Wirtschaft

Ein Mann, zwei Tweets Musk spannt im Crash Fallschirm für Bitcoin

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Elon Musk stiftet jede Menge Verwirrung um Tesla und Bitcoin. Hatte er das so beabsichtigt?

(Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Erst bringt Elon Musk den Bitcoin-Kurs zum Einsturz, dann stoppt er die Talfahrt wieder. Für beides reicht ein einzelner Tweet. Dieses Mal besteht er aus zwei Wörtern sowie zwei Emojis: ein Diamant und zwei Hände. Krypto-Fans wissen, was das bedeutet. Was ist passiert?

Elon Musk zieht die Reißleine: Nachdem der Bitcoin-Kurs am Markt für Kryptowährungen gestern zeitweise gut 30 Prozent eingebrochen ist, meldet sich der Tesla-Chef per Tweet und stoppt den Sturzflug der immer noch wichtigsten Cyberwährung damit abrupt. Für das Kommando "volle Fahrt zurück" reichen mitten im Crash zwei Wörter und zwei Emojis: "Tesla has" (übersetzt: Tesla hat) sowie ein Diamant und Hände.

Der Bitcoin steckte zuletzt in einer massiven Abwärtsspirale. In den vergangenen Wochen hat sich der Kurs insgesamt bis auf knapp 30.000 US-Dollar halbiert. Gestern stürzte die Währung bis auf die Marke von 30.066 US-Dollar und damit den niedrigsten Stand seit Ende Januar. Das Rekordhoch lag Mitte April mehr als doppelt so hoch, bei knapp 65.000 US-Dollar. Analyst Timo Emden von Emden Research sprach von zwischenzeitlich panikartigen Verkäufen. "Offensichtlich möchte niemand derzeit ins fallende Messer greifen." Auch andere digitale Währungen wie Ether, die Nummer zwei nach Bitcoin, und Dogecoin wurden mit in die Tiefe gerissen. Ether fiel um bis zu 40 Prozent bis auf knapp 2000 Dollar.

Entsprechend groß war das Aufatmen am Kryptomarkt, als dann die Erholung einsetzte. Denn im Klartext bedeutet Musks Botschaft: "Tesla has diamond hands", schreibt das Portal t3n. "Diamond Hands" bezeichne im Börsen-Slang jemanden, der an seinem Investment bis zum bitteren Ende festhalten wird, so die Übersetzung. Das Pendant dazu sei ein Investor mit "Paper Hands", der seine Anlagen beim ersten Zeichen einer Abwärtstendenz abstößt.

Fast magisch funktionierte Musks Tweet im freien Fall wie ein Fallschirm, und der Bitcoin-Crash kam zum Halten: Offenbar ist der Kryptomarkt nach tagelangem Rätselraten nunmehr zur Überzeugung gelangt, dass Tesla seine enormen Bitcoin-Bestände nicht abstoßen, sondern daran festhalten wird.

Genau daran hatte die Krypto-Szene zuletzt schwer gezweifelt. Die Schuld daran kann sich der Tesla-Chef, der eigentlich als großer Krypto-Fan gilt, nur selbst geben. Denn er selbst sorgte zuletzt für jede Menge Verwirrung und feuerte damit Verkaufsspekulationen immer weiter an. Erst vor einer Woche hatte er überraschend per Tweet mitgeteilt, dass Bezahlungen für Teslas mit Bitcoin gestoppt seien. Als Grund gab er die miserable Umweltbilanz bei der Herstellung der Bitcoins an. "Wir sind besorgt über den stark ansteigenden Gebrauch fossiler Energien für das Mining und Transaktionen beim Bitcoin", teilte er mit. Vor allem der Verbrauch von Kohleenergie sei bedenklich. Zwar glaube er weiterhin an die Zukunft von Kryptowährungen, aber die Entwicklung dürfe nicht auf Kosten der Umwelt passieren, erklärte Musk.

Rätseln über Teslas Bitcoin-Bestand

Die offene Frage, die sich Anleger stellen mussten, war: Würde Musk deshalb Teslas riesigen Bitcoin-Bestand verkaufen? Statt für Klarheit zu sorgen, legte er am Sonntag mit einem Tweet nach, der bei den Nutzern noch größere Fragezeichen hinterließ. Auf den Kommentar von @cryptowhale: "Die Bitcoin-Anhänger werden sich selbst ohrfeigen im nächsten Quartal, wenn sie herausfinden, dass Tesla den Rest seiner Bitcoin-Bestände abgestoßen hat. Bei dem ganzen Hass, der Elon Musk entgegenschlägt, würde ich ihm das nicht vorwerfen (...)", antwortete Musk: "In der Tat". Ausgelegt wurde das von den Nutzern als Verkaufssignal. Ob es so gemeint war, ist offen.

Doch Fakt ist: Der Kursverfall am Kryptomarkt beschleunigte sich daraufhin. Als China dann auch noch einen Bann für Unternehmen aussprach, die den Handel mit Kryptowährungen anbieten - was Musk nicht vorhersehen konnte - , war dies gewissermaßen das Tröpfchen zu viel. Die Erklärung chinesischer Bankenverbände, wonach Kryptowährungen "keine echte Devisen" seien, schürte die Furcht vor einer stärkeren Regulierung auf diesem für digitale Währungen wichtigen Markt - und Bitcoin, Ripple und Ethereum kannten nur noch eine Richtung: steil nach unten.

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Der Aktienmarkt geriet mit in den Abwärtsstrudel. Alle Unternehmen, von denen bekannt ist, dass sie große Positionen in Kryptos halten, ließen Federn. Tesla hatte im Februar den Kauf von Bitcoin im Wert von 1,5 Milliarden US-Dollar bekannt gegeben, was den Bitcoin-Kurs kräftig nach oben getrieben hatte, womit dann letztlich auch die Fallhöhe entsprechend hoch war. Parallel zum Bitcoin-Absturz geriet die Tesla-Aktie ebenfalls ins Trudeln. Die schloss am Ende 2,5 Prozent leichter. Für Musk war die Blutspur auf dem Kryptomarkt auf jeden Fall Anlass genug, in seiner - wenn auch kryptischen - Botschaft Klartext zur reden.

Zumindest vorerst scheint er damit die Gemengelage beruhigt zu haben. Dennoch zahlt er für sein Hickhack auch einen hohen Preis: Denn der Marktwert der Bitcoin-Bestände seines E-Auto-Pioniers hat sich durch den Crash auf 1,26 Milliarden Dollar in etwa halbiert. Diese Summe ergibt sich unter der Annahme, dass der am Ende des Quartals verzeichnete Wert von grob 2,5 Milliarden Dollar wie am Markt um 49 Prozent gefallen ist. Damit würde der Wert zumindest nahe des Kaufpreises liegen. Ein schwacher Trost. Denn der Wert der Bitcoins hat einen erheblichen Wert für die Tesla-Bilanz. Ohne Musks Krypto-Wette und den gewaltigen Wertzuwachs bei Bitcoin hätte er im ersten Quartal einen Verlust für Tesla melden müssen. Und nicht alle sind überzeugt, dass es dabei bleibt. "Das Katz- und Mausspiel Elon Musks hinterlässt weiterhin einen faden Beigeschmack", sagt Analyst Timo Emden.

Quelle: ntv.de

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