Wirtschaft

Bauern gegen höhere Steuer Schlachter produzieren weniger Fleisch

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2,6 Millionen Tonnen Schweinefleisch wurden in der ersten Jahreshälfte produziert - knapp vier Prozent weniger als im Vorjahr.

(Foto: dpa)

Während die Fleischproduktion in Deutschland in der ersten Jahreshälfte sinkt, wird über eine höhere Mehrwertsteuer für Fleisch diskutiert. Der Bauernverband hält diese für "zu kurz gedacht" - und die Fleischwarenindustrie warnt vor einer Belastung von Geringverdienern.

Die Schlachtbetriebe in Deutschland haben im ersten Halbjahr 2019 deutlich weniger Fleisch produziert als im Vorjahreszeitraum. Die Fleischmenge inklusive Geflügelfleisch sei um 2,6 Prozent auf 3,9 Millionen Tonnen zurückgegangen, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Demnach wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 29,4 Millionen Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde geschlachtet.

Die Schweinefleischproduktion, die mit etwa zwei Dritteln den größten Anteil an der gewerblichen Fleischproduktion in Deutschland ausmacht, ging mit 2,6 Millionen Tonnen produziertem Fleisch um 3,7 Prozent zurück. Die produzierte Menge Rindfleisch stieg indes leicht um 0,7 Prozent. Zwar wurden gut 21.000 Tiere weniger getötet, das Schlachtgewicht der Rinder nahm jedoch zu. Beim Geflügelfleisch ging die produzierte Menge um 0,7 Prozent zurück. Gründe für den Rückgang der Fleischproduktion nannte die Behörde nicht.

Die Bauern halten derweil die von Grünen und SPD geforderte höhere Fleischsteuer für "zu kurz gedacht" und fordern stattdessen eine ausgereifte Strategie für die Nutztierhaltung. "Nicht der Fiskus, sondern die Landwirte brauchen Mittel und Unterstützung für eine Weiterentwicklung der Tierhaltung", erklärte der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands (DBV), Bernhard Krüsken. Eine Fleischsteuer würde zudem derzeit "ins Leere laufen", weil es für Um- und Neubauten von Ställen etwa zur Vergrößerung eine bürokratische Blockade im Bau- und Genehmigungsrecht gebe.

Belastung von Geringverdienern?

Der DBV reagierte damit auf Äußerungen von Politikern der Grünen und der SPD, die sich für eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Fleisch ausgesprochen hatten. Derzeit gilt der ermäßigte Umsatzsteuersatz von sieben Prozent. Das Geld solle zweckgebunden für mehr Tierwohl eingesetzt werden. Der Deutsche Tierschutzbund hatte kürzlich eine Fleischsteuer zur Finanzierung einer besseren Tierhaltung vorgeschlagen. Mit den Mehreinnahmen könnte demnach der Umbau der Ställe finanziert werden.

Der Bauernverband appellierte stattdessen an Marktpartner und Verbraucher. "Weder dem Tierwohl noch dem Klimaschutz ist gedient, wenn die deutschen Landwirte weiter in mehr Tierwohl investieren und der Markt sich preisgünstig aus anderen EU-Ländern mit niedrigeren Tierwohlstandards versorgt", erklärte Krüsken. Nötig sei deshalb eine flächendeckende und verbindliche Kennzeichnung der Haltungsform.

Der Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie (BVDF) warnte vor einer Belastung für ärmere Bürger. "Hier droht eine weitere Abgabe, die eine finanzielle Belastung insbesondere für Menschen mit wenig Einkommen darstellt und anschließend irgendwo versickert", sagte BVDF-Geschäftsführer Thomas Vogelsang den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Über eine Reform des Mehrwertsteuersystems werde seit Langem diskutiert, es dürften aber "nicht willkürlich einzelne Produkte" verteuert werden.

Quelle: n-tv.de, ftü/AFP/dpa

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