Wirtschaft

Affäre um Lieferanten Prevent Mutmaßlicher VW-Spitzel in Auto verbrannt

Die Spitzel-Affäre um Volkswagen und den geschassten Autozulieferer Prevent nimmt eine dramatische Wendung: Der angebliche Maulwurf verbrennt Medienberichten zufolge in einem Auto. Die Hintergründe sind noch vollkommen unklar.

Der mutmaßliche VW-Spitzel, der konzerninterne Gespräche über den Umgang mit dem missliebigen Lieferanten Prevent heimlich aufgezeichnet hat, soll tot sein. Das berichten die "Wolfsburger Nachrichten". Die Leiche des Mannes sei am Mittwoch in einem ausgebrannten Auto im niedersächsischen Rottdorf gefunden worden. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Braunschweig wollte auf Anfrage der Zeitung die Identität des Toten nicht bestätigen. "Das Obduktionsergebnis liegt nun teilweise vor. Am Körper der im Fahrzeug aufgefundenen Leiche konnten keine Hinweise auf eine Fremdeinwirkung festgestellt werden", hieß es lediglich. Und auch VW teilte mit, dass noch "keine bestätigten Informationen" dazu vorlägen.

Erst am Montag war bekannt geworden, dass die mit der Spitzel-Affäre befassten Ermittlungsbehörden den Umständen eines möglichen Brandanschlags auf das Haus des mutmaßlichen Maulwurfs auf den Grund gehen. Dies erklärte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Braunschweig. "Ein möglicher Zusammenhang zu dem Brandverfahren wird von uns geprüft", hieß es mit Blick auf parallel laufende Ermittlungen zu heimlich aufgezeichneten Prevent-Gesprächen.

Der als leitender VW-Mitarbeiter identifizierte Spitzel soll die Aufzeichnungen in den Jahren 2017 und 2018 produziert haben - der Autobauer stellte daraufhin Strafanzeige. Dem Online-Wirtschaftsmagazin "Business Insider" zufolge wies der Mitarbeiter in einer Befragung eine Spionage-Tätigkeit zurück. Vielmehr gab er demnach zu verstehen, dass die Ton-Aufnahmen beim Verfassen seiner Gesprächsprotokolle helfen sollten.

Die Staatsanwaltschaft betonte zu Wochenbeginn, Details zu dem Verfahren sowie einer etwaigen Verbindung mit dem Feuer könne man noch nicht nennen. "Business Insider" hatte zuvor über Untersuchungen rund um das mögliche Branddelikt in dem Wohnhaus berichtet. Demnach soll das Gebäude in einer kleinen Ortschaft im Mai in Flammen gestanden haben und vollständig zerstört worden sein. Welcher Art der geprüfte Zusammenhang zu dem Abhörverfahren sein könnte und ob es eventuell konkrete Hinweise auf einen Tatverdächtigen oder ein Motiv für eine entsprechende Brandstiftung gibt, ist noch unklar. Offiziell ermittelten die Braunschweiger Staatsanwälte im Fall der abgehörten Prevent-Beratungen bisher gegen Unbekannt.

Volkswagen und Prevent sehen sich als Opfer

Volkswagen und Prevent liegen seit Jahren in einem erbitterten Clinch. Der von der bosnischen Unternehmerfamilie Hastor kontrollierte Autozulieferer hatte 2016 die Versorgung mit Getriebegehäusen und Sitzbezügen zwischenzeitlich ausgesetzt, was VW zu einem mehrtägigen teuren Produktionsstopp im Stammwerk Wolfsburg und an weiteren Standorten zwang. Auslöser war ein heftiger Streit über Preise und Lieferkonditionen. In mehreren anderen Ländern gab es ähnliche Konflikte, auch mit weiteren Autobauern stritt sich Prevent.

Mehr zum Thema

Bei der kürzlich bekannt gewordenen Abhöraktion ging es um vertrauliches Audiomaterial aus einer VW-Arbeitsgruppe. Bevor der Konzern im März 2018 alle Verträge mit Prevent kündigte, sollen Unternehmensvertreter länger beraten haben, ob und wie der Zulieferer "ausgesteuert" werden könnte, wie es im Branchenjargon heißt.

VW will sich mit Aussagen zurückhalten, solange staatsanwaltschaftliche Ermittlungen laufen. Fest stehe aber bereits: "Volkswagen wurde Opfer einer illegalen Abhör-Attacke." Prevent wiederum habe keine Kenntnis von den Mitschnitten gehabt, hatte ein Sprecher der Gruppe gesagt. Man sei auch erst recht nicht an deren Erstellung beteiligt gewesen und sehe sich nun selbst geschädigt, weshalb rechtliche Schritte geprüft würden. Die Firma hatte in der Vergangenheit ihrerseits VW vorgeworfen, per Auftrag Mitarbeiter beschattet und ausspioniert zu haben.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa