Wirtschaft

Ein Dollar SchadensersatzWarum ausgerechnet Patagonia eine Umweltaktivistin verklagt

28.05.2026, 19:53 Uhr
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Nicht nur in ihren Shows setzt sich Pattie Gonia für den Umweltschutz ein. (Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Mit aufsehenerregenden Aktionen sammelt eine US-Dragqueen mehr als eine Million Dollar für den Umweltschutz. Ausgerechnet die Outdoor-Marke Patagonia verklagt sie. Die Künstlerin fürchtet nun um ihre Existenz.

Der US-Outdoor-Hersteller Patagonia hat die bekannte Dragqueen und Umweltaktivistin Pattie Gonia vor einem Gericht in Los Angeles verklagt. Das Unternehmen wirft der Influencerin Markenrechtsverletzungen vor, weil diese unter ihrem Künstlernamen Kleidung verkaufen will. Bei der Klage gehe es nicht um Profit, sondern darum, die eigene Marke und die Mitarbeiter zu schützen, betonte das Unternehmen gegenüber dem "Guardian".

Der Thermojackenhersteller verlangt laut Klageschrift allerdings lediglich einen Dollar Schadensersatz. Sollte die Firma gewinnen, müsste Pattie Gonia allerdings auch die gesamten Anwaltskosten übernehmen. Die Dragqueen fürchtet, dass diese immens sein werden und beschuldigt Patagonia, ihren "Aktivismus auslöschen zu wollen". Das Unternehmen bestreitet diesen Vorwurf.

Drag ist eine Performance-Kunst, bei der Menschen mit Make-up, Kleidung und einem Kunstnamen meist weibliche und männliche Geschlechterstereotypen parodieren. Die Kunstfigur Pattie Gonia existiert seit 2018, ihre Shows drehen sich stets um Umweltschutz. Im Dezember vergangenen Jahres sammelte sie mehr als eine Million Dollar an Spenden, während sie geschminkt und in voller Montur auf Absatzschuhen über 160 Kilometer vom kalifornischen Küstenabschnitt Point Reyes nach San Francisco wanderte. Insgesamt hat die Dragqueen durch derartige Aktionen schon mehr als vier Millionen Dollar gesammelt.

Bereits im September 2025 beantragte sie entsprechende Markenrechte, um unter dem Namen "Pattie Gonia" eigene Kleidung zu verkaufen und mit dem Erlös weitere Umweltprojekte zu finanzieren. Der Milliardenkonzern fürchtete laut einer Pressemitteilung, dass dieser Schritt der Marke "unwiderruflich schaden" könnte und reichte im Januar Klage ein.

Aktivistin: Patagonia verrät Kernmission

Patagonia ist berühmt für seine Initiativen und Werbekampagnen zum Umweltschutz. 2022 übertrug Gründer Yvon Chouinard das gesamte Unternehmen an eine gemeinnützige Stiftung und eine Organisation, die seither alle Gewinne in den Schutz des Planeten investieren sollen. "Wir wünschten, wir müssten das nicht tun”, rechtfertigt der Konzern daher den aktuellen rechtlichen Schritt. "Hier geht es weder um finanziellen Gewinn noch darum, die Identität einer Person und ihr Demonstrationsrecht infrage zu stellen. Das Letzte, was wir wollten, war ein Rechtsstreit mit jemandem, der unsere Werte teilt. Aber wir müssen unser Unternehmen und unsere Mitarbeiter schützen", so das Unternehmen gegenüber dem "Guardian". Über mehrere Jahre habe man sich zudem mit Pattie Gonia zusammengesetzt, um eine außergerichtliche Lösung zu finden, betonte der Konzern.

Nun hat sich die Umweltaktivistin erstmals in einem Video auf Instagram zu der Klage geäußert und dem Unternehmen vorgeworfen, seine "Kernmission zu verraten". "Das ist kein Markenkonflikt", sagte Pattie Gonia. "Das ist ein Unternehmen, das versucht, Aktivismus auszuschalten." Die Influencerin räumte zwar ein, dass sie den Namen als "spielerische Parodie" des Unternehmens verwendet habe. Sie betonte allerdings, dass Drag grundsätzlich auf Parodie aufbaue und sie das Markendesign selbst aber nie verwendet habe. Seither fluten Tausende Unterstützer die Kommentarspalten von Patagonia und fordern, die Klage zurückzuziehen.

Quelle: ntv.de, gri

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