Wirtschaft

Corona-Oasen für Reiche Nobelhotels bieten Quarantäne de luxe

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Wer kann, zieht sich hierher zurück.

(Foto: imago images/Cavan Images)

Statt Lagerkoller daheim lieber in einer 5-Sterne-Unterkunft in Mexiko, Nassau oder in der Schweiz? Unterbeschäftigte Hoteliers werben mit Corona-Angeboten der Extraklasse. Wer es sich leisten kann, bekommt für einen üppigen Preis neben Komfort auch einen Virus-Test inklusive.

Wer möchte in Zeiten von Ausgangssperren nicht lieber dort sein, wo es schön ist? Unter Palmen, am Strand oder unter blauem Himmel? Es gibt wohl viele potenzielle Urlauber, die das Ende der Krise lieber in einem Fünf-Sterne-Resort unter der karibischen Sonne abwarten würden. Bezahlen können es aber nur die wenigsten. Wer es sich leisten kann, rennt in diesen Zeiten bei Luxus-Resorts offene Türen ein. Denn Hoteliers suchen händeringend nach Kunden, um die Kassen doch noch zum Klingeln zu bringen.

Angebote für Quarantäne in schöner und (angeblich) sicherer Umgebung gibt es reichlich. Wen Reiseverbote und Kontaktsperren im Urlaub überrascht haben, ist im Vorteil. Er bleibt einfach, wo er ist - vorausgesetzt, er verfügt dafür über das nötige Kleingeld. "Viele unserer Gäste haben beschlossen, ihren Aufenthalt um ein, zwei Wochen oder bis auf Weiteres zu verlängern", berichtet Kevin Wendle, Inhaber des Hotels Escencia in der Urlaubsregion Riviera Maya in Mexiko, der US-Finanzagentur "Bloomberg".

Andere sind in Erwartung von Reiseverboten offenbar noch schnell zu ihren Traumzielen gereist, um etwa im paradiesischen Nordosten der mexikanischen Halbinsel Yucatán zu "überwintern". Wie Wendle berichtet, schnellten die Buchungen hoch, bevor Mexiko und die USA am 20. März den Grenzverkehr einstellten. Der Hotelmanager ist Herr über 43 Zimmer auf 50 Hektar. Sein Hotel ist ein Refugium für Hollywood-Größen. Bis Freitag vergangener Woche hätten 30 der 35 derzeitigen Gäste entschieden, bis auf Weiteres zu bleiben. Unentschlossene hat das Resort, das um seine Einnahmen bangte, schnell noch mit saftigen Preisnachlässen gelockt: Statt 1000 US-Dollar werden Corona-Flüchtlingen nun nur noch 700 Dollar pro Nacht abverlangt. Wer mehr als eine Woche verlängert, muss nur noch 600 Dollar berappen. Für das Geschäft war es die beste Investition, die das Hotel machen konnte.

Der Traum vom virusfreien Paradies

"Ich fühle mich sicherer in diesem Naturparadies, weg von allem", sagt die New Yorker Anwältin Adriana Ching, die diesem "Schnäppchenangebot" offenbar nicht widerstehen konnte. Ob sie in Mexiko wirklich sicherer ist, ist die große Frage. Das Land hat bislang gut 300 bestätigte Corona-Fälle. Konkrete Test- oder Eindämmungsstrategien gibt es nicht. Ein weiterer Gast aus Kanada, Ryan Cook, hat ebenfalls entschieden, mit seiner Frau und seinen drei Kindern da zu bleiben, wo er gerade ist. Die Kinder haben keine Schule, er kann aus der Ferne arbeiten. "Es fühlt sich verantwortungsbewusster an, jetzt nicht zu reisen", sagt er. Die Hysterie, dass Leute bei einer Reisewarnung zu überfüllten Flughäfen eilen, kann er nicht nachvollziehen.

Zumal Hygiene und Schutz vor Ansteckung in dem Nobelhotel großgeschrieben werden. Alle Oberflächen vom Gepäck bis zum Türknauf werden stündlich desinfiziert. Wendle hat 1000 Flaschen Desinfektionsmittel gehortet, damit seine Gäste vor dem Betreten des Speisesaals ihre Hände von gefährlichen Viren befreien können. Um die soziale Distanz zu wahren, wurde das Personal von 250 auf 175 reduziert. Das Verhältnis von Mitarbeitern und Gästen liegt jetzt bei fünf zu eins.

Das mexikanische Luxus-Resort ist nicht das einzige komfortable und vermeintlich sichere Refugium für Reiche in Corona-Zeiten. Auf einer privaten Insel zwei Meilen vor der Küste von Antigua liegt das All-Inclusive-Hotel Jumby Bay. Eine Suite am Strand kostet hier 1895 US-Dollar pro Nacht. Trotz der strammen Preise gibt es Buchungen von bis zu 30 Tagen, wie Vertriebsleiterin Julie Debas berichtet. "Kunden wollen sich vor dem, was auf der Welt passiert, verstecken", berichtet Debas. Auch das Luxushotel Island House mit 30 Zimmern in Nassau auf den Bahamas hat Glück im Unglück. Der Betreiber darf sich über 15 Gäste freuen, die auf unbestimmte Zeit bleiben, sich an Abstandsregeln und Kontaktverbote halten und in allem Komfort der Dinge harren, die da kommen mögen. Für den Manager ein Glücksfall: "Fast die Hälfte unseres (Bruttosozialprodukts) ist mit dem Tourismus verbunden. Wenn wir die Sicherheit der Gäste gewährleisten und gleichzeitig der Wirtschaft helfen können, ist das ein Gewinn", sagt James Wyndham.

Ab 700 Franken pro Nacht, inklusive Corona-Test

Es sind harte Zeiten für die Hotelbranche. Der größte Teil liegt am Boden: Die Gäste bleiben weg, die Zimmer sind leer. Neben Luftverkehr, Logistik, Messeveranstaltern, Tourismus-Dienstleistern, Kultureinrichtungen und heimischer Industrie kämpft das Gros der Hotellerie mit dramatischen Umsatzrückgängen. Für viele geht es ums nackte Überleben. Aber für manche ist Corona auch nicht das Ende, sondern ein Beginn. Geschäftsmodelle werden angepasst, so wie auch in anderen Bereichen der Wirtschaft. Und manchmal treibt die Panikstimmung dann auch wilde Blüten.

Auf dem europäischen Kontinent hat das Geschäftsmodell Corona-Quarantäne für Reiche inzwischen ebenfalls Fuß gefasst. Ein Schweizer Luxus-Hotelier vermietet Apartments in Zürich, Zug und Luzern zwischen 200 und 800 Schweizer Franken pro Tag, "Covid-19-Service" ist auf Wunsch inklusive. Der Chef und Gründer der Le Bijou Hotel & Resort Management AG, Alexander Hübner, hat sich dafür mit einem Schweizer Gesundheitsdienst zusammengetan. Für 800 Franken zusätzlich bekommen Gäste zweimal täglich Besuch von einer Krankenschwester, für 500 Franken zusätzlich einen Virus-Test.

Die Hälfte der 42 Einheiten ist derzeit besetzt. Seit dem Start des neuen Services in der vergangenen Woche habe es bereits fünf Buchungen gegeben, zitiert "Bloomberg" die Geschäftsführung. Als vorteilhaft erweist sich offenbar die Tatsache, dass das Geschäftsmodell ohne Kontakt mit Personal auskommt. Die Kunden sind auf Wunsch völlig isoliert. Auch Hübner hofft, dass er mit den Einnahmen aus dem Covid-19-Dienst gut durch die Flaute kommt.

Quelle: ntv.de