Wirtschaft

Ende des Steinkohle-Bergbaus RAG-Stiftung verkauft Evonik-Anteile

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Ein Stück deutscher Industriegeschichte: In Ibbenbüren wird seit August keine Kohle mehr gefördert.

(Foto: picture alliance / Bernd Thissen)

Eine Verkaufsaktion bei Evonik löst an der Börse Aufsehen aus: Die RAG-Stiftung braucht Geld für Folgekosten des Bergbaus. Der Großaktionär des Essener Chemiekonzerns wirft auf einen Schlag mehrere Millionen Aktien auf den Markt.

Fünf Jahre nach dem Börsengang von Evonik hat der Mehrheitsaktionär, die RAG-Stiftung, zum ersten Mal ein größeres Aktienpaket des Essener Chemiekonzerns verkauft. Die Stiftung veräußerte 16,3 Millionen Evonik-Aktien für rund 500 Millionen Euro an institutionelle Investoren, wie es in einer Mitteilung hieß.

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Die Papiere seien zu einem Preis von 30,65 Euro und somit mit einem Abschlag von 4,9 Prozent auf den Schlusskurs des Vorabends platziert worden. Damit verringerte die RAG-Stiftung ihren Evonik-Anteil von 68 Prozent auf 64,3 Prozent. Zusammen mit den Erlösen aus einer zeitgleich ausgegebenen Wandelanleihe kommt die RAG-Stiftung auf einen Gesamtmittelzufluss von rund einer Milliarde Euro.

Im Aktienhandel löste schon die Ankündigung der Transaktion Bewegung aus: Im nachbörslichen Geschäft geriet die im Nebenwerteindex MDax notierte Evonik-Aktie unter Druck. Bernd Tönjes, Vorstandsvorsitzender der RAG-Stiftung, betonte, dass die Stiftung langfristig bei Evonik engagiert bleiben wird: "Evonik bleibt eine tragende Säule der RAG-Stiftung." Die Stiftung unterstütze die Strategie des Evonik-Vorstands, die auf nachhaltiges und profitables Wachstum verbunden mit einer attraktiven Dividendenpolitik abziele.

Zugleich positioniert sich die RAG-Stiftung für einen weiteren Abbau ihrer Beteiligung, die früheren Angaben zufolge in mehreren Schritten bis auf 25,1 Prozent abschmelzen soll. Die parallel zu der Aktienplatzierung ausgegebene Wandelanleihe läuft über sechs Jahre und kann in Evonik-Aktien umgetauscht werden.

Ende des Kohlebergbaus naht

Die Wandelanleihe sei aufgrund der starken Nachfrage vom ursprünglich geplanten Volumen von 400 Millionen auf 500 Millionen Euro aufgestockt worden, teilte die Stiftung mit. Dem Papier gingen zuvor bereits drei derartige Wandelanleihen im Volumen von zusammen 1,6 Milliarden Euro voraus. Mit den vier Anleihen könnte die RAG-Stiftung ihren Evonik-Anteil zum aktuellen Kurs um weitere 13 Prozentpunkte reduzieren.

Die RAG-Stiftung braucht Geld, weil sie von 2019 an für die Folgekosten des auslaufenden deutschen Steinkohle-Bergbaus aufkommen soll. Die verbliebenen Steinkohlezechen sind unter ihrem Dach gebündelt. Um die Finanzierung zu sichern, investiert die RAG-Stiftung in verschiedene Unternehmen und Branchen. Der zweite Evonik-Großaktionär, der Finanzinvestor CVC, hatte sich bereits vor zweieinhalb Jahren über mehrere Übernacht-Platzierungen mit Gewinn aus der Aktie verabschiedet.

Das Ende der Steinkohleförderung in Deutschland rückt unterdessen immer näher. Auf der Zeche Ibbenbüren in Nordrhein-Westfalen wird seit Mitte August keine Kohle mehr abgebaut, wie ein Sprecher des Bergbaukonzerns RAG erklärte. Damit fördert derzeit nur noch die Zeche Prosper-Haniel in Bottrop. Auch dort soll der Abbau bis zum Jahresende eingestellt werden.

Emotionaler Abschied von der Kohle

Auch wenn keine Kohle mehr gefördert wird, steht in den betroffenen Zechen noch Arbeit an: In Ibbenbüren sind aktuell noch etwa 800 Mitarbeiter beschäftigt. Am Jahresende werden es noch rund 600 sein. Sie sollen in den kommenden Monaten die Stilllegung der Zeche vorbereiten. Die offizielle Abschlussveranstaltung zum Ende des Steinkohlenbergbaus ist für den 21. Dezember in Bottrop geplant.

Gefördert wurde in Ibbenbüren sogenannte Anthrazitkohle, die sich durch einen hohen Energiegehalt auszeichnet. Im zurückliegenden Produktionsjahr wurde in dem einst "nördlichsten Steinkohlebergwerk Deutschlands", das in den 1950er Jahren Arbeitsplatz für rund 12.000 Beschäftigte war, eine Million Tonnen Kohle abgebaut. Die letzte Förderschicht in Ibbenbüren war bereits am 17. August. Wegen der "Emotionalität dieses Ereignisses" habe man sich entschieden, dies ohne großes Aufheben zu begehen, teilte die RAG mit.

Quelle: n-tv.de, mmo/rts

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