozesse sowie Untersuchungen in Europa und den USA bevor.

Quelle: ntv.de, Madeleine Nissen und Eyk Henning, DJ

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