Wirtschaft

"Leichen-Bargeld" Pfund-Scheine enthalten weiterhin Tierfett

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Die britischen Scheine enthalten Talg, der bei der Schlachtung von Rindern und Schafen anfällt.

(Foto: imago/Rüdiger Wölk)

Tierschützer, Veganer und religiöse Gruppen liefen Sturm gegen den neuen 5-Pfund-Schein. Der Grund: Er ist aus Plastik, das Spuren tierischer Fette enthält. Die Bank of England wird das Material weiterhin verwenden.

All die Proteste und Petitionen haben nichts gebracht. Die Bank of England hat verkündet, auch weiterhin tierische Produkte bei der Herstellung ihrer Banknoten zu benutzen. Die Zentralbank wurde im vergangenen Jahr heftig kritisiert, weil sie Talg, eine bestimmte Form von tierischem Fett, in ihren neuen 5-Pfund-Noten verwendet.

Der Schein ist keine normale Banknote. Das im Juni 2016 eingeführte Zahlungsmittel ist Großbritanniens erster Polymer-Schein, er wird nicht auf Papier, sondern auf einem besonderen Kunststoff gedruckt. Der verwendete Talg ist ein Abfallprodukt, das bei der Schlachtung von Rindern und Schafen anfällt.

Veganer-Verbände und Tierschützer hatten die Einführung als "schändlich" bezeichnet. Steffi Cox, die die Empörungswelle losgetreten hatte, nannte die Scheine "Leichen-Bargeld". Eine Online-Petition, die die Zusammensetzung des Kunststoffs zu ändern, fand mehr als 130.000 Unterstützer.

Daraufhin suchte die Bank das Gespräch und kam nun zu dem Ergebnis: Die neuen Geldscheine werden weiterhin aus dem Plastik hergestellt, das Spuren tierischer Fette enthält. Die Bank of England hatte bereits vor einiger Zeit verkündet, die Fünfer nicht aus dem Umlauf zu nehmen. Jetzt gab die Bank bekannt, dass auch die 20-Pfund-Note und die zukünftigen Auflagen der 5- und 10-Pfund-Scheine aus dem gleichen Material hergestellt werden.

Polymer statt Palmöl

Die einzige Alternative für die Herstellung wären Chemikalien, die ursprünglich aus Palmöl gewonnen werden, argumentiert die Bank. Das Öl ist stark umstritten, da dessen Produktion zur Abholzung des Regenwaldes beitragen soll. "Die Verwendung von Palmöl wirft die Frage der Nachhaltigkeit auf. Unseren Lieferanten ist es im Moment nicht möglich, uns wirklich nachhaltiges Palmöl zu versprechen", so die Bank.

Die Entscheidung reflektiere unterschiedliche Überlegungen. "Die Bedenken der Öffentlichkeit, die Verfügbarkeit von nachhaltigen Alternativen, Positionen der anderen Zentralbanken, das Preis-Leistungs-Verhältnis und die verbreitete Nutzung tierischer Produkte in alltäglichen Produkten", hieß es weiter.

Das gleiche Plastik finde man beispielsweise in Plastiktüten, aber auch in Kreditkarten und Mobiltelefonen. Die Kosten für einen Wechsel des Materials lägen schätzungsweise bei umgerechnet 18 Millionen Euro. Für die Verwendung des tierischen Materials spräche außerdem, dass es deutlich haltbarer sei als Papier. Das heißt, es müssen weniger Scheine gedruckt werden, wodurch die Umwelt geschont werde.

Quelle: n-tv.de, hsc

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