Zur GefahrenabwehrSachsen-Anhalt ordnet Weiterbetrieb insolventer Domo-Werke an
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Am ersten Weihnachtsfeiertag meldet der Chemiebetrieb Domo Insolvenz an. Zwei Wochen später enden die Verhandlungen mit Gläubigern erfolglos, der Notbetrieb droht. Nun springt Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Schulze dem angeschlagenen Unternehmen zur Seite.
Das Land Sachsen-Anhalt hat den Weiterbetrieb der Domo-Produktionsanlagen in Leuna angeordnet. Hintergrund ist die Abwehr von Gefahren für Mensch und Umwelt, wie der insolvente Chemieproduzent mitteilte. Aufgrund der leeren Kasse habe zuletzt nicht in "Energie, bestimmte Gase und Kühlmedien wie flüssigen Stickstoff" investiert werden können. Es drohte "ein Abriss der Belieferung", weshalb Domo ankündigte, nur noch im Notbetrieb produzieren zu können.
Das dafür notwendige teilweise Herunterfahren der Anlagen habe bei den aktuellen Wetterbedingungen jedoch nicht umgesetzt werden können. "Um Gefahren für Mensch und Umwelt zu vermeiden, müssen die Anlagen daher am Laufen gehalten werden", so Domo. Die Landesregierung in Magdeburg habe eine sogenannte Ersatzvornahme angeordnet. Das Traditionsunternehmen freut sich: "Dass das Land damit bis auf Weiteres die Fortführung der Produktion in einem reduzierten Umfang ermöglicht, ist eine sehr gute Nachricht", sagte Insolvenzverwalter Lucas Flöther. Er schöpfte neue Hoffnung, doch noch einen Interessenten zu finden, der das Domo-Werk übernehmen will.
Vergangene Woche wurde bekannt, dass die Rettung gescheitert ist. Flöther sagte dem MDR, dass die Gespräche mit den Gläubigern über ein sogenanntes kurzfristiges Massedarlehen gescheitert seien. Damit verbunden sei keine Zwischenfinanzierung zum Erhalt des Betriebs möglich. Als letzten Ausweg sah Domo die Einführung des Notbetriebs.
Doch der sachsen-anhaltinische Wirtschaftsminister Sven Schulze wollte das nicht einfach so hinnehmen. Er geht davon aus, dass Domo weiterbestehen könne, weshalb die Anlagen weiterhin laufen sollen. Das lässt sich das Land "einen hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Millionenbetrag" kosten. Dem MDR sagte Schulze jetzt, dass es Interessenten für eine Übernahme gebe. Der CDU-Politiker, der schon Ende des Monats die Nachfolge von Ministerpräsident Reiner Haseloff antreten soll, sagte dem Sender, dass in den nächsten Wochen erfolgreich eine Lösung gefunden werde.
Domo-Mutter stürzt Traditionsunternehmen in die Insolvenz
Domo, eines der größten Chemieunternehmen in Sachsen-Anhalt, hatte am 25. Dezember überraschend Insolvenz angemeldet. Grund sei laut "Mitteldeutscher Zeitung" eine Überschuldung des belgischen Mutterunternehmens Domo Chemicals Holding. Die Marktlage sei angespannt. Asiatische Konkurrenten würden Waren günstiger nach Europa liefern, während die Nachfrage aus der Automobil- und Baubranche weiter schwach blieb. Das Blatt berichtete bereits zu diesem Zeitpunkt von Verhandlungen mit Banken über einen Schuldenschnitt, doch die Gespräche scheiterten.
Das Unternehmen produziert am Standort Leuna unterschiedliche Produkte. Eines der wichtigsten ist Polyamid 6. Dabei handelt es sich um einen hitzebeständigen Kunststoff, der etwa in Motorräumen von Fahrzeugen, in Schaltschränken, aber auch für die Produktion von Outdoor-Kleidung eingesetzt wird. Noch im vergangenen Mai sprach Vertriebschef Vedran Kujundzic in der "Mitteldeutschen Zeitung" von schwarzen Zahlen, die das Unternehmen geschrieben habe. Domo investierte zu diesem Zeitpunkt in neue Maschinen. "Die Auslastung ist zufriedenstellend", hatte Kujundzic zu diesem Zeitpunkt erklärt. Ein gutes halbes Jahr später stand die Krise ins Haus.