Wirtschaft

Börsengang von Aramco naht Opec-Förderbremse lässt Ölpreise steigen

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Ein Preis von 100 Dollar pro Barrel Öl scheint in Zukunft nicht ausgeschlossen.

(Foto: imago/imagebroker)

Rohöl bleibt weiterhin ein teures Gut und die Preise steigen weiter. Das liegt nicht nur an der vereinbarten Förderbremse der Opec. Hauptexporteur Saudi-Arabien hat auch ein eigenes Interesse, den Preis in Zukunft auf bis zu 100 Dollar anzuheben.

Wachsende Spekulationen auf ein sinkendes Angebot und die angeblichen Preisvorstellungen Saudi-Arabiens haben Öl weiter verteuert. Laut Insidern greift zum einen die Förderbremse der Opec und anderer Ölförderer wie Russland. Zum anderen kommt der Preisanstieg auf das höchste Niveau seit Ende 2014 dem weltgrößten Ölexporteuer Saudi-Arabien gerade recht. "Die Saudis und ihre Kollegen von der Opec brauchen aus fiskalpolitischen Gründen höhere Ölpreise", sagte Greg McKenna, Marktstratege beim Brokerhaus AxiTrader.

Saudi-Arabien sei zudem mitten in einem kostspieligen Reformprogramm. "Daher dürften sie die Zitrone weiter ausquetschen, solange sie das können." Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich am Donnerstag um 1,7 Prozent auf 74,72 Dollar je Barrel (159 Liter). So viel musste seit November 2014 nicht mehr für Nordseeöl bezahlt werden. US-Leichtöl WTI kostete mit 69,50 Dollar 1,5 Prozent mehr und war damit so teuer wie zuletzt im Dezember 2014.

Erhöhter Ölpreis soll Börsengang stützen

Insider hatten zur Wochenmitte gesagt, der weltgrößte Ölexporteure sei mit einem Ölpreis von 80 bis sogar 100 Dollar je Barrel zufrieden. Vermutlich wolle das Königreich mit einem höheren Ölpreis die Marktbedingungen für den geplanten Börsengang seines staatlichen Ölkonzerns Aramco stützen. "Ich wäre nicht überrascht, wenn Saudi-Arabien einen Ölpreis von 100 Dollar anstreben würde, bis der Börsengang durch ist", sagte ein Insider.

2012 war die 100-Dollar-Marke ebenfalls ein saudi-arabischer Wunschpreis. Offiziell haben die Opec und Saudi-Arabien keine Preisziele. Allerdings lassen sie über Insider den Markt wissen, welcher Preis ihnen recht wäre. Mitte 2014 war die 100-Dollar-Marke angesichts des Ölförderbooms in den USA nicht mehr zu halten gewesen, so dass der Ölpreis zeitweise bis unter 30 Dollar Anfang 2016 absackte. Das war der niedrigste Stand seit Ende 2003.

Opec-Förderbremse scheint zu wirken

Inzwischen halten Opec-Insider die Marke von 70 Dollar für das untere Limit des Kartells. Ein Grund für den Preisanstieg ist auch die Vereinbarung der Opec und anderer Ölproduzenten wie Russland, die Förderung zurückzufahren. Diese Einigung vom 30. November 2016 ist weiter in Kraft. Im Juni wird erneut über den Erfolg der Maßnahmen auf höchster Ebene beraten. Dieses Treffen wird auf Ministerialebene am Freitag in Dschidda vorbereitet.

Aus Sicht der Opec hat die Förderkürzung funktioniert: Im Februar lag die Ölreserve in den Industrieländern nur noch 43 Millionen Barrel über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Im Januar 2017 hatte das Überangebot noch bei 340 Millionen Fässern gelegen. Unterstützt wurden die Preise auch von Spekulationen auf neue US-Sanktionen gegen den Iran. Das Land ist der drittgrößte Opec-Produzent.

Fraglich ist laut Börsianern, ob der Schieferölboom in den USA letztlich die Teuerung wieder bremsen kann. Viele Experten erwarten, dass die weltgrößte Volkswirtschaft bald auch der größte Ölproduzent der Welt wird. Zuletzt hatten die USA Saudi-Arabien bei der Förderung schon überholt und liegen damit nur noch knapp hinter dem weltgrößten Ölproduzenten Russland.

Quelle: n-tv.de, mba/rts

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