Wirtschaft

Kampf gegen den Klimawandel Neuseeland löst sich von Öl und Gas

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Neuseelands Regierungschefin Jacinda Ardern

(Foto: picture alliance / Daniel Munoz/)

Die Regierungschefin spricht von einem wichtigen Schritt in eine saubere Zukunft. Die Industrie geht auf die Barrikaden. Vor Neuseelands Küste soll nicht mehr nach Öl und Gas gesucht werden. Kritiker befürchten den Einsatz anderer fossiler Brennstoffe.

Erkundungen nach neuen Öl- und Gasvorkommen vor Neuseelands Küste soll es nicht mehr geben. Neuseeland unternehme mit diesem Stopp einen "wichtigen Schritt im Kampf gegen den Klimawandel und hin zu einer sauberen, grünen und nachhaltigen Zukunft", sagte Regierungschefin Jacinda Ardern. Bestehende Förderanlagen und damit bestehende Arbeitsplätze seien nicht betroffen, versicherte sie.

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Neuseelands Öl- und Gasbranche setzt im Jahr umgerechnet rund 1,4 Milliarden Euro um, mehr als die Hälfte davon mit dem Export. Derzeit gibt es 31 aktive Explorationsgenehmigungen, 22 davon vor der Küste. Sie gelten teilweise bis 2030, gefördert kann weit darüber hinaus werden. Die Branche beschäftigt rund 11.000 Menschen.

An Land soll es in begrenztem Umfang auch weiterhin Genehmigungen für Erkundungen nach neuen Vorkommen geben - vor allem im Norden des Landes, in der Region Taranaki, wo die meisten Vorkommen liegen. "Wir halten die richtige Balance", sagte Ardern: "Wir schützen die bestehende Industrie und wir schützen die künftigen Generationen vor dem Klimawandel."

Die Umweltorganisation Greenpeace begrüßte den Schritt als "unumkehrbare" Entscheidung gegen die Ölindustrie in Neuseeland. WWF sieht einen Meilenstein im Übergang zu einer Wirtschaft, die auf sauberen Energien fußt. Die konservative Opposition dagegen warf Ardern vor, tausende Jobs zu gefährden.

"Lose-lose" für Wirtschaft

Erdgas sei wichtig für die Sicherung der Elektrizitätsversorgung in Neuseeland, und wenn die Reserven in zehn Jahren erschöpft seien, werde das Land zum Import von klimaschädlicher Kohle gezwungen sein, erklärte der Abgeordnete Jonathan Young. Die Entscheidung der Regierung führe lediglich dazu, die Öl- und Gasproduktion in andere Gegenden der Welt zu verlagern, sie werde Treibhausemissionen nicht verringern.

Auch die Branche protestierte. Ein "gut geführter" Handel mit Emissionsrechten sei der richtige Weg, um die Treibhausemissionen Neuseelands zu senken, nicht das "willkürliche Verbot bestimmter Energiequellen". Der Chef des neuseeländischen Verbandes für Ölförderung bezeichnete die Entscheidung als "lose-lose" für Wirtschaft und Umwelt und warnte vor höheren Energiepreisen.

Ardern sagte, die Industrie habe genug Zeit gehabt, sich umzustellen. Der Umbau müsse irgendwo beginnen - "und wenn wir heute nicht Entscheidungen treffen, die in 30 Jahren Auswirkungen haben, riskieren wir abrupte Schocks". Ihre sozialdemokratische Labour-Partei regiert seit Oktober in einer Koalition mit der rechtspopulistischen Partei New Zealand First und den Grünen.

Quelle: ntv.de, fzö/AFP/dpa

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