Wirtschaft

Tourismusminister im Interview "Reisehinweise für die Türkei nicht fair"

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Im vergangenen Jahr reisten mehr als 32 Millionen Touristen in die Türkei.

imago/Steffen Schellhorn

Die Türkei verzeichnet wieder steigende Urlauberzahlen. Die Aussichten für den kommenden Sommer stimmen Hoteliers, Gastronomen und die türkische Regierung optimistisch - vor allem, weil zahlreiche deutsche Urlauber in die Türkei zurückkehren. Doch das Verhältnis zwischen Ankara und Berlin ist immer noch angespannt. n-tv.de sprach mit Tourismusminister Numan Kurtulmus über das deutsch-türkische Verhältnis.

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Numan Kulturmus, Tourismusminister der Türkei, auf der Reisemesse ITB.

(Foto: imago/snapshot)

n-tv.de: Die Touristen kommen verstärkt zurück in die Türkei. Wir wirkt sich das auf die türkische Wirtschaft aus?

Numan Kurtulmus: Der Tourismussektor ist sehr wichtig für die türkische Wirtschaft. Letztes Jahr hatten wir rund 32,4 Millionen Touristen im Land und auch einen hohen Umsatz. Das ist sehr gut. Wir haben gute Indikatoren von Touren- und Reiseveranstaltern sowie sehr großen Touristikunternehmen, dass es weiter gut bleibt. Wir erwarten dieses Jahr deshalb rund 38 Millionen Gäste in der Türkei.

Wie würden Sie die derzeitige Lage des Tourismus beschreiben - beispielsweise in Istanbul?

Wir haben sehr viele spannenden Urlaubsziele mit verschiedenen Facetten. Natürlich auch Istanbul mit seinen historischen Highlights. Ich denke, dass auch die Deutschen langfristig wieder nach Istanbul zurückkehren werden.

In den vergangenen zwei Jahren gab es große politische Spannungen zwischen der Türkei und Deutschland. Wie beurteilen Sie das deutsch-türkische Verhältnis?

Wir haben derzeit ein gutes Momentum für eine Verbesserung der diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Wir sehen auf beiden Seiten Intentionen für eine Entspannung. Die Bundestagswahlen in Deutschland sind vorüber, aufgrund des Drucks der rechten Parteien gab es ja eine Anti-Türkei-Basis während der Wahlen. Das ist aber nun vorbei. Wir hoffen, dass die deutsche Regierung bald gebildet wird und sich dann auch die bilateralen Beziehungen weiter verbessern. Wir haben eine lange gemeinsame Geschichte und wir haben 3,5 Millionen Menschen türkischer Herkunft in Deutschland. Deutschland ist der größte wirtschaftliche Partner der Türkei, fast die Hälfte der türkischen Exporte geht nach Deutschland. Wir haben so viele gemeinsame Interessen, und daran müssen wir arbeiten.

Sie betonen die starken Verbindungen beider Länder, allerdings gab es in den vergangenen Jahren viele harte Statements von Präsident Erdogan gegen Deutschland und auch Verhaftungen von Deniz Yücel sowie Peter Steudtner. Können Sie nachvollziehen, wenn manche Deutsche aus politischen Überzeugungen keinen Urlaub in der Türkei machen wollen?

Wir schauen nicht mehr zurück in die Vergangenheit, wir blicken in Richtung Zukunft. Die Reisehinweise und -warnungen des Auswärtigen Amts sind nicht fair. Wir hoffen, dass diese Warnungen bald aufgehoben werden. Und es ist de facto so: Trotz dieser Warnungen und Hinweise kamen rund 3,5 Millionen Deutsche in die Türkei. Die Sprache von Politik unterscheidet sich von der Sprache des Tourismus. Wir können den Tourismus und die Kultur als "Soft Power" nutzen, um unsere Beziehungen zu verbessern.

Mit Numan Kurtulmus sprach Sonja Gurris

Quelle: n-tv.de

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