Wirtschaft

Ende einer Ära Oetker verkauft Reederei Hamburg Süd

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Die Branche leidet unter weltweiten Überkapazitäten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Es ist eine Zäsur: Der Oetker-Konzern zieht sich aus der Schifffahrt zurück und verkauft die Reederei Hamburg Süd an das dänischen Container-Riesen Maersk.

Der Bielefelder Oetker-Konzern trennt sich nach 80 Jahren von seinem Schifffahrtsgeschäft und verkauft die Containerrederei Hamburg Süd an den Konkurrenten Maersk. Mit dem dänischen Weltmarktführer sei ein Vorvertrag unterzeichnet worden, teilte Oetker mit. In den kommenden Wochen solle über einen Kaufvertrag verhandelt werden. Über den Preis machten beide Seiten keine Angaben. VesselsValue sieht den Wert von Hamburg Süd bei 1,4 Milliarden Dollar, der Branchendienst Alphaliner bei 2,2 Miliarden Dollar.

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Maersk erklärte, eine Übereinkunft sei erzielt worden. Eine endgültige Vereinbarung werde voraussichtlich Anfang des zweiten Quartals 2017 stehen. Der Transaktion müssten auch noch die Kartellbehörden zustimmen. Über eine Übernahme war schon seit einigen Tagen spekuliert worden.

Oetker verliert mit dem Verkauf rund die Hälfte seines Umsatz von etwa zwölf Milliarden Euro. Doch Branchenkennern zufolge ist der Schritt richtig. "Oetker hat mit der Containerschifffahrt sicherlich nichts mehr verdient", sagte ein Insider n-tv.de mit Blick auf die weltweiten Überkapazitäten. Damit sei sehr viel Kapital in einem Geschäftsbereich gebunden, ohne dass dort Geld verdient werde. Ergebnisse gibt der Familienkonzern traditionell nicht bekannt. Der Konzern ist vor allem durch seine Produkte aus der Lebensmittel- und Getränkeindustrie bekannt. Neben Dr. Oetker gehören auch die Radeberger Gruppe oder Coppenrath & Wiese zum Oetker-Imperium.

Die 1871 gegründete Reederei Hamburg Süd hat nach Daten von Alphaliner einen Anteil von rund drei Prozent an den weltweiten Containerkapazitäten. Die Reederei liegt damit auf Rang sieben der weltgrößten Containerreedereien, einen Platz hinter dem Rivalen Hapag-Lloyd. "In dieser Größenordnung hat Hamburg Süd keine Zukunft", so der Branchenkenner.

Die Containerschifffahrt steckt seit Jahren in einer tiefen Krise. Sie leidet unter Überkapazitäten und sinkenden Frachtpreisen. Viele Reedereien schreiben rote Zahlen. Immer mehr Unternehmen schließen sich deshalb zusammen oder bilden Allianzen, um die Kosten zu senken. Der Konsolidierungsprozess hatte sich zuletzt jedoch nochmals beschleunigt.

Hanjin ist pleite

Hier kann und will Oetker nicht mehr mitziehen. Dies würde einen noch höheren Kapitalbedarf nach sich ziehen, so Oetker. "Dies würde zudem den Risikoausgleich innerhalb der Oetker-Gruppe empfindlich stören." Aus Sicht des Konzerns ist ein Verkauf daher die bessere Lösung.

Auch für Maersk ergibt der Deal Sinn. "Das passt in die bisherige Strategie der Dänen", so der Insider. "Die setzen schon seit längerer Zeit auf Konsolidierung und wollen ihren Marktanteil über Zukäufe ausbauen." So habe die Reederei im Branchenvergleich relativ wenig neue Schiffe bestellt.

"In Zukunft wird es höchstens fünf Global Player geben", so der Branchenkenner. Daneben würden sich kleine, regionale Reedereien behaupten können. Viele der 20 größten Reedereien schließen sich derzeit entweder mit anderen zusammen oder gehen Allianzen ein, um durch die Krise zu kommen.

Deutschlands Branchenführer Hapag-Lloyd erhielt unlängst von der EU-Kommission grünes Licht für die Fusion mit dem arabischen Konkurrenten UASC, zusammen würden sie damit zur weltweiten Nummer fünf der Branche.

Ende Oktober hatten drei führende japanische Reedereien den Zusammenschluss ihrer Containergeschäfte zur Nummer sechs der Branche angekündigt. Hamburg Süd etwa hatte 2015 die chilenische Reederei Compañía Chilena de Navegación Interoceánica (CGNI) übernommen. Die drittgrößte Reederei, die französische CMA CGM, hat letztes Jahr Neptune Orient Lines aus Singapur für 2,4 Milliarden US-Dollar gekauft. 2013 war eine geplante Fusion zwischen Hapag-Lloyd und Hamburg Süd geplatzt.

Die südkoreanische Reederei Hanjin wurde derweil durch die Krise in die Pleite getrieben. Sie meldete Ende August Insolvenz an.

Quelle: n-tv.de, jga/rts/DJ

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