Wirtschaft

"Die Nerven liegen blank" Bitcoin-Crash setzt der Wall Street zu

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(Foto: picture alliance / PIXSELL)

Der Bitcoin fällt zeitweise auf ein Vier-Monats-Tief von 30.000 Dollar und reißt die US-Börsen mit nach unten. Doch dann dreht sich die Stimmung und der Dow Jones macht einen Großteil seiner zwischenzeitlichen Verluste wieder wett. Aber auch Inflationssorgen treiben Anleger nach wie vor um.

Belastet von Kursverlusten bei Kryptowerten hat der Dow Jones seine jüngsten Verluste ausgeweitet. Er gab um 0,5 Prozent auf 33.896 Punkte nach, machte damit aber einen Großteil seiner zwischenzeitlichen Verluste von bis zu 1,7 Prozent wieder wett. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 0,3 Prozent auf 4115 Zähler nach unten. Der technologielastige Nasdaq 100 hingegen rettete sich ins Plus und legte um 0,1 Prozent auf 13.237 Punkte zu.

"Heute dreht sich alles um den Kurssturz der Kryptowährungen", sagte Dennis Dick, Chef-Händler des Brokerhauses Bright Trading. "Deren Crash hat Auswirkungen auf den Aktienmarkt, der bereits von Inflationssorgen geplagt wird."

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Der Bitcoin verlor zeitweise gut 30 Prozent und fiel auf ein Vier-Monats-Tief von 30.000 Dollar. Die zweitwichtigste Cyber-Devise Ethereum büßte sogar knapp die Hälfte ihres Wertes ein. "Die Nerven liegen blank", sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. "Vor allem Privatanleger dürfte der Gedanke eines Totalverlusts zum Aufgeben gezwungen haben."

Die Turbulenzen am Kryptomarkt trieb einige Investoren in die "Antikrisen-Währung" Gold. Der Goldpreis notierte zeitweise auf dem höchsten Stand seit Januar, kam aber mit dem anziehenden Dollar wieder zurück und notierte schließlich auf Vortagesniveau.

China zieht die Krypto-Schrauben an

Auslöser des Ausverkaufs waren verschärfte Beschränkungen für Krypto-Geschäfte in China. "Andere Länder könnten dem Beispiel folgen, da die Notenbanken an ihren eigenen Digitalwährungen basteln", sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. "Bislang waren westliche Aufseher recht locker in Bezug auf Bitcoin. Das könnte sich bald ändern."

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Vor diesem Hintergrund flogen Werte aus dem Kryptowährungssektor und Unternehmen, die sich mit der Bitcoin & Co zugrundeliegenden Blockchain-Technologie befassen, aus den Depots. So fielen die Papiere von Coinbase, Riot und Marathon sowie diejenigen der Softwarefirma MicroStrategy um zeitweise jeweils mehr als zehn Prozent. Letztere hat Milliarden in Bitcoin investiert. Der Zahlungsabwickler PayPal und der Kreditkarten-Anbieter Mastercard, die Bitcoin für Transaktionen akzeptieren, mussten ebenfalls Federn lassen.

Fed-Protokolle im Blick

Die Fed geht bislang von einem temporären Preisschub aus. Für eine Reduzierung der Anleihenkäufe hatte sie eine "Reihe starker Daten" zur Bedingung gemacht. Zuletzt hatte aber das US-Jobwachstum enttäuscht und war deutlich hinter den Erwartungen geblieben. Wie aus dem am Abend veröffentlichten Protokoll der jüngsten Notenbanksitzung hervorgeht, vertraten einige Währungshüter die Auffassung, dass bei einer der anstehenden Sitzung über einen Plan für ein Zurückfahren der Anleihekäufe (Tapering) diskutiert werden könnte. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass sich die Wirtschaft weiterhin entsprechend stark erholt.

Inflationssorgen setzten auch den Rohstoffpreisen zu. Das Industriemetall Kupfer gab 3,3 Prozent auf 10.057 Dollar je Tonne nach. Die US-Ölsorte WTI verbilligte sich um ebenso stark auf 63,34 Dollar je Barrel (159 Liter). Hier lasteten zusätzlich die explodierenden Coronavirus-Fallzahlen in Indien und anderen asiatischen Ländern auf der Stimmung, sagte Analystin Vandana Hari vom Research-Haus Vanda Insights. Es sei derzeit besonders schwierig, die Entwicklung der Nachfrage abzuschätzen. Die Situation sei mit Lockerungen auf der einen und neuen Beschränkungen auf der anderen Seite so unübersichtlich wie noch nie seit Ausbruch der Pandemie.

Lowe's kann nicht überzeugen, Target ist gefragt

Unter Verkaufsdruck geriet auch Lowe's. Die Baumarktkette steigerte zwar den Quartalsumsatz um fast 26 Prozent, kam aber nicht an die Wachstumsrate von 31 Prozent des Rivalen Home Depot heran. Im Zwei-Jahres-Vergleich lägen die beiden Unternehmen aber gleichauf, rechnete Analyst Michael Baker vom Research-Haus D.A. Davidson vor. Dennoch verloren Lowe's-Aktien 1,1 Prozent.

Die Titel von Target stiegen dagegen um 6,1 Prozent auf ein Rekordhoch von 218,50 Dollar. Der Einzelhändler blickt nach einem Umsatzsprung optimistisch auf das Gesamtjahr. Wie bei der Konkurrenz habe das Quartalsergebnis die Markterwartungen deutlich übertroffen, kommentierte Analystin Stephanie Wissink von der Investmentbank Jefferies.

Für Take-Two Interactive ging es 7,0 Prozent aufwärts. Das auf Videospiele spezialisierte Unternehmen hat mit den Quartalszahlen die Markterwartungen deutlich übertroffen.

Zudem waren die Blicke auf das Börsendebüt von Squarespace gerichtet. Der Anbieter von Web-Plattformen für Unternehmen wird ab Mittwoch an der New York Stock Exchange gehandelt. Der Ausgabepreis lag bei 50 Dollar je Aktie. Dies entspricht einer Bewertung von 6,8 Milliarden Dollar. Der erste Kurs lag bei 48 Dollar. Zu Handelsschluss notierte die Aktie nur bei 43,65 Dollar, ein Minus von 12,7 Prozent zum Ausgabepreis.

Quelle: ntv.de, chr/rts/DJ

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