Wirtschaft

Airline streicht 150 Flüge Ryanair droht im Streikfall mit Rotstift

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"Es gibt ein hohes Interesse daran, zu zeigen, dass man zusammensteht", sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle.

picture alliance/dpa

Zwei Gewerkschaften rufen ab Mittwoch zu einem 24-Stunden-Streik der Piloten und Flugbegleiter von Ryanair auf. Das irische Unternehmen droht mit Konsequenzen. Auf Fluggäste kommen derweil Behinderungen zu.

Im Konflikt zwischen der Fluggesellschaft Ryanair und ihren Angestellten droht die Eskalation. Der Billigflieger konterte die Streikankündigungen der Gewerkschaften Vereinigung Cockpit (VC) und Verdi für den morgen Mittwoch mit Drohungen. Sollten die Streiks weitergehen, könnten von kleineren deutschen Standorten Jobs für Piloten und Flugbegleiter wegfallen, teilte Marketing-Chef Kenny Jacobs in einer Mitteilung an die Passagiere mit. Derweil streicht die Airline wegen des Streiks 150 ihrer 400 Flüge. Kunden könnten ihre Verbindungen kostenfrei auf die Tage Donnerstag bis Sonntag umbuchen.

Ryanair bezeichnete den geplanten Ausstand unnötig und inakzeptabel und forderte die Beschäftigten auf, zur Arbeit zu erscheinen. Ryanair habe bereits örtliche Verträge und eine verbesserte Bezahlung angeboten, daher gebe es keine Rechtfertigung für die "Störungen". Jacobs machte die VC für die Pleite von Air Berlin verantwortlich, ohne das näher zu begründen. Die Pilotengewerkschaft habe ferner bei der Lufthansa-Tochter Eurowings längst niedrigere Gehälter akzeptiert, als sie nun bei Ryanair gefordert würden.

Im Juli hatte Ryanair bereits seinen Beschäftigten in Irland mit einer Verlagerung in Niedriglohnländer gedroht. So solle die Flotte in Irland verkleinert werden - zugunsten von Arbeitsplätzen in Polen, hieß es. Die Airline begründete die Entscheidung unter anderem mit weniger Buchungen wegen der Pilotenstreiks in Irland.

"Das ist ein erster Warnstreik"

VC und Verdi haben für morgen einen ganztägigen Streik angekündigt. Rund 400 Piloten und 1000 Flugbegleiter werden in Deutschland von Ryanair beschäftigt. Erstmalig versuchen damit die Gewerkschaften der beiden Berufsgruppen gemeinsam, Verbesserungen für die Beschäftigten des größten Billigfliegers in Europa zu erzielen.

Unter den Piloten gibt es nach VC-Einschätzung etwa ein Drittel, das nicht direkt bei Ryanair angestellt ist und daher nicht mitstreiken kann. Die Airline selbst hatte vor einem Monat erklärt, dass etwa ein Fünftel der deutschen Piloten nicht bei Ryanair angestellt sei. Für Verdi ist es der erste Streik bei Ryanair. Die Gewerkschaft will weitere Streiks folgen lassen, wenn die irische Fluggesellschaft in den Tarifverhandlungen kein Entgegenkommen zeigt. "Das ist ein erster Warnstreik. Wie es weitergeht, hängt vom Verhandlungsverlauf ab", sagte Vorstandsmitglied Christine Behle in Berlin. Verdi erwartet, dass von den Streiks 300 bis 350 Flüge betroffen sein könnten.

Verdi-Verhandlungsführerin Mira Neumaier nannte das Tarifangebot für die Flugbegleiter nach zwei Verhandlungsrunden völlig unzureichend. Das Basisgehalt solle nach dem Ryanair-Angebot über einen Zeitraum von drei Jahren nur um 41 Euro angehoben werden.

Für vollzeitbeschäftigte Ryanair-Flugbegleiter liege es derzeit zwischen 800 und 1200 Euro brutto monatlich. Mit Flugstunden-Vergütung und Zuschlägen kämen sie auf etwa 1800 Euro, die Crew-Leiter auf 2700 Euro. Das Niveau liege um etwa 1000 Euro unter vergleichbaren Billigfliegern wie Easyjet. Nach Angaben von Verdi haben alle Kabinenbeschäftigten irische Arbeitsverträge. Diese sicherten zum Beispiel keine Entgeltfortzahlung bei Krankheit ab und erlaubten eine kurzfristige Versetzung an jeden andern Ryanair-Standort in Europa.

Quelle: n-tv.de, fzö/jwu/AFP/dpa

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