Wirtschaft

Entspannung in der Hauptstadt Neubaumieten in Berlin sinken deutlich

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Das Angebot an Neubauwohnungen in den teuren Innenstadtlagen geht in Berlin stark zurück.

(Foto: picture alliance / Bernd von Jut)

Seit Jahren kämpft die Politik in Berlin mit allen Mitteln gegen steigende Mieten. Selbst Enteignungen werden nicht ausgeschlossen. Aktuelle Daten zeigen nun einen teils deutlichen Rückgang. Ein Grund, politische Erfolge zu feiern, ist das aber noch nicht.

Nach Jahren des steilen Anstiegs ist bei den Mieten auf dem Berliner Wohnungsmarkt ein Entspannungssignal zu sehen. Einer Analyse der Immobilien-Beratungsfirma Empirica zufolge sind die in Wohnungsangeboten geforderten Mieten in Neubauten in der Hauptstadt im ersten Quartal 2019 um mehr als 5 Prozent gegenüber dem Schlussquartal des vergangenen Jahres gesunken. Es ist bereits der zweite Rückgang in Folge. Demnach verlangten Vermieter beim Erstbezug in einem Neubau in Berlin im Mittel pro Quadratmeter 13,11 Euro Kaltmiete. Bei unsanierten Bestandshäusern stagnierten die Angebotsmieten seit dem dritten Quartal des vergangenen Jahres bei 10,01 Euro.

Eine ähnliche, wenn auch schwächer ausgeprägte Entwicklung ließe sich in Hamburg ausmachen, erklärt Sebastian Hein, Forschungschef von Empirica Systeme. In anderen Metropolen wie München und Frankfurt setzte sich der Anstieg dagegen fort. Bundesweit stiegen die Mieten im abgelaufenen Quartal im Mittel um 1,1 Prozent.

Auch für Berlin möchte Hein noch nicht von einer Trendwende sprechen. Der starke Rückgang bei den Neubaumieten sei vor allem auf eine räumliche Verschiebung des Angebots von teuren Innenstadtlagen an den Stadtrand zurückzuführen. In den teuersten Postleitzahlbezirken ging die Zahl der angebotenen Mietwohnungen um 17 Prozent zurück. Dagegen wuchs das Angebot in den günstigsten Lagen um 40 Prozent. Innerhalb einzelner Lagen stiegen die Mieten allerdings weiter oder blieben konstant. Ingesamt biete sich aber für Wohnungssuchende durch die jüngste Entwicklung zumindest theoretisch ein entspannteres Bild.

Die Gründe für Stagnation bei den Bestandsmieten lassen sich dagegen aus den Zahlen nicht ermitteln. "Es ist möglich, dass in Berlin inzwischen eine Art natürliche Obergrenze für den Mietenanstieg erreicht ist", sagt Hein. Auch die Mietpreisbremse könnte ihre Wirkung zeigen. "Nach zwei Quartalen ohne Anstieg ist es noch zu früh, um von einer Trendumkehr zu sprechen oder wohnungspolitische Erfolge zu feiern", so Hein.

Auch wenn in anderen Großstädten teilweise deutlich höhere Mieten verlangt werden, hatte der Berliner Wohnungsmarkt in den vergangenen Jahren besonders dramatische Anstiege verzeichnet. Seit 2012 stiegen trotz Mietpreisbremse die Angebotsmieten für Bestandswohnungen um rund 50 Prozent und die für Neubauten etwa 30 Prozent.

Auch Maßnahmen des Berliner Senats wie die Ausweitung sogenannter Milieuschutzgebiete sowie der Kauf von Häusern durch die öffentliche Hand hatten bislang keine Entspannung gebracht. Eine Initiative sammelt derzeit Unterschriften für ein Volksbegehren, um Immobilienkonzerne wie Deutsche Wohnen zu enteignen.

Quelle: n-tv.de

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