Wirtschaft

Zentralbanken rutschen in Minus Schweizer Zentralbank meldet riesigen Verlust

107761294.jpg

Im Auftrag der SNB frisch gedruckte Schweizer Franken. Da sie selbst Geld schaffen können, können die meisten Zentralbanken auch bei großen Verlusten nicht pleite gehen.

(Foto: picture alliance/KEYSTONE)

Erst zum zweiten Mal in ihrer über 100-jährigen Geschichte weist die Schweizerische Nationalbank einen Verlust aus. Umgerechnet 134 Milliarden Euro beträgt der riesige Fehlbetrag. Auch die Bundesbank und anderen Zentralbanken stellen sich auf Milliardenverluste ein.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) wird für das Geschäftsjahr 2022 nach vorläufigen Berechnungen einen Verlust in der Größenordnung von 132 Milliarden Franken (134 Milliarden Euro) ausweisen. Es ist erst der zweite und mit Abstand größte Fehlbetrag in der 115-jährigen Geschichte der Schweizer Zentralbank, die gewöhnlich Jahr für Jahr beträchtliche Gewinne an die Schweizer Kantone und die Bundesregierung ausschüttet und damit einen erheblichen Beitrag zu deren Haushalt leistet. Für 2021 hatte sie 6 Milliarden Franken an Bund und Kantone gezahlt. Für das Jahr 2022 sei angesichts des Lochs in der Bilanz keine Auszahlung möglich, teilte die SNB nun mit.

Auch wenn die Höhe des SNB-Verlustes heraussticht, sind die Schweizer mit ihrem Problem nicht allein. Im Zuge der globalen Zinswende erwarten Zentralbanken rund um die Welt hohe Fehlbeträge. Die Europäische Zentralbank, beziehungsweise die Notenbanken der Euroländer dürften Schätzungen zufolge in den kommenden Jahren Verluste von insgesamt mehr als 100 Milliarden Euro anhäufen. Auch die US-Notenbank Fed steuert auf negative Ergebnisse zu, die sich auf mehr als 100 Milliarden Dollar innerhalb weniger Jahre summieren könnten.

Für die Notenbanker kommen die Verluste nicht überraschend. Sie haben sie durch das Anheben der Zinsen sogar selbst verursacht: Im vergangenen Jahr aber haben EZB, Fed & Co. die Zinsen, die sie etwa Geschäftsbanken auf deren Einlagen zahlen, stark angehoben. Auf der anderen Seite aber sitzen die Zentralbanken weiter auf Anleihen, die sie im Rahmen ihrer extrem lockeren Geldpolitik in großen Stil aufgekauft haben. Deren niedrige oder – etwa im Fall von deutschen Staatsanleihen – teilweise negativen Zinsen ändern sich zunächst jedoch nicht. Die Folge: Die Notenbanken müssen den Geschäftsbanken mehr Zinsen zahlen, als sie eingenommen haben.

Bundesbank hat vorgesorgt

Zudem ist der Wert der Papiere und Devisen, die Zentralbanken halten, zuletzt deutlich gesunken. Dieser Effekt hat der SNB den Großteil ihres Verlusts eingebrockt. Die SNB stemmt sich seit Ausbruch der Euro-Krise gegen eine Aufwertung des Franken. Dazu kaufte sie Devisen wie Dollar und Euro und verkaufte Franken. So hatte sie eine zeitweise fast 950 Milliarden Franken schwere Devisenreserve aufgebaut. Trotz der Verluste betrug der Wert dieser Reserve Ende 2022 immer noch 784 Milliarden Franken.

Anders als bei Geschäftsbanken oder anderen Unternehmen gefährden solche Verluste weder den Bestand noch die Handlungsfähigkeit von Zentralbanken, die ja das jeweilige Geld selbst schaffen können, selbst wenn das Eigenkapital aufgebraucht sein sollte. In Australien etwa hat die Notenbank im 2022 ihr Eigenkapital wegen ihrer jüngsten Verluste komplett aufgezehrt. Praktische Folgen hat das zunächst allerdings nicht.

Bitter für die Regierungen und Steuerzahler der betroffenen Staaten sind die Zentralbank-Verluste dennoch. Denn die meisten Notenbanken führen gewöhnlich Gewinne in Milliardenhöhe an den Fiskus ab. Die deutsche Bundesbank hat sogar schon in den vergangenen Jahren kein Geld mehr an das Finanzministerium überwiesen. Da die Verluste im Rahmen der Zinswende bereits länger absehbar, oder zumindest zu befürchten waren, hat die Bundesbank ihre Gewinne von 2020 und 2021 komplett zur Aufstockung ihrer Rücklagen verwendet.

Quelle: ntv.de, mbo/rts/DJ

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen