Wirtschaft

"Ich kann nicht atmen" Rassismus erschüttert Wall-Street-Banker

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Top-Banker von nahezu jeder US-Investmentbank beziehen Stellung.

(Foto: AP)

Der Finanzchef der Citigroup nimmt den Tod eines unbewaffneten US-Amerikaners bei einer Festnahme persönlich. Auch er sei als Schwarzer im Alltag Rassismus ausgesetzt. Andere Top-Manager an der Wall-Street springen ihm zur Seite.

Der Tod von George Floyd in den USA wühlt die Wall Street auf. Der unbewaffnete Schwarze war während einer brutalen Festnahme durch weiße Polizisten in Minneapolis gestorben. Für viele Amerikaner ist der Tod des Mannes ein Ergebnis des alltäglichen Rassismus in ihrem Land - und auch die Führung einiger der größten US-Banken prangert dieses offenbar tief verwurzelte Problem an.

"Ich kann nicht atmen", beginnt der Finanzchef der Citigroup, Mark Mason, einen Post im Blog des Unternehmens. Insgesamt zehnmal schreibt der schwarze Manager diesen Satz zu Anfang - es sind die letzten Worte von Floyd, die er ebenfalls zehnmal hervorstieß, als ein Polizist auf seinem Hals kniete.

"Wie viele von Euch habe ich das Video [der Festnahme] mit einer Mischung aus Entsetzen, Abscheu und Wut gesehen", schreibt Mason. "Und ich habe gesehen, wie die Wut auf die Straßen von Minneapolis und viele andere Städte in den USA übergriff - mit erschütternden Konsequenzen." Selbst als Finanzchef einer globalen Bank sei er wie andere schwarze US-Amerikaner im Alltag Gefahren ausgesetzt.

"Trotz der Fortschritte in den USA werden Schwarzen zu oft grundlegende Rechte abgesprochen, die andere für selbstverständlich ansehen", so Mason. "Ich rede nicht von Wohlstand, Bildung oder Karrierechancen. Ich rede von (…) Würde und Respekt. Ich rede von etwas Banalem wie Joggen." Im Februar war ein Schwarzer nahe der Stadt Brunswick erschossen worden, als er joggte. Der weiße Schütze gab an, er habe den Mann für einen Einbrecher gehalten.

Frau nach Rassismus-Vorwurf gefeuert

Neben Mason trat auch die Chefin des Privatkundengeschäfts von JP Morgan Chase, Thasunda Brown Duckett, hervor. "Es ist 2020. Genug ist genug. Wir können nicht mehr schweigen", schrieb sie im Netzwerk Linkedin. "Ja, es tut weh. Und meine Tränen sind Realität." Die Managerin ist eine der wenigen schwarzen Frauen, die eine Spitzenposition in der US-Finanzindustrie hat. Weiße und schwarze Top-Banker von nahezu jeder US-Investmentbank bezogen Stellung - etwa von Wells Fargo, Bank of America und Goldman Sachs. In einem Memo an alle Mitarbeiter schrieb Citigroup-Chef Mike Corbat, dass viele Angestellte Rassismus im Alltag ausgesetzt seien.

Der Tod von Floyd fiel der Finanznachrichtenagentur Bloomberg zufolge mit einem weiteren Fall von Rassismus zusammen. Eine weiße Angestellte der Investmentgesellschaft Franklin Templeton wurde demnach in einem Video aufgenommen, als sie im New Yorker Central Park die Polizei rief. "Hier ist ein Afro-Amerikaner, er filmt mich und bedroht mich und meinen Hund", so die Frau. Der Mann hatte sie aufgefordert, ihren Spaniel in einem Gebiet anzuleinen, in dem Hunde nicht frei herumlaufen dürfen. Franklin Templeton feuerte die Frau.

Quelle: ntv.de