Wirtschaft

Tiefster Stand seit 40 Jahren Pfund bricht ein, Euro kämpft

Die Briten sprechen sich beim EU-Referendum gegen einen Verbleib aus - und die Finanzmärkte spielen verrückt. Der Kurs des Pfund bricht ein, Banken sagen noch tiefere Stände voraus. Aber auch der Euro rutscht ab. Am Abend zeigt sich ein etwas freundlicheres Bild.

Der Sieg der Brexit-Befürworter hat der britischen Währung den größten Kurssturz seit mindestens 40 Jahren eingebrockt. Das Pfund Sterling brach zeitweise um mehr als 13 Prozent auf 1,3221 Dollar ein - das war der tiefste Stand seit September 1985. Die Investmentbank Morgan Stanley rechnet damit, dass das Pfund Sterling noch weiter abwertet und auf 1,25 bis 1,30 Dollar fällt. Am Abend notierte es aber etwas erholt bei 1,3740 Dollar - ein Abschlag von noch rund 8,5 Prozent.

In der Nacht hatte es noch nach einem Sieg für die EU-Befürworter ausgesehen. "Jetzt wird es turbulent an den Finanzmärkten", sagte Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Devisenexpertin Sonja Marten von der DZ Bank sagte: "Das Ergebnis kommt für den Finanzmarkt als Schock."

Anleger hatten in den vergangenen Tagen auf einen Verbleib der Briten in der EU gesetzt. Dax, Euro und Pfund hatten teils starke Kursgewinne verzeichnet.

Euro deutlich tiefer

Der Euro sackte auf 1,0912 Dollar im Tagestief  - der größte Kursrückgang in der Geschichte der Gemeinschaftswährung. Auch hier zeigte sich am Abend aber eine deutliche Erholung: Der Euro wurde mit 1,1123 Dollar noch etwa 2,6 Prozent schwächer gehandelt. Die EZB setze den Referenzkurs am Mittag auf 1,1066 Dollar fest nach noch 1,1383 Dollar am Donnerstag.

Anleger flüchteten statt dessen in den Schweizer Franken, der zum Euro auf den höchsten Stand seit August 2015 kletterte - und den japanischen Yen. Der Yen gewann besonders stark zur britischen Währung. Zwischenzeitlich kostete ein Pfund nur noch 133,31 Yen. Damit war der Pfundkurs zum Yen am Freitag um über 14 Prozent abgestürzt, im Gegenzug war der Yen zum Pfund so viel wert wie zuletzt im Dezember 2012. Zuletzt lag der Kurs des Pfund bei 136 Yen.

BoJ steht Gewehr bei Fuß

Auch zu anderen Währungen legte der Yen massiv zu. Zum Dollar war die japanische Währung so viel wert wie zuletzt 2013, der Dollarkurs fiel im Gegenzug zwischenzeitlich unter 100 Yen bis auf 99,02 Yen. Das war der tiefste Stand seit November 2013. Zuletzt lag er bei 101 Yen. Zum Euro stieg der Yen auf den höchsten Wert seit Dezember 2012. Ein Euro kostete zwischenzeitlich nur noch 109,57 Yen. Zuletzt lag der Euro bei 111 Yen.

 Japans Notenbank signalisierte indes Handelsbereitschaft. "Wir stehen bereit, um die Märkte mit genügend Liquidität zu versorgen", teilte Japans Notenbankchef Kuroda mit. Die sechs großen Notenbanken werden laut Kuroda alles in ihrer Macht stehende tun, um die Märkte liquide zu halten.

Quelle: n-tv.de, bad/rts/dpa

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