Wirtschaft

Blick auf einen heißen Herbst Partystimmung an der Börse - kann das gutgehen?

281504074.jpg

An der Konjunkturfront sieht es düster aus, aber die Börsen wollen nach oben.

(Foto: picture alliance / Klaus Ohlenschläger)

Rezessionsängste, China-Schwäche, Monsterenergiekrise: Die Voraussetzungen für ein gutes Börsenjahr 2022 sind denkbar schlecht. Doch im Sommer wird schon wieder gefeiert, seit nunmehr zwei Monaten geht es an den Aktienmärkten stramm nach oben. Wie passt das zusammen?

Wer den DAX Mitte August anschaut, der könnte auf den Gedanken kommen, dass sich einiges zum Besseren gewendet hat. Im Frühsommer lag er noch bei 12.400 Zählern, jetzt im Hochsommer sind es knapp 14.000 Punkte. Auch die US-Technologiebörse kennt nur einen Weg: steil nach oben. Binnen weniger Wochen stieg der Nasdaq Composite um gut 20 Prozent.

Sogenannte Meme-Aktien wie Gamestop oder Bed, Bath & Beyond werden in den USA wieder gezockt, als hätte es die Aktienkorrektur im Frühjahr nie gegeben. "Die Partystimmung ist zurück und in den USA ist die Volatilität, sprich die Angstprämie, auf den tiefsten Stand des Jahres gesunken", erläutert Jürgen Molnar vom Broker RoboMarkets die Lage.

Dabei ist die Zinswende in vollem Gange und ob eine weiche Landung in den USA möglich ist ohne Rezession, das steht mit einem großem Fragezeichen im Raum. Wie passt das zusammen?

Short-Squeeze treibt die Kurse

Dax
Dax 12.564,28

Zuletzt waren die Effekte am Aktienmarkt "vor allem eine Eindeckung von Short-Positionen und damit ein sogenannter Short-Squeeze", beschreibt Stefan Riße vom Fondshaus Acatis eine Besonderheit, die die Kurse derzeit treibt. Dazu waren die Umsätze am Aktienmarkt jüngst sehr niedrig. Für Ausschläge nach oben reicht es in solchen Situationen, wenn schlicht kaum einer verkaufen will und jene, die zuvor auf fallende Kurse gesetzt hatten, ihre Positionen wieder eindecken müssen.

Das treibt die Notierungen. Mit Ende des Sommers kommt allerdings der Härtetest, sowohl in den USA als auch in Deutschland. Denn Gas-Krise, Rohstoffpreise, Inflation, Zinswende, politisches Umfeld mit Zwischenwahlen in den USA und Ukraine-Krieg sowie Rezessionssorgen wollen gemanagt werden.

Auch der große S&P 500 mag sich mit seinen 4300 Punkten entspannt zeigen, aber die vielen Baustellen lassen sind nicht ausblenden - auch nicht für den Aktienmarkt. "Immerhin können sich Anleger dank der sehr niedrigen Volatilität wieder günstiger absichern", erklärt Sebastian Bleser von UniCredit einen Vorteil der zuletzt gestiegenen Kurse.

S&P 500 Index, Ind.
S&P 500 Index, Ind. 3.765,09

Put-Optionsscheine sind günstiger zu haben, wenn die Angstprämie am Boden ist. Dies reflektiert auch der Fear & Greed-Index aus den USA, der zuletzt ein Mehrmonatshoch hinlegte. Fundamental sind die Unternehmensgewinne der US-Firmen noch recht hoch in der Schätzung.

Der Herbst könnte wieder heiß werden

Negative Überraschungen sind möglich, und wer sein Depot für das letzte Jahresdrittel festzurren will, der sollte dies jetzt tun. Speziell für Deutschland sieht Jürgen Molnar ein großes Problem Richtung Herbst: "Bei vielen Rohstoffengpässen kann man sich wegducken, bei der Gasversorgung ist dies aber nicht möglich. Neuerliche Sorgen in diesem Bereich könnten den DAX rasch wieder einige Hundert Zähler kosten", sagt der Kapitalmarktstratege.

Wer sein Depot sichern will, der hat über Put-Optionsscheine mit Laufzeit März 2023 oder auch Juni 2023 gute Chancen. Auf den DAX wählt man mit Basis 13.500 die WKN VX887D, auf den S&P 500 bietet sich ein gut bewerteter Put mit der WKN JA1TRY und einer Basis von 4000 Zähler an. So kommt das Depot besser durch den vielleicht stürmischen Herbst.

Daniel Saurenz betreibt das Börsenportal Feingold Research.

Dieser Beitrag stellt keinerlei Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von einzelnen Aktien oder anderen Finanzprodukten dar. Für die Richtigkeit der Daten wird keine Haftung übernommen.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen