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Verdächtiger filmte die Tat Dritte Festnahme im Fall Arbery

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Anwalt Lee Merritt kämpft für die Rechte der Familie Arbery. Ahmaud Arbery zu Ehren hat der Künstler Teo Pnchaveli ihn an dieser Wand in Dallas verewigt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im Februar wird Ahmaud Arbery beim Joggen erschossen. Zwei Tatverdächtige werden erst festgenommen, als ein verstörendes Handy-Video von der Tat veröffentlicht wird. Nun wird dem Urheber selbst vorsätzlicher Mord zur Last gelegt.

Im Fall Ahmaud Arbery hat es eine weitere Festnahme gegeben. Dem 50-jährigen William Bryan - einem Weißen - werde unter anderem vorsätzlicher Mord zur Last gelegt, wie das Kriminalamt in Georgia (GBI) mitteilte. Nach Angaben des Anwalts der Familie Arbery, Lee Merritt, filmte William Bryan den Angriff aus seinem Auto. Das GBI bestätigte dies auf Anfrage. Der 25-jährige Afroamerikaner Arbery war am 23. Februar nahe der Stadt Brunswick erschossen worden.

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Das Bild stammt aus Bryans Video.

(Foto: picture alliance/dpa)

Es dauerte mehr als zwei Monate, bis es die ersten beiden Festnahmen wegen des Mordes an Arbery gab. Die Ermittlungen kamen erst richtig in Gang, als der Fall durch das verstörende Handy-Video von Bryan breite Aufmerksamkeit erlangte.

Das Video zeigt Arbery offenbar beim Joggen. Als er um einen auf der Straße stehenden Kleintransporter laufen will, kommt es zu einer Auseinandersetzung mit Travis McMichael, der ein Gewehr in der Hand hält. Dann fallen mehrere Schüsse und Arbery fällt zu Boden. "Travis McMichael hat geschossen und Arbery getötet", erklärten die Ermittlungsbehörden in der vergangenen Woche.

Festnahme lange verzögert

Erst Anfang Mai waren der 64 Jahre alte Gregory McMichael und sein 34 Jahre alter Sohn Travis festgenommen worden, nachdem der erste mit dem Fall befasste Staatsanwalt eine Festnahme nicht für nötig gehalten hatte. Ihnen wird schwere Körperverletzung und Mord zur Last gelegt. Den Ermittlern zufolge hatten die Tatverdächtigen Arbery mit zwei Schusswaffen konfrontiert, als dieser in dem Viertel unterwegs war.

In einem von US-Medien veröffentlichten Schreiben begründete Staatsanwalt George Barnhill, warum er zunächst keine Festnahme veranlasste: Ihm zufolge hätten die beiden Männer einen "Verdächtigen" stoppen und bis zum Eintreffen der Polizei festhalten wollen. Dies sei in Georgia "absolut legal". Auch das offene Tragen von Waffen sei legal. Gregory McMichael hatte der Polizei zufolge angegeben, Arbery für einen Einbrecher gehalten zu haben. Er habe deswegen zu seinem Revolver gegriffen und zusammen mit seinem Sohn die Verfolgung aufgenommen. Arbery habe seinen mit einem Gewehr bewaffneten Sohn dann aber "gewaltsam angegriffen".

Bryan prahlte noch mit dem Video

Auch der nun dritte Festgenommene soll eine Waffe bei sich getragen haben. Anwalt Merritt wirft Bryan vor, er habe beim Filmen seine Waffe entsichert. In dem 14-Sekunden-Clip ist in der Tat ein entsprechendes Geräusch zu hören. In einem Statement teilte Merritt mit: "Seine Beteiligung am Mord von Ahmaud Arbery war offensichtlich für uns und viele im ganzen Land. Nach der Untersuchung war sie dann auch für das GBI eindeutig."

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Laut "New York Times" wurde Bryan schon im ersten Polizeibericht erwähnt, schon da bereits als Teilnehmer der Verfolgung Arberys. Erst später stellte er das Video online - und betonte sogar in einem Fernsehinterview in der vergangenen Woche, wie wichtig das Video für die Aufklärung des Falls sei.

Da alle drei Tatverdächtigen weiß sind, wurden die tödlichen Schüsse von vielen als Beweis für den tief verwurzelten Rassismus in Teilen der US-Gesellschaft gewertet. Sie erinnern zudem an die Tötung des unbewaffneten schwarzen Teenagers Trayvon Martin 2012 in Florida durch einen Nachbarschaftswächter, der letztlich wegen angeblicher Notwehr freigesprochen wurde.

Quelle: ntv.de, ara/dpa/AFP