Wirtschaft

Musk enttäuscht Anleger Schnäppchen-Tesla lässt auf sich warten

Eine "wahnsinnige" Entwicklung hatte Tesla-Chef Musk vor dem "Battery Day" angekündigt. Günstige Batterien sollten E-Autos endlich für jedermann erschwinglich machen. Doch was der Tech-Milliardär auf der Bühne in Fremont liefert, bleibt erstmal Zukunftsmusik.

Es ist das Rennen um den Massenmarkt. Welcher Hersteller geht als erster mit einem Elektro-Fahrzeug an den Start, das mit Verbrennern konkurrenzfähig und für jedermann erschwinglich ist? Die Erwartungen an den "Battery Day" von Tesla waren hoch. Immerhin hatte Konzernchef Elon Musk nicht weniger als eine "wahnsinnige" Entwicklung auf Twitter angekündigt. Erwartet worden war eine spontane, dramatische Preissenkung bei seinen Elektroautos - möglich durch deutlich günstigere Batterien. Was er am Dienstagabend auf der Bühne präsentierte, blieb dann aber hinter der angekündigten Batterierevolution zurück.

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"Wir sind zuversichtlich, dass wir ein sehr, sehr überzeugendes Elektroauto für 25.000 Dollar bauen können", sagte der schillernde Tech-Milliardär, der nicht das erste Mal große Erwartungen geschürt und dann nicht sofort geliefert hat. 25.000 Dollar sind umgerechnet 21.000 Euro. Das wären 8500 Euro weniger als das derzeit günstigste Modell des Herstellers kostet. Wäre das auf kurze Sicht möglich, dann wäre es eine Revolution. Tatsache ist aber: Eine Billig-Batterie und damit ein massentauglicher Tesla bleiben vorerst Zukunftsmusik. Hoffnungen auf einen unmittelbaren Durchbruch dämpfte Musk auf der Bühne. Die angekündigten Innovationen dürften sich nach seinen Worten erst ab 2023 beim Absatz bemerkbar machen - also erst in drei Jahren.

Batterien zum halben Preis

Was Musk bei der im Internet übertragenen Präsentation, die mehr als 270.000 Menschen sahen, für die Zukunft versprach, ist eine völlig neue Generation von Batterien. Sie sollen deutlich leistungsstärker und ausdauernder sein als die derzeitigen - und nur halb so viel kosten. Das wäre ein gewaltiger Fortschritt. Denn Batterien sind heute der maßgebliche Kostenfaktor bei Elektroautos. Teslas neue Batterien sollen praktisch ohne das teure Schwermetall Kobalt auskommen. Geplant ist ferner ein Recycling von Batteriezellen in der sogenannten Gigafabrik im US-Bundesstaat Nevada.

Anfangs sollen die neuen Batteriezellen in einer neuen Montagelinie nahe der Fabrik im kalifornischen Fremont produziert werden. Für ein massentaugliches Fahrzeug reicht die eigene Batterieproduktion aber nicht aus. Bislang lässt Tesla seine Batterien in Fabriken in den USA und China herstellen. In Deutschland entsteht nahe Berlin eine neue Riesenfabrik. Selbst mit Zulieferern wie zum Beispiel Panasonic, die Batterien für Tesla herstellen, könnte es einen Engpass geben. Deshalb müsse das Unternehmen nun "selbst tätig werden", kündigte Musk an.

Unterm Strich bedeutet das: Die Kunden müssen sich gedulden, denn ohne die drastischen Kostensenkungen in der Batterieherstellung werden auch die Preise für E-Fahrzeuge nicht fallen. Was Musk lieferte, war vor allem Zukunftsmusik. Die von ihm geschürten Erwartungen, dass er bahnbrechende Innovationen bei der Fertigung von Autobatterien liefern könnte, hat er nicht erfüllt.

Dämpfer: Zielmarke erst in drei Jahren erreicht

Unter Investoren sorgte das für Enttäuschung. Die Aktie des Elektroautopioniers, der in den vergangenen Monaten zum wertvollsten Autohersteller aufgestiegen war, sackte im nachbörslichen Geschäft um 7 Prozent ab. Im regulären Handel hatten die Papiere davor bereits 5,6 Prozent eingebüßt.

Allerdings zählt Tesla mit einem Kursplus von über 400 Prozent im laufenden Jahr auch zu den größten Überfliegern am Markt, sodass die Gelegenheit für Gewinnmitnahmen auch günstig gewesen sei, wie Analysten von "Der Aktionär" schreiben. Mit einem Börsenwert von gut 395 Milliarden Dollar sei der Konzern aktuell der mit Abstand am höchsten gehandelte Autohersteller weltweit. Grundsätzlich gelte weiterhin: Nur wenige Unternehmen auf der Welt hätten dieselbe Innovationsgeschwindigkeit wie Tesla. Gleichzeitig sei Tesla mit einem Börsenwert von aktuell 417 Milliarden Dollar auch sehr sportlich bewertet.

Hartgesottene Tesla-Fans hatten trotz der Enttäuschung auf dem "Battery Day" Gelegenheit, ihr Idol zu feiern. Denn während die Corona-Pandemie der Autoindustrie insgesamt schwer zu schaffen macht, ist Tesla weiter auf Erfolgskurs. "Uns geht es 2020 sehr gut, wir werden trotz schwieriger Umstände wahrscheinlich ein Wachstum zwischen 30 und 40 Prozent erreichen", erklärte Musk bei der Hauptversammlung vor dem Batterie-Event. Damit machte er deutlich, dass er am ehrgeizigen Jahresziel festhält, rund 500.000 E-Autos auszuliefern. Das wären 36 Prozent mehr als im Vorjahr. Der 49-jährige Milliardär wurde dafür mit einem Hupkonzert gefeiert. Wegen der Corona-Krise fand das Aktionärstreffen vor Teslas US-Autowerk in einer Freiluftbühne im Stile eines Autokinos statt.

Quelle: ntv.de, ddi/rts/dpa