Wirtschaft

Microsoft schafft die Wende Nadella macht Gates glücklich

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Führt Microsoft: Satya Nadella.

(Foto: AP)

Dank der Strategie von Microsoft-Chef Satya Nadella ist Bill Gates auch weiterhin der reichste Mann der Welt. Und: Er kann seinen Vorsprung komfortabel ausbauen. Vor allem, weil sich der neue Boss klar vom Konzerngründer abgrenzt.

"Microsofts verlorenes Jahrzehnt", titelte "Vanity Fair" über die Amtszeit von Konzernchef Steve Ballmer. Er war auf den legendären Bill Gates gefolgt und verunstaltete den Software-Riesen zu einem Bürokratiemonster: unbeweglich, überaltert, uncool. Microsoft entschied zwar die PC-Ära für sich, doch das mobile Zeitalter verschlief der Konzern.

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Im Frühjahr 2014 wurde Ballmer an der Spitze von Satya Nadella abgelöst. Was der Inder schaffte, spricht Bände: Die Microsoft-Aktie notiert am Freitag zum Start des US-Handels fünf Prozent stärker auf einem neuen Jahrtausendhoch: 60,11 Dollar. Zuletzt hatte sie 1999 an der 60-Dollar-Marke gekratzt, sie aber auch nicht durchbrochen. Nun ist Gründer Bill Gates dank seines Aktienpakets weiter der reichste Mann der Welt. Den Vorsprung zur Konkurrenz hat er komfortabel ausgebaut.

Die Marschrichtung ist klar: Microsoft will wieder an Google und Apple vorbeiziehen. Neueste Zahlen zeigen, dass der Software-Riese sich tatsächlich wieder berappelt. Die desaströse Nokia-Übernahme soll Anfang 2017 endlich aus den Büchern verschwinden und der 26-Milliarden-Dollar-Kauf von Linkedin für Profite sorgen. Und wie hat Nadella die Wende geschafft? Ganz einfach. Er hat mit Gates gebrochen.

Arbeit im Hintergrund

Der 48-jährige Inder brachte Office auf das iPad und koppelte es zudem von der stationären Basis ab; es kam als Abo-Modell in die Cloud. Gates mag die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen haben. Denn sein Credo war schon immer: Software muss Geld kosten. Dabei war es Gates, der einst postulierte: Microsoft solle "den Menschen die Gelegenheit geben, alles überall auf jedem Gerät zu tun". Nadella wandelte diesen Anspruch in eine Strategie.

Zwei Jahrzehnte lang hatte Nadella geräuschlos bei Microsoft an der Cloud getüftelt. 2014 stieg er zum Konzernchef auf. Schon in den ersten Wochen bewies er Freundlichkeit: Hatte Gates Apple und Google noch als Rivalen in einem "Browserkrieg" gesehen, setzte Nadella von Anfang an auf Dialog. Auch zwei Jahre nach Amtsantritt trifft er sich immer noch regelmäßig mit Apple-Chef Tim Cook und Google-Boss Sundar Pinchai, heißt es im Sillicon Valley.

Mit futuristischen Produkten schafft es Microsoft nun zurück in die IT-Oberklasse. Die entwickelte VR-Brille "HoloLens" beispielsweise scannt den Raum und vermischt dann die Realität mit Virtuellem – "argumented reality" wie es jüngst Pokémon Go für den Massenmarkt perfektionierte. Microsofts "HoloLens" wird mittlerweile von Thyssen-Krupp eingesetzt, weil die Techniker so die Baupläne bei der Arbeit immer vor Augen haben können. Nadella nennt die Brille gern den "ultimativen Computer": "Das gesamte Blickfeld des Menschen wird zu einem unendlich digitalen Display."

"Azure" gewinnt gegen "AWS"

Nadella will ein Microsoft, das auch ohne Windows üppige Profite abwirft. Denn die Umsätze mit den alten Geschäftsmodellen schrumpfen rasant. Sein Plan geht auf: Microsofts Businesscloud "Azure" hat mit einem Umsatzplus von sensationellen 116 Prozent im Kampf gegen Amazons Datenwolke "AWS" einen kräftigen Satz nach vorn gemacht.

Doch ganz ohne Gates im Hintergrund wäre das wohl nicht gegangen, denn der Respekt des 48-jährigen Inders vor dem Software-Mogul ist immens. Schließlich war es Gates, der Nadella zu Microsoft geholt hatte und mit ihm schon früh an neuen Visionen tüftelte. Im Interview mit der indischen Zeitung "Deccan Chronicles" sagte Nadella, dass er sich noch sehr gut an die erste E-Mail von Gates erinnern könne: "Ich feilte ein ganzes Wochenende an der Antwort."

Quelle: n-tv.de

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