Wirtschaft

Lockdown wie zweites Weihnachten Post schwingt sich zum Corona-Gewinner auf

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Im Frühjahr bewältigte die Post Sendungsmengen wie sonst nur zum Jahresende.

(Foto: imago images/Frank Sorge)

Im Frühjahr fährt sich Deutschland im Kampf gegen die Pandemie herunter. Doch für die Post beginnt eine arbeitsreiche Zeit. Denn die Verbraucher bestellen ihre Waren nun noch mehr online. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern nun mit einem deutlich besseren Ergebnis.

Die Deutsche Post profitiert vom Paket-Boom in der Corona-Krise und könnte im Pandemie-Jahr sogar mehr verdienen als im Vorjahr. Der Bonner Konzern hob nach einem Gewinnsprung im dritten Quartal sein Gewinnziel an. Post-Chef Frank Appel setzt nach Angaben dazu auch auf ein florierendes Weihnachtsgeschäft. Für das Gesamtjahr erwartet er nun ein operatives Ergebnis (Ebit) zwischen 4,1 Milliarden und 4,4 Milliarden Euro. Zuvor hatte das Unternehmen noch mit 3,5 Milliarden bis 3,8 Milliarden Euro gerechnet. 2019 hatte die Post operativ knapp 4,13 Milliarden Euro verdient. Bei Anlegern kamen die Nachrichten gut an. Post-Aktien stiegen um bis zu 3,6 Prozent auf 41,08 Euro und damit auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren.

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"Unser Geschäft hat sich im dritten Quartal sehr gut entwickelt", bilanzierte Appel. Vor allem das Paket-Geschäft in Deutschland und das internationale Express-Geschäft legten zu. Insgesamt kletterte das Ebit im Quartal nach vorläufigen Zahlen auf rund 1,37 Milliarden Euro - fast 400 Millionen Euro mehr als vor Jahresfrist.

Sendungsmengen wie sonst nur an Weihnachten

Vor allem Expressdienste mit zeitgenauer Zustellung waren gefragt - deren Geschäftsbereich verbuchte ein Betriebsergebnis von 750 Millionen Euro und damit rund 300 Millionen Euro mehr als vor einem Jahr. Lieferkettendienste (Supply Chain) schwächelten hingegen. Das klassische Postgeschäft im Bereich Post & Paket Deutschland wuchs beim Betriebsergebnis nur relativ schwach um 16 Millionen Euro auf 320 Millionen Euro. Dies lag aber vor allem an Einmalzahlungen an die Beschäftigten - in der Corona-Krise hatten die Beschäftigten einen Bonus von je 300 Euro bekommen, hinzu kam noch eine Einmalzahlung in den unlängst für Deutschland abgeschlossenen Tarifverhandlungen. Durch diese Zahlungen minderte sich das Betriebsergebnis im deutschen Post- und Paket-Geschäft um 95 Millionen Euro. Im Gesamtjahr drücken zudem einmalige Belastungen infolge des Ausstiegs aus der Produktion des Elektro-Transporters StreetScooter auf die Bilanz.

Die Post profitiert vom in der Pandemie boomenden Online-Handel. Der Einzelhandel litt im Frühjahr etwa unter den Auflagen der Behörden zur Eindämmung der Pandemie, immer mehr Verbraucher orderten ihre Waren im Internet. Die Post liefert diese dann aus. Die Bonner verzeichneten im Frühling Sendungsmengen wie sonst nur an Weihnachten.

Doch auch im September lagen die Sendungsmengen dem Dax-Konzern zufolge auf einem hohen Niveau. "Wir konzentrieren uns jetzt voll und ganz auf die Vorbereitungen für ein außergewöhnlich starkes Weihnachtsgeschäft", kündigte Appel an. Aktuell sucht der Konzern rund 10.000 neue Arbeitskräfte in Deutschland, um für die Brief- und Paketflut in der Vorweihnachtszeit gewappnet zu sein. Die Post beschäftigt weltweit rund 550.000 Mitarbeiter.

Auch Konkurrenten der Post profitieren vom boomenden Online-Handel. So hatte der US-Wettbewerber FedEx im abgelaufenen Quartal mehr verdient. Einen Ausblick für das Ergebnis des laufenden Geschäftsjahrs scheute der US-Konzern aber - anders als die Post. Die Bonner wollen nun auch einen möglichen Corona-Impfstoff verteilen. Der Konzern verfüge über Lager-Kapazitäten und könne Impfstoffe unter Einhaltung der Kühlkette in alle Gegenden der Welt liefern, hatte Finanzchefin Melanie Kreis gesagt.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/dpa