Wirtschaft

Insolvenz trifft größere Firmen Pleiten bedrohen immer mehr Arbeitsplätze

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Die Restaurantkette Vapiano musste in der Corona-Krise bereits Anfang April ihre Segel streichen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Anfangs gehen in der Corona-Krise nur kleinere Betriebe pleite. Nun scheint es immer öfter größere Unternehmen zu treffen - und mit ihnen auch mehr Arbeitsplätze. Das Ausmaß der Pleitewelle werde allerdings erst in den kommenden Monaten sichtbar, sagen Experten.

Immer mehr Beschäftigte in Deutschland sind von Firmenpleiten betroffen. Im Mai wurden 1019 Personen- und Kapitalgesellschaften als insolvent gemeldet, wie aus dem Insolvenztrend des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hervorgeht. Das waren zwar nur 70 mehr als im April und 53 mehr als im Vorjahresmonat. Erstmals sind aber deutlich mehr große Firmen und somit mehr Arbeitskräfte betroffen.

Laut der IWH-Analyse beschäftigen die fünf größten Unternehmen, deren Insolvenz im Mai gemeldet wurde, insgesamt mehr als 10.000 Mitarbeiter. In den Vormonaten gab es hingegen kaum eine Insolvenz, von der 1000 oder mehr Arbeitskräfte berührt waren.

"Wir haben schon in der Finanzkrise 2008/2009 beobachtet, dass deutlich größere Unternehmen Insolvenz anmelden als in normalen Zeiten", sagte IWH-Insolvenzforscher Steffen Müller. "Somit dürfte sich auch in der Corona-Krise das Insolvenzgeschehen selbst bei relativ konstanter Zahl von Firmenpleiten immer stärker auf den Arbeitsmarkt auswirken." Jenseits von Wirtschaftskrisen schafften es angeschlagene Großunternehmen besser als kleine Firmen, Insolvenzen durch rechtzeitige Sanierungsmaßnahmen zu vermeiden, sagte Müller. In der akuten Krise fehle dazu jedoch oft die Zeit.

Obwohl wegen Corona schon jetzt viele Firmen aufgäben, sei das Ausmaß der Pleitewelle erst in den nächsten Monaten sichtbar. Das liege zum einen daran, dass der Gesetzgeber die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen unter bestimmten Umständen vorerst bis zum 30. September ausgesetzt hat.

Zum anderen vergehe Zeit zwischen der Insolvenzantragsstellung und der Bekanntmachung der Eröffnungsentscheidung durch die Gerichte. Deshalb betreffen die Insolvenzbekanntmachungen im Mai einige Unternehmen, die ihre Zahlungsunfähigkeit schon im Februar oder März angezeigt hatten. Für seine Analysen wertet das IWH die aktuellen Insolvenzbekanntmachungen der deutschen Registergerichte aus und verknüpft sie mit Bilanzkennzahlen betroffener Unternehmen.

Quelle: ntv.de, lwe/DJ