Wirtschaft

Ende der Amtszeit naht Schafft Draghi die Zinswende?

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EZB-Chef Mario Draghi

(Foto: REUTERS)

Die Geldschwemme der Europäischen Zentralbank ist vor allem in Deutschland umstritten. Nun dämmen die Währungshüter die Geldflut ein. Sparer sollten sich jedoch keine allzu großen Hoffnungen auf schnell steigende Zinsen machen.

Europas Währungshüter haben das Ende ihrer Anti-Krisen-Politik eingeläutet. Mit steigenden Zinsen für Sparbuch, Tagesgeld und Co. können Verbraucher nach Einschätzung von Ökonomen allerdings auch im kommenden Jahr noch nicht rechnen. Während Kritiker angesichts gestiegener Inflationsraten mehr Tempo beim Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik fordern, könnte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, eher auf die Bremse treten. Ob er selbst noch bis zum Ende seiner Amtszeit im Herbst 2019 die Zinswende einleiten wird, ist ungewiss.

Beschlossen ist zunächst einmal das Ende der milliardenschweren Netto-Neukäufe von Anleihen zum Jahresende. Im Kampf gegen Konjunkturflaute und zeitweise gefährlich niedrige Inflation hat die Notenbank insgesamt rund 2,6 Billionen Euro in den Markt gepumpt. Die EZB wird die Geldschleusen aber nicht schlagartig schließen, sondern will die Gelder aus auslaufenden Staats- und Unternehmensanleihen wieder investieren - und zwar über den Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung hinaus.

Eine erste Erhöhung stellen die Währungshüter frühestens für kommenden Herbst in Aussicht. Volkswirte erwarten, dass die EZB dann zunächst den Strafzins für Banken und Sparkassen verringern wird. Derzeit müssen Finanzinstitute 0,4 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken. Das soll Banken animieren, das Geld lieber in Form von Krediten an ihre Kunden weiterzureichen.

Denn wenn mehr Geld ausgegeben wird, kann das die Inflation in Schwung bringen. Das ist wichtig, weil dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise Unternehmen und Verbraucher dazu bringen können, Investitionen aufzuschieben - und das kann die Konjunktur bremsen. Die Notenbank strebt für den Euroraum mittelfristig eine Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent an - weit genug entfernt von der Nullmarke. Im November hatten höhere Energiepreise die Inflation in dem Währungsraum mit 19 Ländern auf 2,0 Prozent getrieben. Das EZB-Ziel ist also eigentlich erreicht.

Schwache Kerinflation

Volkswirte schließen aber dennoch nicht aus, dass sich die Währungshüter mit einem ersten Zinsschritt länger Zeit lassen könnten. Die Wahrscheinlichkeit sei gesunken, dass Draghi eine Zinserhöhung liefere, bevor seine achtjährige Amtszeit Ende Oktober 2019 auslaufe, meinte jüngst der Chefvolkswirt der ING in Deutschland, Carsten Brzeski. Auch Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), befürchtet, "dass die EZB die Zinsen nicht nach dem Sommer nächsten Jahres wird erhöhen können, sondern dies hinauszögern muss". Vor allem die Kerninflation - die Teuerung ohne schwankungsanfällige Energie- und Nahrungsmittelpreise - sei immer noch zu schwach.

Wann die EZB ihren Hauptleitzins wieder anheben wird, ist vorerst nicht abzusehen. Dieser Zinssatz ist für Sparer und Kreditnehmer wichtig, weil er großen Einfluss auf die Einlagen- und Kreditzinsen der Banken hat. Aktuell liegt dieser Zins bei null Prozent. Auf diesem Rekordtief dürfte er wohl auch 2019 verharren.

Weil die Inflation tendenziell wieder anzieht, verlieren Sparer auf mickrig verzinsten Tages- oder Festgeldkonten bares Geld. Auch die Verzinsung von Lebensversicherungen sinkt, weil es den Assekuranzen in der Zinsflaute immer schwerer fällt, die hohen Garantieversprechen der Vergangenheit zu erwirtschaften. Andererseits profitieren etwa Hausbauer von vergleichsweise günstigen Kreditkonditionen.

Kritiker fordern angesichts gestiegener Teuerungsraten ein höheres Tempo beim Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik. Leider bremse die EZB ihren geldpolitischen Krisenmodus nur, stoppe ihn aber nicht, bemängelt Hans-Walter Peters, Präsident des Bankenverbandes BdB. "Sie verhält sich nach wie vor zu zögerlich."

Handelskonflikte als Risikofaktor

Ökonom Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hält das Timing für verfehlt: "Der EZB-Rat beendet die Staatsanleihekäufe jetzt zu einem Zeitpunkt, in dem sich die konjunkturelle Perspektive der Eurozone bereits wieder rasant verdunkelt."

Vor allem von den USA angeheizte Handelskonflikte belasten die Aussichten für die Weltwirtschaft. Hinzu kommen die Unwägbarkeiten des Brexits und die umstrittene Schuldenpolitik der drittgrößten Euro-Volkswirtschaft Italien. Das alles kann die Konjunktur und damit die Entwicklung der Inflation dämpfen. Bank-Ökonomen, Wirtschaftsforschungsinstitute und internationale Organisationen senkten zuletzt ihre Konjunkturprognosen für Deutschland und den Euroraum.

Auch die EZB ist etwas weniger zuversichtlich als noch im September. Anlass zur Sorge sieht Draghi jedoch nicht: Es gebe Anzeichen für "ein schwächeres Wachstum, aber nicht für ein schwaches Wachstum".

Quelle: n-tv.de, Friederike Marx und Jörn Bender, dpa

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