"Alles steht still"Russlands Landwirte kämpfen mit Treibstoffkrise

Der Ukraine gelingen immer wieder erfolgreiche Angriffe auf Russlands Öl-Raffinerien. Die Folgen sind mittlerweile landesweit zu spüren. Die Treibstoffkrise sowie die Seeblockade im Asowschen Meer hinterlassen auch in der russischen Landwirtschaft Spuren.
Russische Landwirte haben trotz einer guten Ernte mit massiven Problemen durch den Krieg in der Ukraine zu kämpfen. Eine landesweite Treibstoffkrise und die jüngste militärische Eskalation im Asowschen Meer setzen die Betriebe unter Druck. "Alles steht still. Gerste - Stillstand. Weizen - Stillstand", sagte die Landwirtin Ljubow Fedortschenko aus der südrussischen Region Rostow.
Wegen Beschränkungen für die Schifffahrt als wichtigsten Exportweg für Getreide aus der Region seien Kaufangebote für die Ernte ihres Hofes praktisch versiegt. "Wir brauchen jetzt dringend Geld. Wir müssen die Ernte verkaufen und Diesel, Benzin und Dünger kaufen." Die Treibstoffkrise ist eine Folge monatelanger ukrainischer Drohnenangriffe auf russische Raffinerien und hat zu einem starken Anstieg der Dieselpreise geführt.
Landwirtschaftsministerin beruhigt Landwirte
Die russische Landwirtschaftsministerin Oksana Lut räumte zwar ein, dass es in allen Regionen Probleme mit dem Treibstoff gebe, versprach den Bauern aber, dass der Staat die benötigten Lieferungen sicherstellen werde. Experten zufolge könnten die Probleme jedoch weitreichende Folgen haben.
Andrej Sisow von der Unternehmensberatung SovEcon sagte Reuters, Russland könne dem Weltmarkt fünf bis zehn Millionen Tonnen Weizen weniger liefern, wenn das Asowsche Meer nicht für die Schifffahrt geöffnet werde. Russland ist der weltgrößte Weizenexporteur. Sisow zufolge verlieren die Landwirte bereits rund 1000 Rubel (rund elf Euro) pro Tonne Getreide durch die steigenden Dieselpreise. Die Beschränkungen im Asowschen Meer verdoppelten diesen Betrag.