Wirtschaft

Konzern soll Klimawandel zahlen Peruanischer Bauer verklagt RWE

Der Klimawandel bedroht die Welt massiv. Doch wer kann dafür verantwortlich gemacht werden? Diese Frage beschäftigt das Landgericht Essen, denn ein peruanischer Bauer sieht den Energieversorger RWE in der Schuld.

Es ist ein beinahe aussichtsloser Kampf, doch Saúl Luciano Lluiya ist bereit: Der peruanische Bauer hat Klage gegen den Energieversorger RWE eingereicht, die am Donnerstag in einem Zivilprozess vor dem Essener Landgericht verhandelt wird. 

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Lluiya verklagt den Konzern, weil seine Heimat in den Anden durch einen schmelzenden Gletscher bedroht wird. Dafür macht er vor allem RWE verantwortlich, da das Unternehmen durch seinen weltweiten CO2-Ausstoß zum Klimawandel beitrage.

Das Haus des Bauern befindet sich im Dorf Huaraz, etwa 450 Kilometer von Perus Hauptstadt Lima entfernt, und 1500 Höhenmeter unterhalb des Gletschersees Palcacocha. Dieser droht aufgrund der durch den Klimawandel verstärkten Gletscherschmelze überzulaufen und Huaraz zu überfluten. "Herr Lluiya sitzt wie ein Kaninchen vor der Schlange und wartet darauf, dass eine Katastrophe geschieht. Aber er möchte nicht mehr abwarten", sagt seine Rechtsanwältin Roda Verheyen n-tv.de.

Daher verlangt Lluiya von RWE, für bereits getroffene und künftige Schutzmaßnahmen aufzukommen. 17.000 Euro soll RWE an die Gemeinde zahlen, entsprechend dem Anteil des Essener Energieversorgers am weltweiten CO2-Ausstoß. Zumindest aber möchte der 35-jährige Kläger 6300 Euro zurückerstattet bekommen, die er bisher in den Schutz seines Hauses investiert hat. "Er hat ein Problem und wendet sich damit an jene, die ganz erheblich zu seinem Problem beigetragen haben", so Verheyen.

Keine politische Botschaft

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CO2 entsteht unter anderem bei der Verbrennung von Braunkohle - wie hier in einem RWE-Kraftwerk in Nordrhein-Westfalen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Im Dezember 2014 kam der Bauer bei der UN-Klimakonferenz in Peru in Kontakt mit der Umweltorganisation Germanwatch, die ihn in dem Prozess in Deutschland unterstützt. Lluiya sei aber kein politischer Akteur, betont seine Anwältin. Trotzdem könnte eine mögliche Verurteilung des Energiekonzerns weitreichende Folgen haben, auch wenn RWE vorerst keine Klagewelle fürchtet.

"Der Zusammenhang zwischen den Emissionen der RWE-Anlagen und Herrn Lluiyas Situation ist juristisch nicht herstellbar", sagt RWE-Sprecher Guido Steffen n-tv.de. Die Klage sei daher völlig unbegründet und die Forderungen hätten keine Rechtsgrundlage. Eine außergerichtliche Einigung hat das Unternehmen den Klägern zufolge abgelehnt. Ein konkretes Angebot hat RWE Steffen zufolge nicht gemacht - trotz der verhältnismäßig geringen Forderung von 17.000 Euro.

Unangemessen, Milliarden zu verlangen

Und warum ist die Forderung so niedrig? "Es wäre nicht angemessen gewesen, ein deutsches Unternehmen als Gesamtschuldner für die ganze Welt zu verklagen und Milliarden zu verlangen", sagt Verheyen. Zudem gebe es keine Begründung dafür, RWE eine größere Schuld am Klimawandel zu geben als anderen Firmen, aber irgendwo müsse Herr Lluiya ansetzen.

Der Energiekonzern bestreitet eine erhöhte Verantwortung für den Klimawandel. "RWE ist ein großer CO2-Emittent, aber nur eine von zahllosen Quellen", so RWE-Sprecher Steffen. "Es ist falsch, mit dem Finger ausgerechnet auf uns zu zeigen", sagt er und verweist auf die Bemühungen RWEs, erneuerbare Energien zu fördern.

Der Prozess ist der der erste seiner Art. Die Erfolgschancen sind gering. "Die Klage ist schwierig, aber nicht aussichtslos", sagt Verheyen. Der Vorsitzende Richter am Landgericht Essen, Johannes Hidding, geht von einer zügigen Entscheidung aus. Zu n-tv.de sagt er: "Es werden keine Zeugen und keine Sachverständigen angehört, daher könnte das Urteil gleich am Donnerstag gefällt werden."

Quelle: ntv.de