Wirtschaft

Aktionärstreffen in Stuttgart Piëch bleibt im Aufsichtsrat der Porsche SE

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Aus der Deckung gewagt hat sich Piëch für seinen Auftritt bei der Hauptversammlung der Porsche SE.

(Foto: imago/Hannelore Förster)

Ex-VW-Chef Piëch wird erneut in den Aufsichtsrat der Porsche SE gewählt. Bei der Hauptversammlung zeigt er sich zum ersten Mal seit 2015 öffentlich. Da er seine Porsche-SE-Anteile jedoch verkauft hat, dürfte es sein letzter Auftritt auf der Autobühne sein.

Der frühere VW-Konzernlenker Ferdinand Piëch behält vorerst seinen letzten Posten in der Autobranche. Auf der Hauptversammlung der VW-Dachgesellschaft Porsche SE wurde der inzwischen 80-Jährige als Aufsichtsrat wiedergewählt.

Porsche SE
Porsche SE 53,30

Die Wahl war eine Formsache, weil die Eigentümerfamilien Piëch und Porsche sich schon vorher intern auf die Verlängerung des Mandats verständigt hatten. Die Familien halten die kompletten Stimmrechte, Kleinaktionäre und institutionelle Anleger sind nur über stimmrechtslose Vorzugsaktien an der Finanzholding beteiligt. Piëch sitzt seit 1981 in dem Kontrollgremium von Porsche.

Es war Piëchs erster öffentlicher Auftritt seit seinem Rücktritt als VW-Aufsichtsratschef im April 2015. Ein Grund für den Rücktritt war, dass Piëch in einem Machtkampf mit dem damaligen VW-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn keinen Rückenwind von seinen Verwandten bekommen hatte. Die Porsche SE hält die Mehrheit der Stimmrechte an VW - der Autoclan hat damit auch das Sagen beim Wolfsburger Autokonzern.

Piëchs letzter Auftritt auf der Autobühne?

Im April verkaufte Piëch sein milliardenschweres Porsche-SE-Aktienpaket großteils an seine Verwandten. Formal gesehen ist er aber noch PSE-Großaktionär, da der Verkauf noch nicht von Finanzbehörden abgesegnet wurde. Dieses Prozedere könnte sich bis Frühjahr 2018 hinziehen. Kommt das grüne Licht der Behörden, soll Piëch das Aufsichtsratsmandat niederlegen. Somit war seine Wiederwahl in dem PSE-Kontrollgremium wohl Piëchs letzter offizieller Auftritt auf der Autobühne.

Darüber hinaus standen bei der Hauptversammlung die aus Sicht der Aktionäre zu geringen Investitionen der Porsche SE im Fokus: Die VW-Dachgesellschaft tut sich trotz einer gut gefüllten Kasse weiterhin schwer, Investitionspläne zu verwirklichen. Man habe in den vergangenen Jahren 1200 Beteiligungen geprüft, sich bei der Abwägung von Chancen und Risiken aber oft gegen den Einstieg entschieden, sagte der zuständige Porsche-Vorstand Philipp von Hagen.

Eine einzige Beteiligung wurde verwirklicht - 2013 kaufte die Porsche SE (PSE) 10 Prozent der Verkehrsdaten-Firma Inrix für 41 Millionen Euro. Gelohnt hat sich das bisher nicht: Kürzlich musste die PSE den Wert dieser Beteiligung auf 21 Millionen herunterstufen. Als Nettoliquidität verfügt die PSE über rund 1,3 Milliarden Euro. Dieses Geld könnte investiert werden, es geht auf den Komplettverkauf des Autobauers Porsche AG an VW im Jahr 2012 zurück.

Kritik an Verflechtungen mit VW

Kleinaktionäre äußerten bei der Hauptversammlung Kritik daran, dass nicht längst umfassend investiert wurde. Mit Blick auf den Inrix-Anteil sagte der Kleinaktionär Christian Strenger, das sei "eine nur mikroskopisch zu sehende Beteiligung". Aus seiner Sicht rechtfertige so eine Mini-Leistung nicht, dass die Porsche SE ein eigenes, teures Ressort für Beteiligungen habe. Eher spöttisch forderte Daniel Jenderek von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz eine höhere Dividende: "Schütten Sie aus, Sie wissen ja sowieso nichts mit dem Geld anzufangen."

Zudem kritisierten Kleinaktionäre die personellen Verflechtungen zwischen der Porsche SE und der Volkswagen AG. PSE-Vorstandschef Hans Dieter Pötsch ist zugleich VW-Aufsichtsratsboss, VW-Konzernchef Matthias Müller wiederum ist PSE-Vorstandsmitglied. Aus Sicht der Kleinaktionäre ist durch solche Verflechtungen nicht gewährleistet, dass der Abgasskandal komplett aufgeklärt werden kann. "Es ist ein Dieselskandal und keine Dieselthematik, wie Sie es nennen", sagte Jenderek mit Blick auf die PSE-Führungsriege auf dem Podium der Stuttgarter Porsche-Arena. Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück.

Quelle: ntv.de, kst/dpa