Wirtschaft

Aktionäre fliegen auf Solar-Auto Münchner Startup Sono rettet sich vor Pleite

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Das erste Sono-Modell mit dem Namen "Sion" soll bereits 2023 ausgeliefert werden.

Schon zwei Mal steht das Startup aus München vor der Insolvenz. Trotzdem gelingt dem Solar-Autobauer Sono Motors der erfolgreiche Sprung an die US-Börse Nasdaq. Dabei sind Sonnenautos Außenseiter, die laut Experte Dudenhöffer den Weg aus der Nische nie schaffen werden.

Für den Solar-Autobauer Sono Motors ging es bei seinem Börsengang um alles. Erst kürzlich hatte das Startup aus München gewarnt, ohne den Erlös aus dem Aktienverkauf drohe im Dezember das Geld auszugehen. Mit seinem fulminanten Start an der US-Börse Nasdaq ist eine Insolvenz vorerst vom Tisch, denn das Unternehmen wird laut eigenen Angaben mit dem Gang auf das Parkett voraussichtlich rund 135 Millionen Dollar erlösen. Die Aktien schlossen am Mittwoch mit einem Kursplus von 155 Prozent auf 38,20 Dollar.

"Wir sind stolz auf unser erfolgreiches Debüt an der Nasdaq in New York. Das ist ein Meilenstein für Sono Motors und bringt uns einen wichtigen Schritt weiter zur Serienproduktion des Sion", sagt Gründer Laurin Hahn ntv.de. Als börsennotiertes Unternehmen habe man nun die Möglichkeit, das benötigte Kapital über weitere Finanzierungsrunden auf dem Aktienmarkt aufzunehmen.

Die Erlöse aus dem Börsengang sollen in die Fertigstellung der nächsten Prototypen-Generation fließen. "Diese Prototypen bestehen aus Serien-Bauteilen, die wir für Tests, Zertifizierungen sowie die weitere Erprobung unserer Solar-Technologie nutzen", sagt Hahn.

Sono Motors platzierte 10 Millionen Stammaktien für 15 Dollar je Aktie. Das entspricht 15 Prozent der Unternehmensanteile. Die Sono-Motors-Aktie wurde nach dem Start zu Kursen um 27 Dollar gehandelt. Das Startup käme damit theoretisch auf einen Börsenwert von etwa 2 Milliarden Dollar. Hahn sowie der Co-Gründer und Vorstandschef Jona Christians halten weiter die Mehrheit der Stimmrechte.

Schon 16.000 Reservierungen

Das erste Sono-Modell mit dem Namen "Sion" soll 2023 ausgeliefert werden und kann nicht nur an der Steckdose geladen werden, sondern auch über Solarzellen, die in der Karosserie verbaut sind. ''Was mich jetzt hier bei dem Auto wirklich überzeugt, ist die Solaranlage in Kombination mit Elektro, das Auto lädt sich einfach beim Parken - wenn es steht - auf. Das finde ich absolut klasse, dann bin ich ein wenig unabhängiger", sagt ein interessierter Käufer ntv. Und er ist nicht allein: Dem Unternehmen zufolge gibt es schon gut 16.000 angezahlte Reservierungen.

Das Solarauto des Startups hat insgesamt eine Reichweite von 305 Kilometern bei einer Höchstgeschwindigkeit von 140 Kilometern die Stunde. Mit reiner Sonnenenergie fährt der Sion in der Spitze 35 Kilometer weit. Für Strecken in der Stadt gerade ausreichend. Für Gründer Hahn sind Preis, Reichweite und Infrastruktur die großen Hürden der Elektromobilität. Durch die Nutzung von Solarenergie will er zwei der drei Hürden beheben. Und zwar Reichweite und Ladeinfrastruktur. Kostenpunkt: 28.500 Euro.

Schon 2019 standen die Gründer kurz davor, ihr Projekt begraben zu müssen. Damals, weil ein Investor kurzfristig absprang. Nach Aussagen des Gründers wollte dieser ihr Unternehmen zerschlagen. "Wir hatten die Wahl zwischen: Nehmen wir dieses Angebot an oder bleiben wir bei unseren Werten, warum wir das Ganze überhaupt angefangen haben", sagte Hahn damals ntv. Das sei eine unglaublich schwierige Entscheidung gewesen, aber im Nachhinein die richtige. "Wir haben uns dann für unsere Werte, unseren Weg entschieden. Was aber dann auch hieß: Wir haben einen Liquiditätsengpass."

In der Not wendet sich Sono Motors damals an die Community und bittet um eine weitere Finanzspritze. Das Ergebnis: Mehr als 50 Millionen Euro in 50 Tagen. Für Hahn eine ganz klare Bestätigung. "So viele Menschen, die an uns glauben und auch bereit sind Geld zu investieren, obwohl das Produkt ehrlicherweise ja noch gar nicht am Markt ist. Das hat uns bestärkt und gezeigt: Die Menschen wollen den Sion, die wollen einen Wandel, die wollen etwas verändern", sagte Hahn ntv.

Stehen Kosten und Nutzen im richtigen Verhältnis?

Trotz der Unterstützung sind Sonnenautos noch immer Außenseiter. Ob sich das bald ändert? Eine Kunststoffkarosserie, die rundum mit 248 Solarzellen bestückt ist, wird laut Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Center Automotive Research eher ein Nischenprodukt bleiben. "Sono Motors wird mit seinem Solar-Auto wohl kaum ein großer Player im Automarkt - so wie etwa Tesla werden" , sagt er ntv.de. Seiner Einschätzung nach könnte die Technologie höchstens eine Ergänzung zum Strombedarf des Elektroautos sein. Wie sinnvoll das ist, werde man sehen, wenn sich die Fahrzeuge im Markt behaupten müssen.

Eine Durchbruchs-Technologie sei die Solarzelle nicht. "Webasto hat bereits vor einigen Jahren Schiebedächer mit Solarzellen auf den Markt gebracht und damit keinen durchschlagenden Markterfolg gehabt", sagt Dudenhöffer. Ein reines Solarauto mache vielleicht in der Sahara Sinn, aber nicht in unseren Breitengraden. Laut dem Autoexperten wird man künftig nie nur mit Solarenergie fahren können. Damit stelle sich dann die Frage, ob Kosten und Nutzen für den Kunden im richtigen Verhältnis stünden.

Bei Sono Motors guckt man trotzdem optimistisch in die Zukunft. "Unsere Solar-Technologie wurde so entwickelt, dass sie in eine Vielzahl von Fahrzeugen integriert und lizenziert werden kann", sagt Hahn. Diese gingen auch weit über den Sion hinaus, wie zum Beispiel Busse, Anhänger, Lastwagen, Wohnmobile, Züge und Boote. Indem zusätzlicher Strom aus Solarzellen gespeichert wird, reduziere die Sono Solartechnologie die Anzahl der Ladevorgänge von Fahrzeugen außerdem und senke so deutlich die Betriebskosten für Kunden.

Quelle: ntv.de

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