Wirtschaft

Übernahme im Recycling-Geschäft Remondis kauft den Grünen Punkt

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Verpackungen mit dem "Grünen Punkt" kommen meist in Gelbe Säcke und werden dann vom Entsorger abgeholt.

(Foto: dpa)

Der "Grüne Punkt" ist weltbekannt und sorgte dafür, dass Deutschland als vorbildlich in der Mülltrennung gilt. Das dahinter stehende Unternehmen DSD wird nun vom Branchenriesen Remondis geschluckt. Kritiker befürchten steigende Preise.

Deutschlands größtes Entsorgungsunternehmen Remondis kauft die Grüne-Punkt-Gruppe Duales System Deutschland (DSD). Der Kaufvertrag sei unterzeichnet worden, teilten beide Unternehmen mit. Die Übernahme muss noch von den Aufsichtsbehörden genehmigt werden. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, zuletzt kursierten Schätzung von 140 bis 150 Millionen Euro.

Remondis mit Sitz im westfälischen Lünen ist nach eigenen Angaben einer der weltweit größten Dienstleister für Recycling, Service und Wasser mit einem Umsatz von 6,1 Milliarden Euro im Jahr 2016. Das DSD war nach Inkrafttreten der Verpackungsverordnung von 1991 gegründet worden. Seitdem sind Handel und Unternehmen verpflichtet, Verpackungsmüll zurückzunehmen. Das erledigt das DSD für sie und erhält dafür Lizenzgebühren zur Nutzung des Grünen Punktes. Es ist mittlerweile nur noch eins von neun dualen Systemen, aber das größte.

Die beiden Unternehmen erklärten, sie reagierten mit dem Kauf auf die "Wachstumschancen, die sich insbesondere im Bereich Verpackungsdesign und Kunststoffrecycling ergeben". Gemeinsam wollten Remondis und DSD das Recycling für alle Stoffströme optimieren.

Die Nachfrage nach Recycling-Kunststoffen werde steigen, erklärte Remondis-Chef Herwart Wilms. Zugleich sortiere sich der Markt neu. So habe der Lidl-Mutterkonzern, die Schwarz-Gruppe, kürzlich das fünftgrößte deutsche Recyclingunternehmen Tönsmeier übernommen und plane über die Tochter Greencycle den Aufbau eines eigenen dualen Systems.

Verband befürchtet steigende Preise

Der Chef des DSD, Michael Wiener, betonte, Name und Marke "Der Grüne Punkt" blieben bestehen. Weder seien Einschnitte bei Mitarbeitern noch die Verlegung des Firmensitzes geplant.

Der Verband der kommunalen Unternehmen (VKU) hatte sich sehr besorgt über den sich abzeichnenden Aufkauf gezeigt. Die Folge der Übernahme könnten demnach höhere Preise sein - am Ende auch für die Verbraucher. In einigen Regionen ist Remondis demnach bereits der einzige Anbieter bei der Sammlung und Sortierung von Verpackungsabfällen, und Monopolisten könnten Preise vorgeben oder diktieren. Der VKU forderte eine "gründliche und äußerst kritische" Prüfung des Kaufs durch das Bundeskartellamt.

Remondis und DSD betonten, die Marktdominanz des DSD habe sich "deutlich relativiert". Es stehe mittlerweile im Wettbewerb mit acht anderen dualen Systemen. Der Gewinn liege "deutlich unter dem Niveau mittelständischer Betriebe der Branche und mittelgroßer Kommunalbetriebe wie etwa denen der Stadt Dortmund".

Laut VKU teilen sich kommunale und private Firmen die Entsorgung von Restmüll in Deutschland etwa zu gleichen Teilen auf. Bei der Sammlung von Verpackungsmüll haben kommunale Betriebe dagegen nur einen Anteil von geschätzt aktuell 15 Prozent - die Sortierung dieses Mülls übernehmen fast ausschließlich private Unternehmen.

Quelle: n-tv.de, mli/AFP

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