Wirtschaft

Immuntherapie in der Krebsmedizin Pharmabranche liefert sich Wettrennen

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Die Immuntherapie gilt als vielversprechender Ansatz der Krebsmedizin - und als Milliardenmarkt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Im Kampf gegen Krebs gibt es Fortschritte. Die Pharmaindustrie investiert viel Geld in das Forschungsfeld. Aus gutem Grund, der Bereich gilt als Milliardenmarkt. Auch ein deutsches Unternehmen will partizipieren und holt sich einen starken Partner.

Das US-amerikanische Wissenschaftsmagazin "Science" kürte die Immuntherapie von Krebs 2013 zum wissenschaftlichen Durchbruch des Jahres. Inzwischen gilt der Ansatz als eines der vielversprechendsten Felder der Krebsmedizin. In der Pharmabranche ist ein regelrechtes Wettrennen um die Vorherrschaft in diesem Milliardenmarkt entbrannt.

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"Jede große Pharmafirma baut jetzt ein Immunportfolio auf. Da muss man mit dabei sein", sagt Dirk Jäger, Direktor für Medizinische Onkologie im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg. "Auch solche Firmen, die traditionell auf andere Substanzklassen gesetzt haben, denken jetzt sehr schnell und deutlich um und versuchen da ein Standbein aufzubauen." Weltweit sind erst eine handvoll Medikamente auf dem Gebiet zugelassen.

Nur wenige Patienten profitieren bislang

Die neuen immuntherapeutischen Arzneien zielen darauf ab, das körpereigene Abwehrsystem so zu aktivieren, dass es Krebszellen erkennen und zerstören kann. "Die Behandlung von Krebs steht vor einem tiefgreifenden Umbruch", erwartet Jäger. Er muss aber einschränken: "Noch ist es so, dass ein Großteil der Patienten nicht davon profitiert." In Studien sprechen rund 20 Prozent der Lungenkrebs-Patienten auf die Immuntherapie an, bei schwarzem Hautkrebs sind es zwischen 25 und 50 Prozent, je nachdem, ob man die Medikamente kombiniert.

"Aber bei den Patienten, bei denen es wirkt, ist es außergewöhnlich, die Wirkdauer ist deutlich länger. Es ist eine Entwicklung in der Onkologie, die uns erheblich beeindruckt." Zum Teil würden deutlich bessere Ergebnisse erzielt als mit der Chemotherapie. Aktuell haben in der Immuntherapie die US-Konzerne Bristol-Myers Squibb (BMS) und Merck & Co die Nase vorne, die Schweizer Roche und die britisch-schwedische AstraZeneca folgen ihnen auf dem Fuß. In Deutschland ist unter anderem der Darmstädter Pharmakonzern Merck KGAA im Rennen, sowie mehrere Biotech-Firmen.

Es geht um einen großen Kuchen: "Der Markt ist riesig. Alleine der immunonkologische Markt dürfte in den nächsten zehn Jahren auf 35 Milliarden Dollar wachsen", rechnet Siegfried Bialojan, Leiter des Bereichs Life Science bei der Unternehmensberatung Ernst & Young, vor. "Das motiviert alle, auch wenn sie in der Entwicklung noch nicht so weit sind, da mit reinzugehen. Das ist eine entscheidende Wende in der ganzen Krebstherapie."

Quelle: ntv.de, Patricia Weiss, rts