Auto

Solarauto für die Serie Sion - mit der Kraft der Sonne

Sion_9.jpg

Der Münchener Autobauer Sono Motors bringt mit dem E-Van Sion sein erstes Produkt auf die Zielgerade.

(Foto: Sono Motors)

Sono Motors. Hört sich wie ein neuer chinesischer Autobauer an. Dabei ist das Unternehmen in München ansässig und bringt gerade sein erstes Produkt auf die Zielgerade. Der Sion soll, dank Solarzellen, vor allem städtischen Pendlern mit schmalem Geldbeutel etwas bieten, was noch kein anderes Elektroauto hat.

Es rumpelt irgendwo von rechts hinten. Es knirscht ganz merkwürdig beim Durchfahren des engen Kurvenradius von knapp zehn Metern. Und beim Aussteigen quietschen die Türen leicht. Aber das spielt nun wirklich keine Rolle. Denn dieses Auto ist ein Schwerarbeiter.

Sion_Interior_1.jpg

Ein Highlight des Sion ist der Luftfilter aus Moos.

(Foto: Sono Motors)

Vom Beifahrersitz dieses Prototyps des Elektro-Vans Sion ermuntert Markus Volmer, trotz der beunruhigenden Geräusche noch etwas zackiger die Kurven des kleinen Testparcours nördlich von München zu nehmen: "Der ist es gewohnt, gequält zu werden", sagt der Chefentwickler beim Newcomer Sono Motors. Dass der 4,31 Meter lange Wagen so ächzt, das liege eben an den vielen Tausend Testkilometern - und daran, dass etwa die Säulen auf dem Aluminiumrahmen der Bodenplatte noch aufgeschraubt sind statt verschweißt wie in der Serie.

Bis zum Serienstart ist es zwar noch ein gutes Jahr hin, aber auch dieses Auto ist schon recht nah an dem Wagen, für den mehr als 13.000 Menschen aus ganz Europa unbesehen im Schnitt 3000 Euro Anzahlung auf die avisierten 25.500 Euro Kaufpreis geleistet haben. Vor allem hat der Test-Sono bereits alle wesentlichen Ausstattungsdetails, die das Produkt des Münchner Start-ups zu einer Einzelerscheinung in der Flut neuer Elektroautos machen werden.

Um Fahrleistung geht es nicht

Das ist bereits auf dem 10-Zoll-Display auf der Mittelkonsole zu sehen, als der Sono aus der großen Testhalle in den strahlenden Sonnenschein fährt. Das Einganggetriebe lässt den Sion flott voran surren, das Bremspedal wird dank kräftiger Rekuperation kaum gebraucht. 290 Newtonmeter Drehmoment und 163 PS lassen die elektro-übliche Fahrlaune aufkommen.

Sion_6.jpg

Die Integration der Solarzellen soll eine autarke Nutzung sogar ohne Ladeinfrastruktur möglich machen.

(Foto: Sono Motors)

Aber um die Fahrleistungen bis zu den abgeregelten 140 km/h V-Max geht es sicher ohnehin den wenigsten Sion-Interessierten. Also zurück zum Zentraldisplay: Dort ist der Wagen schematisch von oben zu sehen - und auf Haube, Dach und den Seitenflächen leuchten jetzt gelb die Kilowatt: jene nämlich, die Solarzellen überall dort wieder in die Batterie laden.

Die Solarpanels sind der ganze Stolz der Entwickler. Sono-Mitgründer und Chef Laurin Hahn rechnet denn auch vor, dass in einer durchschnittlich sonnigen deutschen Woche die 248 Kollektoren die Reichweite des Fahrzeugs um 112 Kilometer erhöhen. An sonnigen Sommertagen sind sogar 245 Kilometer drin. Beim Wechsel der Fahrstrecke zwischen schattigen und sonnigen Wegen ist auch in Echtzeit abzulesen, wie der kW-Fluss in die Batterie schwankt.

Täglich 16 Kilometer ohne zusätzliches Laden

Die Solarfunktion ist damit anders als bei anderen Anbietern nicht nur eine Möglichkeit, im Stand den Innenraum zu klimatisieren. Ein großstädtischer Pendler mit den dort üblichen durchschnittlich 16 Kilometern täglicher Strecke kann dadurch die ganze Woche ins Büro und zurück, ohne den Akku einmal nachzuladen. Interessant für Laternenparker, die auch im Job keine Ladebuchse haben.

Die_Ladekante_am_Sion_soll_in_der_Serienvariante_noch_vier_Zentimeter_niedriger_werden.jpg

Die Ladekante am Sion soll in der Serienvariante noch vier Zentimeter niedriger werden.

(Foto: Sono Motors)

"Bei solcher Nutzung muss die Batterie im Boden auf 1000 Kilometer nur einmal geladen werden", sagt Hahn. Die vielfach patentierte Technik der Solarpanele ist das zweite Standbein für Sono Motors. Die superleichten Kunststoff-Zellen, die nahtlos mit den Polycarbonat-Karosserieteilen verbacken sind, hat das Unternehmen auch schon an Produzenten von Bahnen, Schiffen oder Lkw verkauft. Auch MAN plant, bald Transporter mit Zellen zu beplanken.

Für den Normalfahrer zählt aber natürlich die Praktikabilität. Viel Mühe, sich bei der Auswahl zu orientieren, hat er beim Sion nicht: Das Auto gibt es in genau einer Ausführung - und die ist immer schwarz. "Wie früher beim Ford T-Model", sagt Hahn. Früher, das war übrigens 1908. Das T-Model war 20 Jahre lang ein Bestseller.

Viel für wenig Geld?

Sion_4.jpg

Das Finish der Solarzellen-Außenhaut wirkt nicht sonderlich edel.

(Foto: Sono Motors)

Damit der Sion in so große Fußstapfen treten kann, reicht der Billigpreis für einen ausgewachsenen Kompaktvan allein nicht. LED-Scheinwerfer, Sitzheizung vorne, Klimaautomatik und vernetztes Infotainment sind für den Preis ebenso drin wie ein adaptiver Tempomat, Spurhalteassistent und weitere Sicherheitsfeatures. In der Serie wird der Sion übrigens noch einmal 16 Zentimeter länger, damit der Vorderwagen auch ganz sicher die Anforderungen eines Crashtests erreicht.

Ebenfalls nachgelegt haben die Macher noch bei der Batterie. Sie wird nun 54 kWh statt bisher 33 fassen und die Reichweite von 255 auf bis zu 305 Kilometer erweitern - ohne den Solarbonus. Geladen wird mit bis zu 75 kW. Bidirektionales Laden beherrscht der Van auch.

Sion_Interior_2.jpg

Der Fond bietet eine variable Sitzbank mit drei Einzelsitzen.

(Foto: Sono Motors)

Die Sion-Macher sagen selbst, dass es noch eine Menge Arbeit gibt, bis Anfang 2023 die ersten Kundenfahrzeuge aus den Hallen der früheren Saab-Fabrik im schwedischen Trollhättan rollen. Reichlich Feinschliff brauchen etwa noch Nähte und Fugen der Kunststoffbeplankung. Der mit 1,66 Meter Höhe sehr luftige Fünfsitzer fasst sich zwar auch im Interieur des Prototyps schon ganz kommod an - aber noch mit einem bunten Mix aus Schaltern, die wohl bei Peugeot oder VW schon ein erstes Leben hatten. Auch die Ladekante des 650 Liter-Kofferraums (1100 Liter mit umgeklappter 60:40-Rückbank) ist noch reichlich hoch. Doch auch hier sollen noch rund vier Zentimeter bis zum Finale gesenkt werden.

Dann wird wohl auch ein Problem beseitigt sein, dass im Prototyp das Vergnügen an schönem Wetter deutlich trübt: Der Monitor in der Mitte spiegelt in der gegenwärtigen Neigung bei Sonnenschein ziemlich deutlich. Da müssen die Macher noch nachbessern. Aber mit den Eigenschaften der Sonne kennen sie sich ja aus.

Quelle: ntv.de, Peter Weißenberg, sp-x

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen