Wirtschaft

Trotz düsterem Arbeitsmarkt Ölpreis-Rally lässt Dow Jones aufleben

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Die Aussicht auf eine gekürzte Ölförderung ließ die Preise teilzweise durch die Decke gehen.

(Foto: imago images/viennaslide)

Ein Twitter-Eintrag von Donald Trump befeuert die Ölwerte. Gleichzeitig drücken Signale vom US-Arbeitsmarkt die Stimmung an der Wall Street. Am Ende eines nervösen Börsentags kann sich der Dow Jones von seinen deutlichen Vortagsverlusten erholen.

Die Hoffnung auf ein rasches Ende des Ölpreis-Kriegs zwischen Saudi-Arabien und Russland hat ein Kursfeuerwerk bei Rohöl ausgelöst und Anleger an die Wall Street zurückgelockt. Das schob sogar die desaströsen US-Arbeitsmarktdaten beiseite. Der US-Leitindex Dow Jones gewann 2,2 Prozent auf 21.413 Punkte. Der technologielastige Nasdaq rückte 1,7 Prozent auf 7487 Punkte vor und der breit gefasste S&P 500 legte 2,3 Prozent auf 2527 Punkte zu. Dax und EuroStoxx50 hatten zuvor jeweils leicht im Plus bei 9571 und 2681 Punkten geschlossen.

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US-Präsident Donald Trump hat nach eigenen Angaben zwischen Saudi-Arabien und Russland vermittelt. Nun "erwarte und hoffe" er, dass die beiden Konfliktparteien ihre Ölförderung um zehn oder gar 15 Mio. Barrel pro Tag reduzieren werden, teilte Trump auf Twitter mit. Die US-Rohölsorte WTI verteuerte sich daraufhin zeitweilig um 35 Prozent, den größten Gewinn ihrer Geschichte. Brent sprang vorübergehend um 47 Prozent in die Höhe, ebenfalls ein Rekord.

Später gaben die Öl-Preise nach wegen Skepsis am Markt, ob sich Russland und Saudi-Arabien tatsächlich auf eine derartig große Reduktion einigen können. Derzeit pumpt allein Saudi-Arabien täglich die Rekordmenge von zwölf Mio. Barrel aus dem Boden. Auslöser des Preiskriegs war Anfang März die Weigerung Russlands, die Fördermengen wegen der Coronavirus-Krise weiter zu drosseln. Dies verhalf den Aktien der Ölkonzerne Exxon und Chevron zu Kursgewinnen von mehr als elf Prozent. Die Papiere von Schieferölfördereren wie Marathon, Occidental oder Apache verzeichneten sogar Preissprünge von etwa 19 Prozent. Diese Firmen leiden besonders stark unter dem niedrigen Ölpreis, weil sie wegen des aufwendigen Fracking-Verfahrens erst ab einem Preis von etwa 50 US-Dollar profitabel arbeiten. Mit Whiting musste ein erster großer Schieferölförderer bereits Gläubigerschutz beantragen.

Arbeitslosenquote steigt rasant

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Wegen der Beschränkungen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie stieg die Zahl der Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche auf 6,6 Mio. Damit hat sich der bisherige traurige Rekord aus der Vorwoche verdoppelt. Analysten hatten mit 3,5 Mio. Erstanträgen gerechnet. "Ich befürchte, dass die Arbeitslosenquote nicht so schnell wieder zurückgehen wird, weil viele Firmen Pleite gehen werden", sagte Priya Misra, Chef-Anlagestrategin der Investmentbank TD Securities. Volkswirt James McCann vom Vermögensverwalter Aberdeen Standard prognostizierte für die kommenden Monate eine US-Arbeitslosenquote von mehr als zehn Prozent.

Bei den Aktienwerten fielen die Titel von Zoom gegen den Trend um elf Prozent. Der Anbieter von Video-Konferenzen konnte wegen der Virus-Krise zwar seine Nutzerzahlen kräftig steigern. SpaceX, die Raketenfirma des Tesla-Chefs Elon Musk, verbietet seinen Mitarbeitern allerdings die Benutzung der Software. Grund seien "erhebliche Datenschutz- und Sicherheitsbedenken". Auch die US-Weltraumbehörde NASA, einer der größten SpaceX-Kunden, hat Zoom von seinen Computern verbannt.

Quelle: ntv.de, ino/rts