Wirtschaft

Internet-Gigant im Fadenkreuz "Opium"-Vergleich heizt Kurssturz in China an

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"Honor of Kings" ist eines der populärsten und vor allem profitabelsten Online-Spiele der Welt.

(Foto: picture alliance/dpa/HPIC)

Jetzt hat es den Onlinekonzern Tencent erwischt. Nachdem die chinesischen Behörden die Zügel für zahlreiche Branchen angezogen hatten, reicht ein kritischer Zeitungskommentar, um die Aktien von Tencent abstürzen zu lassen.

Ein kritischer Artikel reicht diesmal aus, um wieder Aktienkurse in China und rund um die Welt ins Rutschen zu bringen: In einem Kommentar vergleicht eine zur staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua gehörende Wirtschaftszeitung ein Online-Spiel des Internetkonzerns Tencent mit "Opium für den Verstand" - und die Aktionäre geraten in Panik. Die Befürchtung, der Medien-Kritik könnten Maßnahmen durch die Behörden folgen, lässt die Aktie zeitweise fast elf Prozent einbrechen, womit Tencent fast 60 Milliarden Dollar an Wert einbüßt. Letztlich rutscht das Papier - auch nach der Ankündigung von Tencent, Veränderungen an seinem Kassenschlager "Honor of Kings" vorzunehmen - knapp sieben Prozent ab und zieht auch Rivalen wie Netease und GMGE Technology mit nach unten. Die Unruhe rund um das Videospiele-Geschäft in China sorgte auch in Europa für Verkäufe. So büßten auch die Aktien von Evolution, Ubisoft und Embracer wie auch des Tencent-Investors Prosus ein.

Die Kritik in der staatlichen Zeitung schürt die Befürchtung, dass die Regierung nun auch im Online-Videospielebereich die Daumenschrauben anziehen könnte. Drastische Eingriffe in andere Branchen in den vergangenen Monaten lassen diese Befürchtung sehr real erscheinen. Das Wort "Opium" ist in China vorbelastet und weckt hochemotionale Erinnerungen an die Opium-Kriege im 19. Jahrhundert zwischen Großbritannien und dem Qing-Reich.

Im Mittelpunkt des später gelöschten Berichts stand die Befürchtung geäußert, Minderjährige könnten abhängig von Online-Spielen werden. Einige spielten bis zu acht Stunden am Tag. "Keine Industrie, kein Sport darf sich in eine Richtung entwickeln, die eine Generation zerstört", hieß es. Tencent reagierte umgehend und erklärt, Maßnahmen einzuführen, um den Zugang und die Spielzeit Minderjähriger zu regulieren.

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Seit Monaten schon gehen die chinesischen Behörden in seit Jahren nicht gesehenem Ausmaß mit neuen Regeln und Maßnahmen gegen private Technologiekonzerne vor. So hatte die Finanzaufsicht im Herbst 2020 zunächst den geplanten Rekord-Börsengang des Finanzdienstleisters Ant und den Gründer von dessen Mutternkonzern Alibaba, Jack Ma, im letzten Moment platzen lassen. Ma, zeitweise einer der mächtigsten Männer der chinesischen Wirtschaft ist seitdem offensichtlich entmachtet, aus der Öffentlichkeit verschwunden und konzentriert sich angeblich ganz auf seine Hobbies.

Vom Innovationstreiber zum Stabilitätsrisiko

In den folgenden Monaten zogen die Behörden die Zügel auch für chinesische Finanzdienstleister und schließlich andere Technologiekonzerne an. Mal wurde der Datenschutz zitiert, um etwa die App des Fahrdienstvermittlers Didi aus den Appstores zu löschen. Ein anderes Mal Wuchergebühren von Privatschulen, um den boomenden Bildungssektor zu regulieren. An den Börsen lösten die Maßnahmen Beben aus. Durch die Kursverluste der zum Teil an amerikanischen Börsen notierten Unternehmen wurde mehr als eine Billion US-Dollar vernichtet. Andere bekannte Unternehmen wie der Tiktok-Mutterkonzern Bytedance legten geplante Börsengänge auf Eis.

Chinas Führung hatte Internetkonzerne wie Alibaba und Tencent lange als Treiber von Innovation und als Symbol der wachsenden wirtschaftlichen Potenz Chinas gesehen. Doch nun treten andere Erwägungen in den Vordergrund. Die Branche wird eher als Sicherheitsrisiko und als Ursache sozialer Probleme gesehen. In der Volksrepublik hat das eine immense Bedeutung. Denn politische und gesellschaftliche Stabilität hat für die Kommunistische Partei die allerhöchste Priorität.

Quelle: ntv.de, mit rts

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