Wirtschaft

Rekordprofit von 10 Mrd. Dollar Samsung könnte mehr verdienen als Apple

Apple Samsung3.jpg

Samsung könnte erstmals seinen Erzrivalen Apple beim Gewinn überflügeln.

(Foto: REUTERS)

Brennende Handys, Software-Sicherheitslücken, der Firmenerbe im Knast: Trotz eines Horror-Jahres könnte Samsung erstmals Apple beim Gewinn übertrumpfen. Denn der iPhone-Riese ist nicht nur größter Rivale, sondern auch die Rettung für die Koreaner.

Trotz aller Skandale hat Samsung den größten Profit aller Zeiten erzielt: Im zweiten Quartal hat der Elektronikkonzerns unterm Strich umgerechnet rund 9,9 Milliarden Dollar (elf Billionen Won) verdient - ein Plus von rund 90 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum vor einem Jahr. Auch der Betriebsgewinn zog um über 70 Prozent auf rund 12,6 Milliarden Dollar (14 Billionen Won) an.

Vom Umsatz zum Nettogewinn

Umsatz (Einnahmen)

- Kosten

= Ebitda (Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte)

- Abschreibungen (Wertverluste,  z.B. von Maschinen)

= Ebit (Ergebnis vor Zinsen und Steuern. Auch: Betriebsergebnis (-gewinn) oder operatives Ergebnis)

- Finanzergebnis (Saldo aus Zinserträgen und Zinskosten)

= Ebt (Vorsteuerergebnis)

-  Steuern

= Jahresüberschuss (auch: Nettogewinn, auch: "unter dem Strich")

(geteilt durch die Zahl der Aktien ergibt sich der Gewinn pro Aktie)

Doch viel bedeutsamer als für den Elektronikkonzern selbst sind diese Zahlen womöglich für das Smartphone-Business. Mit dem größten Gewinn der Firmengeschichte schickt Samsung sich an, Apple vom Thron zu stoßen: Der koreanische Handyhersteller könnte erstmals in einem Quartal profitabler werden als sein übermächtiger US-Rivale.

Größter Rivale und Regenmacher

Denn Apple erwartet laut der Konsensschätzung von Analysten im zweiten Quartal nur einen Gewinn von 8,2 Milliarden Dollar. Auf das gesamte Jahr gerechnet dürfte Apple seinen koreanischen Rivalen zwar trotzdem überflügeln. Dennoch sind die Zahlen ein Achtungssignal: Im operativen Geschäft hat Apple bisher im zweiten Quartal regelmäßig deutlich höhere Gewinne geschrieben als Samsung. In den letzten drei Monaten des Jahres hat Apple dank des Weihnachtsgeschäfts in der Vergangenheit regelmäßig sogar bis zu fünfmal soviel Profit eingefahren wie sein koreanischer Rivale.

Trotz der enormen Konkurrenz brauchen Samsung und Apple einander. Sie liefern sich zwar seit Jahren einen erbitterten Krieg um Patente und Designs. Sie ringen um die Vorherrschaft auf dem Smartphone-Markt. Und trotzdem ist Apple Samsungs wichtigster Kunde. Der ewige Rivale ist zugleich größter Gewinnbringer der Koreaner.

Denn die Chips, Halbleiter und Displays, die Samsung an seine Konkurrenten Apple und Sony verkauft, sorgen inzwischen für rund 70 Prozent der Gewinne bei Samsung. Samsung war von Anfang an der wichtigste Lieferant für Apples iPhone. Daran wird sich auch in Zukunft so schnell nichts ändern. Denn Samsung dominiert den globalen Markt für Speicherchips und Handybildschirme. So sehr Apple auch gerne würde - an der Konkurrenz aus Korea führt kein Weg vorbei.

Auch brennende Handys stoppen Samsung nicht

Auch die Rückschläge des vergangenen Jahres konnten Samsung offenbar nichts anhaben. Im Herbst scheiterte das neue Galaxy Note 7 nur wenige Wochen nach der Markteinführung krachend: Weltweit überhitzen defekte Akkus des Luxus-Smartphones und fingen Feuer. Das Pannen-Handy wurde zum Sicherheitsrisiko, Fluggesellschaften verboten das Einschalten. Abgesehen von dem Imageschaden kostete der peinliche Rückruf Samsung rund fünf Milliarden Dollar.

Auch bei den Smart-TVs der Koreaner gab es Probleme. Ein israelischer Sicherheitsforscher deckte Dutzende Sicherheitslücken in Samsungs Betriebssystem Tizen auf, die die Fernseher zur leichten Beute für Hacker machen. Und zu guter Letzt wurde im Februar auch noch Samsung-Firmenerbe und De-Facto-Chef Lee Jae-Yong verhaftet und angeklagt. Er soll in die Korruptionsaffäre verwickelt sein, die Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye im Dezember das Amt gekostet hat. Mit dem Segen von Lee soll Samsung umgerechnet 34,5 Millionen Euro Schmiergeld an eine Vertraute von Präsidentin Park gezahlt haben, um die Zustimmung der Regierung zu einer milliardenschweren Fusion zu sichern.

Trotz all der Skandale hat Samsungs Börsenwert in den vergangenen zwölf Monaten um über 60 Prozent auf umgerechnet 255 Milliarden Euro zugelegt. Trotzdem ist Samsung damit im Vergleich zu Apple immer noch ein Zwerg: Der iPhone-Hersteller bringt rund 680 Milliarden Euro auf die Waage.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema