Wirtschaft

Suisse Secrets Schweizer Bank hofierte kriminelle Kunden

Autokraten, Menschenhändler und Dealer gehören jahrelang zu den Kunden der zweitgrößten Schweizer Bank Credit Suisse, wie eine Datenauswertung mehrerer Medien zeigt. Eine anonyme Quelle hatte hierzu die Informationen geliefert. Ihr zufolge ist das Bankgeheimnis ein "Feigenblatt" für Kollaborateure.

Die zweitgrößte Bank der Schweiz, die Credit Suisse, hat über viele Jahre hinweg korrupte Autokraten, mutmaßliche Kriegsverbrecher sowie Menschenhändler, Drogendealer und andere Kriminelle als Kunden akzeptiert. Das belegen Daten aus dem Geldinstitut, die der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) von einer anonymen Quelle zugespielt und zusammen mit NDR, WDR und mehreren internationalen Medienpartnern - darunter "Guardian", "Le Monde" und die "New York Times" - ausgewertet wurden. Die Unterlagen geben Aufschluss über die Konten von mehr als 30.000 Kunden aus aller Welt und legen mutmaßliche Versäumnisse der Bank bei der Überprüfung vieler Kunden nahe. Die Credit Suisse weist die Vorwürfe zurück. Ein Großteil der Konten sei zudem längst geschlossen worden.

Den Suisse-Secrets-Daten zufolge konnten Kriminelle bei der Credit Suisse Konten eröffnen beziehungsweise ihre Konten auch dann behalten, wenn die Bank längst hätte wissen können, dass sie es mit Straftätern zu tun hat. Banken müssen Kunden sorgfältig überprüfen, dies gilt insbesondere für Staats- oder Regierungschefs, Minister, Geheimdienstler oder Unternehmer mit fragwürdigen Geschäftspraktiken. Falls ihnen Vermögen ungeklärter Herkunft auffällt, das aus Straftaten stammt oder solchen dienen könnte, müssen sie einen Geldwäscheverdacht melden.

Die Daten der Suisse Secrets reichen von den 1940er-Jahren bis weit ins vergangene Jahrzehnt, mehr als zwei Drittel der vorliegenden Konten wurden nach dem Jahr 2000 eröffnet, etliche von ihnen gibt es nach Recherchen von SZ, NDR und WDR bis heute. In den Daten finden sich unter anderem ein auf den Philippinen verurteilter Menschenhändler und ein ägyptischer Mörder ebenso wie mutmaßlich in krumme Geschäfte verwickelte Kardinäle und ein 2008 wegen Bestechung verurteilter früherer Siemens-Manager.

Mit Gehalt nicht zu erklärende Geldsummen

Der ehemalige Nigeria-Chef des Münchner Weltkonzerns hatte zeitweise sechs Konten bei der Credit Suisse. Auf einem davon ist laut den Daten im Jahr 2006 als Höchststand ein Vermögen im Wert von mehr als 54 Millionen Schweizer Franken eingetragen - eine Summe, die mit seinem Siemens-Gehalt nicht zu erklären ist. Auf Anfrage stritt der Ex-Manager Fehlverhalten ab, ohne zu erklären, woher die Millionen stammen.

Die Credit Suisse wollte konkrete Fragen zu diesem Fall und auch zu den anderen fragwürdigen Konten nicht beantworten, versicherte aber, "höchste Verhaltensstandards" zu befolgen: "Die Credit Suisse hält bei der Ausübung ihrer Geschäftstätigkeit die geltenden globalen und lokalen Gesetze und Bestimmungen ein."

Laut den internen Bankdaten waren viele Staats- und Regierungschefs, Minister und Geheimdienstchefs ebenso wie Oligarchen und Kardinäle Kunden der Credit Suisse. So tauchen unter anderem der jordanische König Abdullah II., der ehemalige irakische Vizepremier Ayad Allawi, der algerische Autokrat Abdelaziz Bouteflika sowie der armenische Ex-Präsident Armen Sarkissjan in den Unterlagen auf. Sarkissjan trat im Januar von seinem Amt als Staatspräsident zurück, kurz nachdem SZ, NDR und WDR ihm eine Anfrage zu seinen Konten bei der Credit Suisse geschickt hatte. Der Politiker erklärte, alle Konten geschlossen zu haben, bevor er verpflichtet gewesen sei, sein Vermögen zu deklarieren - inzwischen befasst sich ein nationale Antikorruptionsbehörde damit.

Schweizer Medien nicht beteiligt

Die "Süddeutsche Zeitung" hat die Credit-Suisse-Daten zusammen mit dem Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) und 46 Medienpartnern aus aller Welt ausgewertet. Die Ergebnisse werden unter dem Titel "Suisse Secrets" veröffentlicht. Die Credit Suisse sprach auf Anfrage in einer Stellungnahme von einer "konzertierten Aktion mit der Absicht, den Schweizer Finanzplatz [...] in Verruf zu bringen".

An der Recherche beteiligte sich kein Medium aus der Schweiz, da es das dortige Bankengesetz ermöglichen könnte, Journalisten wegen Recherchen von geleakten Bankdaten strafrechtlich zu verfolgen. Kritiker werten dies als massive Einschränkung der Pressefreiheit.

"Ich glaube, dass das Schweizer Bankgeheimnis unmoralisch ist"

Die Schweiz gilt als einer der intransparentesten Finanzplätze weltweit. Jegliche Weitergabe von Kontoinformationen steht unter Strafe. Zwar wurde das Bankgeheimnis in den vergangenen Jahren aufgeweicht, da die Schweiz mit etlichen Ländern Informationen über Kontoinhaber austauscht - mit einigen der ärmsten und korruptesten Länder jedoch nicht.

"Ich glaube, dass das Schweizer Bankgeheimnis unmoralisch ist", erklärte die Quelle der Suisse-Secrets-Daten, die der SZ und ihren Recherchepartnern nicht bekannt ist, in einem Statement. "Der Vorwand, die finanzielle Privatsphäre zu schützen, ist lediglich ein Feigenblatt, um die schändliche Rolle der Schweizer Banken als Kollaborateure von Steuerhinterziehern zu verschleiern."

Quelle: ntv.de, mpe

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