Wirtschaft

Bangladesch fürchtet Unruhen Primark & Co. stoppen Milliardenaufträge

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Bangladeschs Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren Fortschritte gemacht. Die Arbeitsbedingungen in einigen Textilfabriken haben sich verbessert.

(Foto: picture alliance / Nick Kaiser/d)

Die Wirtschaft vieler Entwicklungsländer ist abhängig vom Export von Konsumartikeln in die Industriestaaten. Da viele Geschäfte in Europa geschlossen sind, fürchtet unter anderem Bangladesch, in eine Krise zu stürzen. Die Textilproduzenten richten einen dringlichen Appell auch an Deutschland.

Vor wenigen Wochen noch sorgten sich die großen Bekleidungsmarken in Europa und Nordamerika, welche Verluste ihnen drohten, wenn die Lieferungen aus den Fabriken in Asien aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus ausbleiben würden. Nun, während sich die Lage vor allem in China normalisiert und im Westen die Wirtschaft und vor allem der Einzelhandel zum Erliegen kommt, kehrt sich auch das Problem mit den Lieferketten ins Gegenteil um. Bangladesch, der zweitgrößte Bekleidungsexporteuer der Welt, schlägt jetzt Alarm, weil Modeketten Milliardenaufträge für Hersteller in dem Entwicklungsland stornieren.

Kunden hätten bereits Bestellungen bei rund 1000 Fabriken im Land ausgesetzt oder storniert, sagte die Chefin der Vereinigung der Textilproduzenten von Bangladesch, Rubana Huq, der DPA. Sie bezifferte den Ausfall auf bislang rund 1,5 Milliarden Dollar (1,4 Milliarden Euro).

Zu den Unternehmen, die Aufträge an Lieferanten in großem Umfang stornieren, gehört laut der britischen Zeitung "The Sunday Times" der irische Modediscounter Primark. Die Kette verkauft extrem günstige Textilien in mehr als 350 Läden in Europa und den USA. Da diese Geschäfte nun zum Großteil geschlossen sind und Primark seine Waren nicht online vertreibt, steht der Verkauf praktisch still. In Deutschland sind Modegeschäfte in den meisten Bundesländern seit einer Woche geschlossen. In vielen europäischen Ländern und auch einigen US-Bundesstaaten ist die Situation ähnlich. Daher berufen sich Unternehmen wie Primark auf Höhere Gewalt, was in vielen Lieferverträgen eine kostenlose Stornierung aller Bestellungen möglich macht.

Bangladesch, das in den vergangenen Jahren große wirtschaftliche Fortschritte gemacht hat, könnte durch den Einbruch des Textilexports in eine tiefe Krise stürzen, warnt Verbandschefin Huq in Briefen an westliche Regierungen. Vier Millionen Menschen in Banglandesch sind direkt in Textilfabriken beschäftigt. Ihre Produkte machen mehr als dreiviertel der Exporte des Landes aus. Verlören die Textilarbeiter ihre Jobs, könnte das zu sozialen Unruhen führen. "Ich bin mir sicher, dass keine deutsche Marke möchte, dass das ihretwegen passiert", heißt es in einem Brief, den der deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller erhielt.

Huq bat Müller, deutsche Firmen dazu aufzurufen, ihre Bestellungen aus Bangladesch nicht zu stornieren. "Während Geschäftsleute in Deutschland angesichts ihrer Verluste Unterstützung von der Regierung erhalten, haben wir hier existenzielle Probleme und müssen unsere Arbeiter bezahlen." Huq sagte, dass ihre Vereinigung auch Ministern anderer Länder ähnliche Briefe schreiben werde.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa