Wirtschaft

Inflation bei 0,9 Prozent Preise für Obst und Fleisch gestiegen

131113827.jpg

Das Obst kostete im Juni 11,1 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.

(Foto: picture alliance/dpa)

Das Leben in Deutschland ist im Juni teurer geworden. Vor allem für Nahrungsmittel müssen Verbraucher mehr zahlen. Nach der Lockerung der Corona-Maßnahmen ziehen auch die Preise für Dienstleistungen wie Friseurbesuche an. Doch die Europäische Zentralbank warnt vor einer Deflation.

Die Inflation in Deutschland hat im Juni im Zuge der Lockerung der Corona-Eindämmungsmaßnahmen leicht zugelegt. Die Verbraucherpreise stiegen um 0,9 Prozent zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Die Wiesbadener Behörde bestätigte damit vorläufige Daten.

Im Mai hatte die Rate mit 0,6 Prozent den tiefsten Stand seit fast vier Jahren erreicht - vor allem wegen eines massiven Rückgangs der Energiepreise in der Corona-Krise. Von Mai auf Juni 2020 erhöhte sich das Preisniveau insgesamt um 0,6 Prozent. Überdurchschnittlich teurer wurden Nahrungsmittel, für die Verbraucher 4,4 Prozent mehr zahlen mussten als ein Jahr zuvor. Tiefer in die Tasche greifen mussten sie vor allem für Obst (plus 11,1 Prozent) sowie Fleisch- und Fleischwaren (plus 8,2 Prozent).

Nach den Lockerungen der Corona-Maßnahmen konnten Verbraucher wieder vermehrt Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Auch diese verteuerten sich überdurchschnittlich um 1,4 Prozent. Dabei wirkte sich insbesondere die Erhöhung bei den Nettokaltmieten (plus 1,4 Prozent) aus. Beim Friseur und für die Körperpflege (plus 5,1 Prozent) sowie beim Besuch in Restaurants, Cafés und im Straßenverkauf (plus 2,6 Prozent) mussten sie höhere Preise berappen. Ein Grund dürfte hier jeweils die Umsetzung der Hygieneauflagen nach der Wiedereröffnung in Zeiten der Corona-Pandemie sein, erläuterten die Statistiker.

Die Preisrückgänge bei Energie schwächten sich ab. Dennoch waren Heizöl (minus 26,5 Prozent) und Kraftstoffe (minus 15,1 Prozent) deutlich billiger als im Juni 2019. Strom verteuerte sich hingegen um 4,1 Prozent. Ohne Berücksichtigung der Preise für Energie hätte die Inflationsrate bei 1,6 Prozent gelegen.

Nach Einschätzung von Ökonomen könnte sich die Rate in den nächsten Monaten wieder mehr der Nullmarke annähern, sollte die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer seit Anfang Juli vollständig an die Konsumenten weitergegeben werden. Hinzu kommen die dramatischen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise.

"Die Gefahr einer Deflation ist wieder aufgetreten"

Olli Rehn, Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), warnte unlängst deswegen vor sinkenden Preisen in der Eurozone. "Die Gefahr einer Deflation ist wieder aufgetreten", sagte Rehn in einem Interview mit dem "Handelsblatt". Vor allem fehle die Nachfrage, was tendenziell die Preise drücke, sagte der Präsident der finnischen Notenbank.

Sinkende Verbraucherpreise sind gefährlich für die konjunkturelle Entwicklung. Sie können eine Abwärtsspirale auslösen, wenn Verbraucher auf weiter fallende Preise spekulieren und Kaufentscheidungen immer weiter nach hinten schieben. Die EZB rechnet in diesem Jahr mit einer schweren Rezession und einer Teuerung von gerade einmal 0,3 Prozent im Währungsraum.

Im Juni stiegen die Verbraucherpreise in der Eurozone gegenüber dem Vorjahresmonat lediglich um 0,3 Prozent. Die Inflationsrate ist ein wichtiger Gradmesser für die Geldpolitik der EZB. Die Notenbank strebt für den Euroraum mit seinen 19 Ländern mittelfristig eine Jahresteuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an - weit genug entfernt von der Nullmarke. Diese Rate hat die Notenbank seit langem nicht mehr nachhaltig erreicht, was neben der Corona-Pandemie ein Grund für ihre extrem lockere Geldpolitik ist. In Deutschland lag der für die EZB-Geldpolitik maßgebliche harmonisierte Verbraucherpreisindex HVPI im Juni um 0,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats.

Quelle: ntv.de, chf/dpa/rts