Anweisung an UnternehmenRussland will Gas-Lieferungen nach Asien umlenken

Die infolge des Iran-Kriegs gestiegenen Preise für Erdgas möchte Russlands Machthaber Putin für sich nutzen. Er will neue Absatzmärkte erobern - und EU-Sanktionen zuvorkommen. Ein Teil der Lieferungen soll laut Kreml schon in Kürze nach Asien gehen.
Russische Unternehmen werden nach Angaben der Regierung in Moskau in Kürze einen Teil ihrer Flüssiggaslieferungen von Europa nach Asien umleiten. Die Unternehmen wollten nicht auf weitere Sanktionen aus Brüssel warten und orientierten sich nach Osten um, sagte der für Energiefragen zuständige Vizeregierungschef Alexander Nowak. Als mögliche Partner für langfristige Verträge nannte er Indien, Thailand, die Philippinen und China.
Wegen des Iran-Krieges sind die Gaspreise zuletzt deutlich gestiegen. Da der Schiffsverkehr im Persischen Golf durch den Krieg eingeschränkt und auch die Zukunft der Öl- und Gasförderung in dieser Region derzeit ungewiss ist, reagierten die Weltmärkte mit heftigen Preisausschlägen auf die Rohstoffe.
Vor diesem Hintergrund hatte Kremlchef Wladimir Putin bereits am Donnerstag in einem Interview mit dem Staatsfernsehen angedeutet, die Wende gen Osten zu erwägen. Es öffneten sich nun neue Märkte. Daher sei es vielleicht besser, sofort die Lieferungen nach Europa einzustellen, sagte der russische Staatschef.
Auf diese Anweisung Putins habe die Regierung nun im Gespräch mit den Unternehmen beschlossen, dass "ein Teil des Umfangs von Flüssiggas, der heute nach Europa und auf die europäischen Märkte geht, auf andere Märkte umorientiert wird, wo es jetzt Bedarf gibt und konstruktive, pragmatisch Beziehungen mit uns aufgebaut werden", sagte Nowak.
Gas-Lieferungen an EU sollen 2027 enden
Die Beziehungen zwischen Russland und der EU sind wegen des von Putin seit 2022 geführten Kriegs in der Ukraine stark belastet. Die EU hat Sanktionen gegen Russland verhängt, die der Kreml als "Wirtschaftskrieg" bezeichnet hat. Gaslieferungen sind stark zurückgegangen - allerdings hat Europa im vergangenen Jahr immer noch Flüssigerdgas im Wert von 7,4 Milliarden Euro aus Russland importiert. Ab November 2027 will die EU russische Gaseinfuhren völlig verbieten.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sprach sich derweil dafür aus, die Erdgasförderung in Deutschland voranzutreiben. Der aktuelle Konflikt im Nahen Osten belege die Notwendigkeit dafür, sagte der CSU-Vorsitzende dem "Münchner Merkur". "Wir müssen in Deutschland endlich selbst mehr eigene Energie produzieren. Nur so werden wir bei der Energieversorgung unabhängiger."
Der CSU-Chef verwies auf Erdgasvorräte in Norddeutschland, die "für mehrere Jahrzehnte" reichen würden. "Wir müssten sie nur nutzen", betonte Söder. Andernfalls drohe "eine neue Abhängigkeit von teurem Fracking-Gas aus den USA und den internationalen Lieferwegen". Es gehe nicht, über die internationalen Preise zu jammern und uns zugleich der Förderung der eigenen Energievorräte grundlegend zu verweigern.